Jahrestag einer schweren Katastrophe

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6,5 Tonnen Fischkadaver wurden am Ufer der Alz gefunden. Das kontaminierte Wasser verätzte die Tiere.
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Burgkirchen - Kontaminiertes Wasser, Fischsterben, ein toter Fluss: Die folgenschwere Chemie-Katastrophe an der Alz jährt sich an diesem Mittwoch zum ersten Mal.

Es war der 6. März 2012. Gegen 19.45 Uhr wurden die Einsatzkräfte alarmiert: "Brand auf dem Werksgelände des Industrieparks". Großalarmierung. Neben der Werksfeuerwehr waren die Wehren aus den umliegenden Gemeinden vor Ort. Die Floriansjünger konnten das Feuer innerhalb einer halben Stunde unter Kontrolle bringen und vollständig löschen.

Der Brand war nicht groß, seine Auswirkungen sind aber bis heute deutlich spürbar: Bei den Löscharbeiten gelangte der Stoff Genamin LA 302 D ins Wasser.

Gegen 0.31 Uhr öffnete man im Werk die Schleusen, die das kontaminierte Wasser in die Alz abführten. Das Löschwasser wurde zum Zeitpunkt für unbedenklich gehalten. Ab diesem Moment floss kontaminiertes Wasser in die Alz. Beinahe neun Stunden lang. Und die Katastrophe nahm ihren Lauf.

Am nächsten Morgen entdeckte ein Spaziergänger das ganze Ausmaß der Vergiftung: Tote Fische - überall. Im Wasser, am Ufer. Der Stoff Genamin, der eigentlich für die Herstellung von Waschmittel verwendet wird, verätzte alles Leben im Fluss. Offiziell sprach man von 6,5 Tonnen totem Fisch zwischen dem Werk Gendorf und der Mündung des Inns.

Fische verenden immer noch in der Alz

Ein Jahr ist seitdem vergangen. Für die Renaturierung des kontaminierten Flusses stellte InfraServ Gendorf eine Million Euro zur Verfügung. „Wir übernehmen Verantwortung und wollen über den zügigen Ausgleich des entstandenen Schadens hinaus freiwillig zusätzliche Maßnahmen unterstützen, mit denen die Renaturierung der Alz beschleunigt wird“, so Dr. Bernhard Langhammer, Geschäftsleiter der InfraServ Gendorf im Juli vergangenen Jahres.

Eine Maßnahme, die für das bereitgestellte Geld getroffen werden soll, ist eine Fischtreppe, die den Fischen den Weg flussaufwärts zu den Laichplätzen erleichtern soll. Außerdem soll ein Altarm des Flusses ausgebaut werden - nämlich für den Fall, dass erneut Chemikalien in das Wasser gelangen. Dann könnten die Fische dort Schutz suchen.

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Die Flora und Fauna der Alz seien mittlerweile auf einem guten Weg. Das bescheinigt ein Monitoring-Gutachten aus dem Herbst. "Alle Fischarten, die vor dem Ereignis vorhanden waren, sind jetzt wieder da", konstatierte Langhammer beim Nachbarschaftsgespräch im Industriepark im Februar. Dennoch waren bis zu diesem Zeitpunkt lediglich 50.000 Euro der Million für Projekte, die der Renaturierung der Alz dienen sollen, auf den Weg gebracht. Der Grund dafür sei, dass die meisten Vorhaben genehmigungspflichtig seien.

Gerhard Merches, Vorsitzender der Altöttinger Kreisgruppe des Bund Naturschutz, erhofft sich dennoch einen Schub für die Renaturierung der Alz. "Das sind Maßnahmen, die positiv sind und ein Grundstein für ein weiteres Konzept für die Alz bilden sollten."

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rr/bla

Quelle: innsalzach24.de

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