Randale in Burghausen: So reagiert Wacker

+
Rund um das Spiel des SV Wacker am Samstag gegen Augsburg war ein Großaufgebot der Polizei vor Ort. Es kam auch zu Festnahmen.
  • schließen

Burghausen - Erneut überlagert beim SV Wacker eine Debatte über Ausschreitungen das Sportliche. Der Klub möchte durchgreifen, Stadionverbote sind wohl nur der erste Schritt.

Seit Samstag ist die Geschichte des Fußballs in Burghausen um ein unrühmliches Kapitel reicher. Wie bereits berichtet, kam es im Zusammenhang mit der Regionalliga-Partie des SV Wacker gegen die zweite Mannschaft des FC Augsburg zu mehreren Auseinandersetzungen zwischen Anhängern beider Vereine. Die Polizei hat mehrere Personen festgenommen und ermittelt nun unter anderem wegen Körperverletzung, Landfriedensbruch und Sachbeschädigung. Der Klub möchte jetzt resolut durchgreifen. Stadionverbote sind sehr wahrscheinlich, doch sogar noch härtere Maßnahmen werden derzeit diskutiert.

Wird die Westtribüne vorübergehend gesperrt?

"Diejenigen, die wir eindeutig identifizieren können, werden wir belangen", erklärt Werner Jedlitschka, Geschäftsführer der Wacker Burghausen Fußball GmbH, gegenüber unserer Redaktion. "Wir werden hier wohl Stadionverbote aussprechen", so Jedlitschka weiter. Mit der Stadt, dem Eigentümer des Stadion, habe man diesbezüglich schon Gespräche gehabt und sei mit Bürgermeister Hans Steindl einer Meinung. "Diejenigen, die wir eindeutig identifizieren können als Randalierer, als Gewaltfans, die müssen wir aus dem Stadion raushalten", so der Geschäftsführer.

Neben Stadionverboten diskutiert der Klub aber sogar eine noch drastischere Maßnahme: "Es ist durchaus auch eine vorübergehende Sperrung der Westtribüne im Gespräch", so Jedlitschka. Beschlossen sei zwar noch nichts, Jedlitschka zufolge könnte aber noch in dieser Woche eine Entscheidung über die weiteren Maßnahmen fallen. Die Westtribüne ist traditionell die Heimat eines Großteils des Stammpublikums des SV Wacker. Bürgermeister Steindl nannte die Westtribüne einmal "das Rückgrat der Mannschaft". Sowohl lautstarke Unterstützung der Mannschaft als auch Fanproteste hatten ihren Ursprung meist auf der Westtribüne.

Jedlitschka: Strategie des Klubs ist nicht gescheitert

Bereits im vergangenen Jahr hatte der SV Wacker außerhalb des Fußballplatzes für Schlagzeilen gesorgt. Mehrere Burghauser, die von der Polizei der Ultraszene zugeordnet werden, sollen heftig mit Beamten aneinandergeraten sein. Gegen die Polizisten sollen sogar Todesdrohungen ausgesprochen worden sein. Im April letzten Jahren kam es zu Ausschreitungen rund um das Spiel des SV Wacker gegen die Stuttgarter Kickers.

Um im Stadion endlich dauerhaft eine friedliche Atmosphäre garantieren zu können, befindet sich der SV Wacker seit vielen Monaten im Gespräch mit Vertretern der Fangruppierungen. Trotz der Vorfälle vom letzten Samstag hält Jedlitschka diese Strategie aber nicht für gescheitert. "Wir haben erfreut festgestellt, dass die Gespräche bis zu dem Augsburg-Spiel gefruchtet haben, dass sich die Fans also wie abgesprochen an die Vorgaben gehalten haben." Gemeinsam mit den Fans habe man ein Konzept erarbeitet, das in Burghausen rund um die Spiele eine für alle Zuschauer gute Atmosphäre schafft. Teil dieses Konzepts war auch, dass der Klub günstige Eintrittskarten für Familien anbietet. Bei den Besucherzahlen hatte sich dieses Konzept zuletzt bereits ausgezahlt.

Umso ärgerlicher sind da die Ausschreitungen vom letzten Wochenende. "Das ist für uns eine Sache, mit der wir, muss ich gestehen, wirklich nur schwer umgehen können", gesteht Jedlitschka. Fanvertreter wie Klub seien der Meinung, dass dieser Vorfall "die doch sehr mühsame Arbeit der letzten Monate kaputt macht".

Polizei schließt Augsburger Provokationen nicht aus

Wie es zu diesem Rückschlag kommen konnte, ist für den Geschäftsführer unerklärlich. Damit geht es ihm ähnlich wie Georg Nieß, Leiter der Polizeiinspektion Burghausen. "Ich kann es mir nicht erklären, warum diese Fanszene wieder zu solchen Gewalttätigkeiten gegriffen hat", so der Polizeichef gegenüber unserer Redaktion. Nieß vermutet, dass es in Burghausen - neben der breiten Masse der fußballbegeisterten, friedfertigen Fans - auch Fangruppierungen gibt, die nach Einschätzung des Polizeichefs den Fußball für gewalttätige Aktionen "missbrauchen". Diese Fans würde andere entsprechend provozieren - nicht nur, um verbal zu beleidigen, sondern um auch tätliche Auseinandersetzungen auszulösen.

Der Ursprung der Ausschreitung liegt aber nicht zwangsläufig ausschließlich in der Burghauser Fanszene. "Ich möchte nicht ausschließen, dass es auch Provokationen von den Augsburg-Fans gegeben hat", räumt Nieß ein. Allerdings sei man noch am Anfang der Ermittlungen. Schon jetzt geht der Burghauser Dienststellenleiter aber davon aus, dass die Augsburger der Provokation nicht aus dem Weg gegangen seien. Gerade bei dem Aufeinandertreffen von Fans beider Lager in der Marktler Straße vor dem Spiel habe es wohl zudem gegenseitige Provokationen gegeben.

Polizei hielt Spiel für unkritisch

Kritik aus den Reihen der Fans, die Polizei sei vor dem Spiel zu spät in der Marktler Straße eingetroffen, weist Nieß zurück. "Das ist nicht richtig. Nachdem wir erfahren hatten, dass sich hier Augsburger Fans und Burghauser Fans sehr nahe aneinander stehen im Stadtgebiet, haben wir unverzüglich Polizeikräfte und szenekundige Beamte vor Ort geschickt. Die waren auch vor Ort, das kann ich bestätigen", so Nieß. Der Polizeipräsenz sei es im Gegenteil zu verdanken, dass es nicht schon dort zu Auseinandersetzungen gekommen sei.

Dass es ausgerechnet gegen Augsburg zu Ausschreitungen kam, überraschte die Polizei offenbar völlig. "Wir haben bei diesem Spiel gegen Augsburg keine Eskalation erwartet und wir waren mit einem lageangepassten Kräfteansatz da", erklärt Nieß.

Augsburg-Spiel war sportlich betrachtet ein Erfolg

Besonders ärgerlich für alle Beteiligten ist die Tatsache, dass diese Schlagzeilen abseits des sportlichen Geschehens die positive Entwicklung des Klubs überschatten. Nieß lobt die friedfertigen Burghauser Fußballfans, die er nicht "mit den wenigen gewalttätigen Fans in einen Topf werfen" möchte und Jedlitschka betont, wie sehr die Gespräche der letzten Monate der Atmosphäre im Stadion gutgetan haben. Und zu guter Letzt wäre da ja auch noch die Leistung der Mannschaft auf dem Platz: "Wir sind sehr erfreut, wie sich das Team entwickelt. Hier leistet Mario Demmelbauer eine sehr gute Arbeit", lobt Jedlitschka. Man sehe immer wieder Fortschritte und die Analysen zeigten zudem, dass die Niederlagen vermeidbar gewesen waren.

Den größten sportlichen Lichtblick gab es für Jedlitschka aber ausgerechnet am vergangenen Samstag in der ersten Halbzeit gegen Augsburg. "Da haben wir ein richtig gutes Spiel abgeliefert. Wir haben entsprechende Bewertungen der Augsburger erhalten, die gesagt haben, so sind wir noch nie vorgeführt worden in dieser Liga." Eines steht ungeachtet der unschönen Szenen abseits des Platzes also fest: Die Mannschaft, die derzeit auf Rang acht steht, fasst in der Regionalliga immer besser Fuß. "Da sind wir auf einem guten Weg", lobt Jedlitschka.

Archiv: Großaufgebot der Polizei am Samstag

Großaufgebot der Polizei nach Wacker-Remis

Quelle: innsalzach24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser