Quest kauft "Capitol" - User sind skeptisch

+

Rosenheim - Jetzt ist es raus: Die Firma Quest Immobilien hat das alte Capitol-Kino gekauft. Dort sollen hochwertige Wohnungen entstehen. Aber einige User stehen der Idee skeptisch gegenüber.

Das Hick-Hack um das alte Capitol-Kino an der Prinzregentenstraße hat ein Ende: Quest Immobilien hat das Gebäude gekauft, dazu das hinten angrenzende Grundstück an der Samerstraße. Dort sollen möglichst schon im nächsten Jahr hochwertige Wohnungen entstehen.

Aber einige rosenheim24-Leser sind doch skeptisch, was jetzt aus dem Gebäude wird. Ein User kommentierte beispielsweise: "Man kann davon ausgehen, dass wieder einmal nur etwas für Superreiche entsteht. Das Volk darf dann einmal zum Tag der offenen Tür kommen und bleibt ansonsten außen vor - Penthouse, Loft und Gallerie kaufen sich dann ein paar Neureiche von irgendwo her."

Ob sich die Befürchtungen bewahrheiten, wird sich zeigen.

Lesen Sie hier den Artikel aus dem Oberbayerischen Volksblatt

Das "Capitol" ist verkauft

Morgens um 10 Uhr mussten Johannes Sewald und Klaus Werndl beim Vertragsabschluss in Neubeuern einen Cognac trinken. Dann wurde der Verkauf per Handschlag mit Karl-Wilhelm von Herder besiegelt. Wo Heinz Rühmann die Leute zum Lachen brachte, Frauen den Kinosaal stürmten, um bei „Dirty Dancing“ zu schmachten und Pärchen im Schutz der Dunkelheit knutschten, wollen die Investoren eine besondere Wohnanlage mit wenigen Läden im Erdgeschoss und Tiefgarage hinstellen. Sie wird in irgendeiner Weise das „Capitol‘“ im Namen tragen, eventuell als „Capitol-Passage“. Ein alter Filmprojektor oder sonst etwas aus dem Inventar des seit knapp zehn Jahren geschlossenen Kinos wird an die Vergangenheit erinnern, die so eng verbunden ist mit der Vergangenheit vieler Rosenheimer.

Respektvoller Umgang mit der Geschichte

Dieser respektvolle Umgang mit der Geschichte des Hauses und damit mit seinem Lebenswerk brachte den 85-jährigen Besitzer Karl-Wilhelm von Herder schließlich dazu, von seiner Forderung abzurücken, Käufer müssten das markante Gebäude an der Prinzregentenstraße auf jeden Fall erhalten. Interessenten dafür gab es einige: den Theatermann Gerry Mierbeth, die Destiny Church und die beiden Kinofanatiker Jan Jäger und Christian Anner. Doch ihnen allen fehlte das nötige Geld.

Unter dem Dach von Quest Immoblien haben sich Johannes Sewald, Helmut Stix, Christian Kopp und Klaus und Thomas Werndl für das Projekt zusammengetan. Quest steht nicht nur im Raum Rosenheim für qualitätsvolles Bauen und Sanieren. In Weyarn hat das Unternehmen den Umbau der alten Klosterbrauerei in Angriff genommen, lokal sind vor allem die Objekte Kunstmühle und Burgermühle in Rosenheim sowie die Alte Spinnerei in Kolbermoor bekannt. Immer verbeugt sich Quest auch vor der Geschichte. Mit demselben hohen Anspruch wollen die Unternehmer an das Projekt „Capitol“ herangehen. „Hochwertige Wohnungen, barrierefrei, kurze Wege“, charakterisiert Johannes Sewald das Vorhaben, das nun zunächst mit dem Bauamt und dem Stadtrat abgesprochen werden muss. Dies ist vor dem Verkauf nur im Groben geschehen, erst jetzt kann es an die Details gehen. Baudezernent Helmut Cybulska freut sich jedenfalls, dass Quest zum Zug gekommen ist. Da sei städtebaulich nichts Null-8/15-Mäßiges zu erwarten. Erste Entwürfe stammen vom renommierten Büro Behnisch Architekten.

„Ideal“ nennt Klaus Werndl die Lage für Wohnungen, die aufgrund der gehobenen Ausstattung zwar „ihren Preis“ haben werden, dafür aber der Anlage auch die besondere Note geben sollen. Gerade viele ältere Menschen würden das Wohnen im Zentrum vorziehen: „Da haben sie alles. Die Wohnung und wenn sie aus dem Haus gehen, Cafés, Einkaufen, Genuss.“

Conviso Rosenheim hat das Gelände seit Jahren weltweit angeboten. Das reichte bis nach Australien und die Dominikanische Republik. Dem Maklerbüro gelang es, durch die Vermarktung zweier Grundstücke in der Samerstraße das Interesse von Quest zu wecken. Durch das Zusammenfügen der beiden Areale ergibt sich eine für die geplante Wohnanlage zweckmäßige Grundstücksfläche von 2500 Quadratmetern, wobei die Käufer noch an einer Arrondierung im rückwärtigen Bereich der Samerstraße interessiert wären. „Es könnte uns ja egal sein, an wen wir verkaufen. Aber wir sind froh, dass wir mit Herrn Sewald zum Abschluss gekommen sind. Der will ja später auch noch erhobenen Hauptes über den Max-Josefs-Platz spazieren können. Da wird etwas Gutes herauskommen“, ist Conviso-Geschäftsführerin Astrid Schenk sicher.

Karl-Wilhelm von Herder hat das Grundstück so übergeben wie es ist. Das Gebäude selbst abreißen zu lassen, hätte er nicht übers Herz gebracht. Ein bisschen traurig ist er, doch auch der alte Herr ist froh, mit Quest Käufer gefunden zu haben, denen der Name „Capitol“ etwas bedeutet. „Das nostalgische Substanzgefühl hat im Laufe der Jahre nachgelassen“, gesteht von Herder. Dabei geholfen hat wohl auch, dass er in dieser Zeit für den Erhalt rund 100.000 Euro in das Gebäude gesteckt hat.

Geld habe bei den Verhandlungen für Karl-Wilhelm von Herder nicht im Vordergrund gestanden, attestieren ihm die Käufer, man sei sich über die Geschichte des Gebäudes näher gekommen und mit dem ausgesprochenen Willen, an diese zu erinnern. Letzendlich habe man sich dann auf einen in Rosenheim normalen Grundstückspreis einigen können.

Respekt verlangte den Käufern von Herders Beharren ab, erst mit den bisherigen Verhandlungspartnern ins Reine zu kommen. So werden beispielsweise die zuletzt noch übrig gebliebenen Interessenten, Jan Jäger und Christian Anner die Gelegenheit erhalten, zu Silvester eine Capitol-Abschiedsfeier zu veranstalten.

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser