Hunderte Anleger bangen um ihr Vermögen

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Burghausen - 6,5 Millionen Euro sind sichergestellt, dennoch bangen hunderte Kunden eines Finanzunternehmers noch immer um ihr Vermögen. Sehen sie ihr Geld je wieder?

Anleger aus Österreich und Deutschland, einige aus dem Raum Burghausen, bangen um ihr Vermögen. Sie alle haben bei einem Burghauser Finanzunternehmer investiert, der sich vor einigen Wochen selbst angezeigt hat. Der Unternehmer spricht von "Unregelmäßigkeiten", die Hinweise auf ein Schneeballsystem verdichten sich. Sehen seine Kunden ihr Geld je wieder?

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André Haider von der Kanzlei Starflinger in Burghausen vertritt inzwischen 60 Anleger des Finanzunternehmers, "jeden Tag steigend", wie er sagt. Immerhin seien voraussichtlich zirka 6,5 Millionen Euro auf den Konten des Finanzunternehmers sichergestellt worden, so Haider. Bis die Kunden aber ihre Investition oder wenigstens einen Teil davon zurückgezahlt bekommen, könnten Jahre vergehen, schätzt der Rechtsanwalt. Den Millionenbetrag hat die BAFin sichergestellt und Haider geht davon aus, dass diese nun einen Insolvenzverwalter bestellt. Ein Insolvenzverfahren dauert in der Regel ein bis zwei Jahre. Die einzige Option, vielleicht schneller an das Geld zukommen, wäre ein gerichtliches Mahnverfahren.

Kunden bangen um ihre Altersvorsorge

Für viele Kunden des Finanzunternehmers steht finanziell viel auf dem Spiel. "Zum Teil sind dramatische Schicksale dabei", sagt André Haider. Manche Anleger haben dem Unternehmer ihre gesamte Altersvorsorge anvertraut. Die durchschnittliche Anlagesumme bewegt sich bei Haiders Mandanten zwischen 30.000 und 50.000 Euro, ein Anleger hat gar mehr als 200.000 Euro investiert. Alleine die 60 Kunden, die Haider vertritt, haben - alle Beträge aufaddiert - einen Millionenbetrag bei dem Finanzunternehmer angelegt. Wie viel Geld dem Burghauser insgesamt anvertraut wurde, ist bislang jedoch Spekulation. Vermutlich haben aber rund 500 Menschen bei dem Finanzunternehmer investiert.

Innsalzach24 liegt ein Geschäftsbesorgungsvertrag vor, der für eine Vielzahl von Anlegern verwendet wurde. Darin wird ein "Renditekorridor" von verlockenden 15 bis 20 Prozent pro Jahr als Anlageziel genannt - bei garantiertem Kapitalerhalt durch das Finanzunternehmen. Viele im Vertrag genannten Informationen, wie etwa "mehrfach diversifiziertes Leverage Portfolio", "standardisierte Futures-Kontrakte" oder "integriertes 'Top down-Bottom up' Risikocontrolling-Konzept", dürften für die meisten Kunden des Finanzunternehmers böhmische Dörfer gewesen sein.

Anklage wohl erst in einigen Monaten

Wie André Haider erklärt, erhärten sich die Hinweise, dass es sich um ein Schneeballsystem handelte. Man wisse allerdings nicht, wann es ein Schneeballsystem wurde, so der Rechtsanwalt. Haider hält es für möglich, dass der Finanzunternehmer "eventuell so reingerutscht" sei, nachdem er sich verspekuliert hat.

Tatsächlich ist nicht jeder Anleger des Finanzunternehmers zugleich Geschädigter. Manche haben mehr Geld ausgezahlt bekommen, als sie angelegt hatten. Diese Kunden bangen aber ebenfalls um ihr Geld, schließlich liegt die Vermutung nahe, dass die Auszahlungen nicht auf tatsächlich erzielten Gewinnen basieren, sondern Einlagen anderer Anleger ausgeschüttet worden sind.

Ermittlungen gegen den Finanzunternehmer laufen derzeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In Deutschland beschäftigt der Fall die Staatsanwaltschaft München II und das Landeskriminalamt. "Es wird sich einige Monate hinziehen, bis es zur Anklage kommt", schätzt Haider.

Quelle: innsalzach24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / obs

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