Verband schreibt Protestbrief

Schwulenhasser auf dem Chiemsee Summer?

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Steht seit Jahren für seine früheren homophoben Texte in der Kritik: Beenie Man
  • schließen

Übersee - Der Auftritt des Dancehall-Stars Beenie Man auf dem Chiemsee Summer sorgt für Empörung. Doch ist der Künstler aus Jamaika wirklich noch homophob? 

„Ich träume von einem neuen Jamaika, wo sämtliche Schwulen hingerichtet werden!" 

Diese homophobe Textzeile stammt vom Künstler Beenie Man (40), der eigentlich Anthony Moses Davis heißt. Aus seiner Ablehnung gegenüber Homosexuellen machte der Künstler - zumindest in seiner Vergangenheit - keinen Hehl. 

"Hängt Lesben auf!"

Immer wieder rief der Jamaikaner offen zu Gewalt gegen Schwule auf: "Alle schwu­len Män­ner sol­len er­mor­det wer­den, er­schießt sie. Wir wer­den ihnen die Augen her­aus­schnei­den. Ich hol mein Ge­wehr her­aus und schlag ihnen damit die Stirn ein", heißt es in deutscher Übersetzung in seinem Song "All Battyman Fi dead" aus dem Jahr 2004. In seinem Song "Han Up Deh" forderte er: "Hängt Lesben mit einem langen Stück Seil auf!" Es gebe noch deutlichere Textzeilen, die wir hier aber unerwähnt lassen wollen. 

Seine Songs seien Volksverhetzung

Nicht akzeptieren wollte den Auftritt des Künstlers am Freitagabend die "Allianz Menschenrechte/Tier- und Naturschutz Bayern - Fachgruppe queer", die unserer Redaktion eine Stellungnahme zukommen ließ. 

Darin heißt es, der "sogenannte Künstler Bennie Man" müsse eigentlich "wegen öffentlicher Volksverhetzung und Aufruf zum Gruppenmord angezeigt werden und zugleich der Auftritt verboten werden". Dieses Auftrittsverbot solle für ganz Deutschland gelten, fordert die Fachgruppe queer.

Ein anderes Bild von diesem Künstler haben die Veranstalter des Chiemsee Summer: Auf der Festival-Homepage wird Beenie Man als "selbsternannter König der Tanzhalle" angekündigt, dessen Biografie sich "wie eine jamaikanische Erfolgsstory" lese. 

Proteste führten zu Konzertabsagen

Hat der Dancehall-DJ zwischenzeitlich seine Ansichten geändert? In den letzten Jahren sah er sich für seine homophoben Texte der Kritik ausgesetzt. Die weltweiten Proteste von Lesben- und Schwulenverbänden führten immer wieder zu Konzertabsagen, so auch in Hamburg. 

Im Jahr 2009 distanzierte er sich dann in einem Interview in der "Dancehall USA" von seinen früheren Songtexten. Er werde diese Lieder nicht mehr öffentlich singen und nicht mehr zu Gewalt aufrufen, versprach er.

In diesem Video distanziert er sich von seinen alten Songs: 

Auch in diesem Video-Statement aus dem Jahr 2012 für starlifedancehall.com zeigt sich Bennie Man geläutert und fordert: "Bekämpft mich nicht für Songs, die ich vor 20 Jahren gesungen habe. Niemand auf der Welt ist noch genauso, wie er vor 20 Jahren war." Und weiter: "Ich respektiere alle Menschen, ungeachtet an was sie glauben und ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung, einschließlich Schwule und Lesben."

Dass diese Abkehr von den früheren Songs jedoch einigen Vertretern der Lesben- und Schwulenszene entweder nicht glaubhaft erscheint, oder aufgrund der früheren Hass-Texte nicht akzeptiert werden kann, zeigt der aktuelle Protestbrief gegen den Auftritt auf dem Chiemsee Summer. 

mg/ro24

Quelle: chiemgau24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser