Marihuana, Haschisch, Ecstasy

Prozess: Urteil gegen Dealer ist gefallen

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Burghausen/Mühldorf - Wegen jahrelangen Handels mit Drogen muss sich am Dienstag ein Burghauser vor Gericht verantworten. Nachdem die Plädoyers gehalten wurden, fiel nun auch das Urteil:

UPDATE 16.25 Uhr: Richter fällt das Urteil

Soeben hat der Richter das Urteil verkündet. Der Angeklagte wurde zu einer Freiheitsstrafe in Höhe von zwei Jahren verurteilt, für drei Jahre ausgesetzt zur Bewährung. Der Richter lobte - wie schon zuvor Staatsanwalt und Verteidigung - das überschießende Geständnis des Angeklagten. Das sei der Ausgangspunkt für zahlreiche andere Verfahren gewesen. Andererseits habe er hochprofessionell und gewinnorientiert agiert. "Das Gericht hat heute noch einmal ein Auge zugedrückt", so Richter Stallinger. Dies sei aufgrund der umgesetzten Mengen schwierig gewesen.

Das Gericht beschloss außerdem einen Verfall von Wertersatz in Höhe von 15.000 Euro. Diese Summe ist ein Teilbetrag dessen, was der Angeklagte mit dem Verkauf der Drogen eingenommen hatte. Diese Summe schuldet er nun der Staatskasse. Theoretisch hatte das Gericht sogar verlangen können, dass der Angeklagte der Staatskasse einen Betrag in Höhe seiner gesamten Bruttoeinnahmen zahlt - eine hohe fünfstellige Summe also.

Angesichts der Angaben des Angeklagten, er habe kein Geld mehr aus den Drogenverkäufen, können auch die 15.000 Euro hoch erscheinen. Der Richter unterstrich jedoch, dass er hoffe, dass den Angeklagten seine Zahlungsverpflichtung motivieren kann. Nach Abschluss seiner Ausbildung könne er schließlich das Geld "locker" zurückzahlen, so Stallinger.

Für den 20-Jährigen gibt es eine Reihe Auflagen. So muss er seine Therapie fortsetzen und mit Haarproben rechnen, die überprüft werden, ob er erneut Drogen konsumiert. Am Ende seiner Ausführungen rief der Richter den jungen Mann zu sich und sagte mit Blick auf die Bewährungszeit von drei Jahren: "In diesen drei Jahren passiert rein gar nichts." Es sei alles tabu, was im Strafgesetzbuch oder im Betäubungsmittelgesetz drin stehe und verboten sei, erklärte Stallinger. Hält sich der Angeklagte nicht an die eindringlichen Worte des Richters und begeht eine Straftat, könnte die Bewährung hinfällig sein.

UPDATE 15.30 Uhr: Weitere Zeugenaussagen und die Plädoyers

Nach dem Angeklagten machte eine Polizistin, die in die Ermittlungen eingebunden war, ihre Aussage. Nach den umfassenden Angaben des Angeklagten waren nur kurze Angaben der Zeugin erforderlich.

Anschließend hatte eine Vertreterin der Jugendgerichtshilfe das Wort. Sie bezeichnete den Angeklagten als "sehr zuverlässig" und lobte, dass sich die Noten des jungen Mannes gebessert hätten. Zudem habe sich der Burghauser sehr um eine positive Sozialprognose bemüht. "Das erlebt man selten", so die Expertin.

Insgesamt geht die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe allerdings davon aus, dass der Angeklagte "noch nicht einem Erwachsenen gleichzustellen" sei. Die Expertin halt also eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht für angemessen. Aufgrund des "Überschießenden Geständnisses" des Angeklagten sei zudem die Aussetzung einer etwaigen Freiheitsstrafe zur Bewährung sinnvoll.

Erneut fragte der Richter nach, wo das mit dem Verkauf der Drogen eingenommene Geld geblieben sei - wo der Angeklagte doch in Hotel Mama wohne. Der Burghauser blieb bei seinen bisherigen Angaben, dass das Geld weg sei. "Ich hab selber nichts davon", so der 20-Jährige, der sagte, er könne "beim besten Willen nicht sagen", wie das Geld komplett ausgegeben werden konnte. Die Expertin der Jugendgerichtshilfe sprang an dieser Stelle dem Angeklagten bei und erklärte, mit dem Geld habe er beim Feiern "immer Vollgas" gegeben. "Das kann sein, muss nicht sein", lautete der trockene Kommentar des Richters.

Anschließend haben Anklage und Verteidigung ihre Plädoyers gehalten. Der Staatsanwalt lobte das Geständnis des Angeklagten, verbunden mit wertvollen Angaben im Hinblick auf andere Ermittlungen. Der Angeklagte und eine weitere Person hätten "die Hosen runtergelassen", so der Staatsanwalt. Nicht nur seine Abnehmer, sondern auch konkrete Mengen habe der Angeklagte genannt.

Neben diesen umfassenden Angaben legte der Staatsanwalt dem Burghauser dessen "nach-Tat-Verhalten" positiv aus. So habe er sich selbst in die Suchtberatung begeben. Gegen den Angeklagten sprechen dem Staatsanwalt zufolge die großen Mengen, mit denen der Angeklagte handelte, und die Professionalität mit der er vorgegangen war. "Sie haben sich aufgeführt wie ein Großdealer", so der Staatsanwalt.

Der Staatsanwalt beantragte die Verurteilung nach Jugendstrafrecht zu einer Freiheitsstrafe in Höhe von zwei Jahren und sechs Monaten. Eine Bewährung wäre dann vom Tisch.

Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Erhard Frank, erwiderte in seinem Plädoyer direkt die Ausführungen des Staatsanwalts: "Ich bin zwar etwas überrascht, aber immerhin", sagte Frank. Der Verteidiger forderte eine stärkere Würdigung der umfassenden Aussagen des Angeklagten. Zumal der Angeklagte sicher nie mehr mit Drogen handeln werde. "Mit ihm wird keiner mehr ein Rauschgiftgeschäft machen." Außerdem plädierte Frank ob der positiven Sozialprognose des jungen Mannes für eine Bewährungsstrafe. "Wann haben sie je einen so positiven Bericht der Jugendgerichtshilfe gehört?" eine konkrete Höhe der möglichen Freiheitsstrafe nannte Frank nicht.

In seinem letzten Wort bat der Angeklagte den Richter inständig darum, ihn lediglich zu einer Bewährungsstrafe zu verurteilen. Sonst sei alles umsonst. "Ich kann nur sagen, dass ich es zutiefst bereue."

UPDATE 14.35 Uhr: Aussage des Angeklagten

Zu Beginn der Verhandlung machte der Angeklagte umfassende Angaben zu den Geschäften, die er in den letzten Jahren getätigt hatte. In regelmäßigen Abständen bezog der junge Mann demzufolge Marihuana und Haschisch von mehreren Personen. Der Handel mit mehreren Hundert Ecstasy-Tabletten sei hingegen "eine einmalige Sache" gewesen. In seiner Aussage nannte der 20-Jährige die Namen von Verkäufern und Kunden. Wie bereits berichtet, waren schon die Aussagen des Angeklagten bei der Polizei wertvoll für die Ermittlungen gegen andere Personen. Auf Nachfrage des Richters erklärte der Burghauser, dass er nie Drogen an Minderjährige verkauft habe.

Seine Angaben machte der Junge Mann äußerst sachlich, allerdings wirkte er dabei angespannt, sprach mit leicht brüchiger Stimme und machte immer wieder kleine Pausen.

Angefangen hatte dem Angeklagten zufolge offenbar alles mit privatem Drogenkonsum, den er und seine Freunde von ihrem Taschengeld finanzierten. Persönlich habe er immer nur "gekifft", präzisierte der 20-Jährige. Richter Dr. Georg Stallinger hakte nach, weshalb der Angeklagte später angefangen hat, mit den Drogen auch zu handeln, woraufhin dieser erklärte, er sei in die Szene so reingerutscht.

Den Gewinn aus dem Drogenhandel - dem 20-Jährigen zufolge ein- bis zweitausend Euro im Monat - habe er "größtenteils verraucht". Außerdem habe mit dem Geld er gefeiert und getrunken.

Inzwischen will der 20-Jährige einen Schlussstrich gezogen haben. Den Kontakt zu Verkäufern und Kunden habe er abgebrochen, er überlege sogar wegzuziehen. Den Ausschlag gab offenbar, dass seine Mutter zuhause Drogen gefunden hat und seine Eltern den 20-Jährigen daraufhin zur Rede stellten. Danach sei er ausgestiegen. Sein Vater habe ihn zudem darum gebeten, sich zu stellen - ohne Erfolg. "Das habe ich dummerweise abgelehnt", so der Angeklagte.

Vorbericht

Über mehrere Jahre hinweg soll der 20-Jährige mit Marihuana, Haschisch und Ecstasy gedealt haben. Die mutmaßlichen Einnahmen des Burghausers: Eine hohe fünfstellige Summe. Auch der Gewinn des jungen Mannes soll enorm gewesen sein. Mehrere hundert Ecstasy-Pillen etwa soll er mit einer Gewinnspanne von 70 Prozent verkauft haben.

Fast 30 Folgeverfahren dank der Aussage des Burghausers

Am Dienstagnachmittag muss sich der 20-Jährige vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Mühldorf verantworten. Der nicht vorbestrafte Burghauser zeigte sich bereits gegenüber den Ermittlern geständig. Genau das könnte ihn nun vor dem Gefängnis bewahren, denn die umfassende Aussage des jungen Mannes brachte die Ermittler auf die Spur mehrere Personen, die ebenfalls mit Drogenhandel in Berührung gekommen sein sollen. Fast 30 Folgeverfahren kamen so ins Rollen. Paragraf 31 des Betäubungsmittelgesetzes gibt dem Gericht die Möglichkeit, die Strafe eines Angeklagten zu mildern, wenn dessen Aussage erheblich zur Aufklärung anderer Taten beigetragen hat.

Im Prozess gegen den 20-Jährigen steht also die Frage im Fokus, in welchem Umfang das Gericht die umfassende Aussage des Burghausers als strafmildernd betrachtet. Womöglich wird der junge Mann lediglich zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Innsalzach24 ist vor Ort und berichtet aktuell vom Prozess. 

Quelle: innsalzach24.de

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