Bei Bundeswehr "in Kifferszene gerutscht"

Rosenheim - Hinlänglich bekannt ist die Redewendung von der Bundeswehr als "Schule der Nation". Doch ein Rosenheimer begann nach eigenen Angaben dort seine "Drogenkarriere".

Weniger gern wird hingegen darüber gesprochen, dass Angehörige der Streitkräfte auch so manches "lernen", was nichts mit "Wehrbereitschaft" zu tun hat. So auch im Falle des 42-jährigen Rosenheimers, dessen "Drogenkarriere" nach eigenen Angaben bei der Bundeswehr begonnen hat.

Der Angeklagte, der sich wegen Erwerb, Konsum und Handel sowohl mit leichten Betäubungsmitteln wie Cannabis und Marihuana in nicht geringen Mengen als auch mit harten Drogen wie Heroin, Kokain und Amphetamin zu verantworten hatte, erklärte dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Heinrich Loeber, dass er das erste Mal während seines Dienstes bei der Bundeswehr im "Kameradenkreis" mit Cannabis in Kontakt gekommen sei. Anfangs habe er nur gelegentlich aus Langweile an der "kameradschaftlichen Kifferrunde" teilgenommen, später aber regelmäßig.

Auch nach der Bundeswehrzeit habe er dem "Laster" weiterhin gefrönt. Damals habe er in einer südlichen Landkreisgemeinde gewohnt und relativ schnell Kontakt zur lokalen Kifferszene gefunden. Daran, so der Angeklagte, sei auch seine Ehe zerbrochen. Die Scheidung im Jahre 2003 habe ihn ziemlich "aus der Bahn geworfen" und er habe den Erwerb, Konsum und Handel intensiviert und auch zu harten Drogen gegriffen.

Auf Nachfrage von Richter Loeber erklärte er, dass er nicht drogenabhängig sei und bereits seit längerer Zeit die Finger von dem Stoff gelassen habe, selbst wenn er manchmal das Bedürfnis zum "Joint" verspüre. Glaubwürdig versicherte er, dass er eine neue Beziehung eingegangen sei und diese ihm geholfen habe, aus der Krise herauszukommen und auch darauf achte, dass er nicht abermals rückfällig werde.

Nach dem Verlesen der Anklageschrift und einer kurzen Beratungspause bot das Gericht dem Angeklagten für den Fall eines vollständigen und ehrlichen Geständnisses der ihm zur Last gelegten Straftaten als oberstes Strafmaß eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren an, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne, da der Angeklagte bereits bei der polizeilichen Vernehmung geständig gewesen sei und auch später mit den Ermittlungsbehörden kooperativ zusammengearbeitet habe, was letztlich zur Zerschlagung des damaligen Kifferkreises in der südlichen Landkreisgemeinde geführt habe.

Nicht ganz so "entgegenkommend" zeigte sich die Vertreterin der Anklage. Die mehrfach einschlägigen Vorstrafen des Angeklagten sowie dessen schwunghafter Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringen Mengen, darunter auch mit harten Drogen, erfordere eine Freiheitsstrafe, die nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden könne, zumal sich der Angeklagte bereits einmal als Bewährungsversager erwiesen habe. Sie plädierte für eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten ohne Bewährung.

Dem konnte und wollte sich sein Verteidiger keinesfalls anschließen. An den vorgeworfenen Straftaten, die strafrechtlich für eine Freiheitsstrafe sprechen, sei nicht zu rütteln, doch das uneingeschränkte Geständnis, die sechswöchige Untersuchungshaft, die kooperative Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbehörden, aber vor allem der Umstand, dass der Angeklagte sein Leben wieder in geordnete Bahnen gelenkt habe, sprächen für dessen positive Sozialprognose und würden mithin eine auf Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafe durchaus zulassen.

Das Gericht folgte weitgehend dieser Einlassung. Entsprechend der zugesagten Höchststrafe im Falle eines uneingeschränkten Geständnisses verurteilte es den Angeklagten zu einer Freiheits-strafe von zwei Jahren, auf fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt sowie zu 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

je/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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