Nach Tuberkulose-Fall in Brannenburg: Die aktuellen TBC-Zahlen für Oberbayern

Jokisch: "Eine akute Gefahr war nie gegeben"

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Brannenburg - Ein Tuberkulosefall in der Gemeinde sorgte für große Verunsicherung in der Bevölkerung. Wir haben nach dem Gesundheitszustand des Erkrankten gefragt.

Sorge herrschte im vergangenen Monat bei den Anwohnern in der Umgebung der Steinbeisstraße. Ein Bewohner des dortigen Flüchtlingsheims wurde mit dem Verdacht auf eine gefährliche Infektion in ein Krankenhaus eingeliefert.

Nachdem uns Leser auf den Fall aufmerksam machten, wurde auf Anfrage von rosenheim24.de vom Landratsamt Rosenheim bestätigt, dass ein Bewohner der Asylbewerberunterkunft mit dem Verdacht auf eine Tuberkuloseinfektion in ein Krankenhaus eingeliefert worden war. 

Gesundheitsamt beruft sich auf Schweigepflicht

Unsere weiteren Recherchen gestalteten sich in diesem Fall schwierig: Wie geht es dem Asylbewerber? Welches Krankheitsbild wurde ihm schließlich attestiert? Bestand eine Gefahr für die Bevölkerung?

Das Gesundheitsamt Rosenheim berief sich auf Nachfrage unserer Redaktion auf die ärztliche Schweigepflicht. Auch das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit wollte keine Angaben über den Gesundheitszustand des Asylbewerbers machen und verwies uns wieder auf das Landratsamt Rosenheim.

Auskunft haben wir dann aber von Brannenburgs Bürgermeister Matthias Jokisch bekommen. Der gab Entwarnung:

"Für Brannenburg hat es nie eine akute Gefahr gegeben"

"Der Betreffende hatte erst drei Tage in der Asylunterkunft gelebt", so Jokisch, "weswegen der Personenkreis, der mit dem Patienten in Brannenburg in Kontakt kam, sehr überschaubar ist." Alle Personen, die mit dem an offener Tuberkulose erkrankten Mann in Kontakt kamen, befänden sich derzeit in ärztlicher Beobachtung, erläuterte der Bürgermeister. Die Asylbewerber seien derzeit nicht mehr in Brannenburg, so Jokisch: "Für die Gemeinde besteht also keine Gefahr mehr."

Jokisch stehe in dieser Sache in engem Kontakt mit dem Gesundheitsamt. Ein Vertreter des Gesundheitsamtes sei auch in der Gemeinde vor Ort gewesen und habe die Feuerwehr und den Helferkreis über Tuberkulose aufgeklärt"Eine akute Gefahr für Brannenburg hat es nie gegeben," so der Bürgermeister abschließend.

Zahlen für Tuberkuloseerkrankungen in Oberbayern

Im aktuellen Jahr 2016 wurden bis zum neunten Oktober bayernweit 805 Tuberkulosefälle gemeldet (Datenstand 14. Oktober 2016). Zum Vergleich: Im Jahr 2015 waren es laut einer Statistik des Bayerische Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit insgesamt 1067 Tuberkulosefälle (SurvNet , Datenstand 07.03.2016). 

"Im Jahr 2015 war in Deutschland eine deutliche Zunahme der Meldungen um 53% gegenüber 2014 zu beobachten. Besonders betroffen war die Gruppe der Asylsuchenden und Migranten, die je nach der Situation in ihren Heimatländern und den Umständen der Migration stärker gefährdet sind, an einer Tuberkulose zu erkranken, als die einheimische Bevölkerung. Dennoch ist die Zahl der aktuell in Deutschland gemeldeten Tuberkulose-Fälle um ein Vielfaches niedriger als noch vor gut 50 Jahren: Im Jahr 1960 wurden in Deutschland (nur BRD) noch mehr als 70.000 TBC-Fälle gemeldet! 

Die nach §36 Infektionsschutzgesetz und § 62 Asylgesetz gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchungen von Asylsuchenden zum Ausschluss einer Tuberkulose führten in Bayern im Jahr 2015 in 341 Fällen zur Diagnose einer behandlungsbedürftigen Tuberkulose, im Jahr 2014 in 104 Fällen. Dies belegt die enorme Wichtigkeit dieser gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchungen durch den ÖGD. Nur durch diese Maßnahmen können Tuberkulosen frühzeitig erkannt, eine Ausbreitung durch Ansteckung verhindert und die Erkrankten behandelt werden."

Was ist TBC?

Die Tuberkulose (kurz Tb, TB, Tbc oder TBC) ist eine weltweit verbreitete bakterielle Infektionskrankheit, die durch verschiedene Arten von Mykobakterien verursacht wird und beim Menschen am häufigsten die Lungen befällt. Sie führt die weltweite Statistik der tödlichen Infektionskrankheiten an. In Deutschland kamen 2014 5,6 Erkrankungen auf 100.000 Einwohner.

Wie erfolgt Übertragung?

Der Tuberkulose-Erreger Mycobacterium tuberculosis, aufgenommen unter dem Elektronenmikroskop

Die Infektion geht üblicherweise von einem an Tuberkulose erkrankten Menschen oder einem erkrankten Tier aus. Die Erkrankung muss so weit fortgeschritten sein, dass eine Verbindung zwischen infiziertem Gewebe und der Außenwelt besteht (sogenannte „offene Tuberkulose“). Erkrankte, bei denen diese Verbindung zur Außenwelt nicht besteht, scheiden keine Erreger aus und gelten daher als nicht infektiös. Häufigster und bedeutendster Infektionsweg für den Menschen ist die Übertragung durch die Luft (Tröpfcheninfektion).

Weitere Informationen zu Tuberkulose finden Sie auf der Homepage des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Quelle: rosenheim24.de

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