Überraschung im Prozess um "Chiemseer"-Bier

Paukenschlag-Urteil: User zeigen sich überrascht!

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Rosenheim - Am Oberlandesgericht München wurde am Donnerstag über zwei Biernamen verhandelt. Dabei ging es um das "Chiemseer"-Bier vom Chiemgauer Brauhaus Rosenheim und um die Marke "Klosterseer". 

UPDATE 13.47 Uhr: Die ersten User-Stimmen

Seit der Urteilsverkündung herrscht reger Aufruhr in den Kommentaren. Sowohl auf Facebook, als auch auf unseren Portalen, ist der Großteil der User überrascht von der Entscheidung des Oberlandesgerichts München. Knapp 70% halten demnach das Urteil für absolut unverständlich, rund 30% hingegen finden die Entscheidung gerechtfertigt, weil der Name des Bieres in die Irre führen könnte.

Wir haben einige User-Stimmen zusammengetragen:

Philodendron meint auf rosenheim24.de:  "Ja, und die Alpenmilch kommt ausschließlich aus den Alpen. Und die Bergbauernmilch nur von Berg-Bauern. Und Löwenbräu wird nur von Löwen gemolken ... Nicht zu vergessen: 'Rügenwalder' kommt nur von Rügen... Und Heilwasser heilt... Beim 'Chiemseer Bier' steht zumindest auf dem Etikett drauf, wo es gebraut worden ist. Nämlich in Rosenheim. Und die Biertrinker, die das 'Chiemseer' trinken, kaufen aus nicht, weil es aus dem Chiemsee kommt."

"Manuel Rösler" via Facebook:  "So ein Schmarrn, dann derf Franziskaner a nimmer so heißen, weil des keine Franziskaner Mönche brauen und des Bavaria Bier kommt ja auch ned aus Bayern. Als hätt ma keine anderen Probleme..."

Ein anderer User schreibt auf dem Portal rosenheim24: "Marketing-Gag des Auer-Bräus, die Einheimischen kannten die 'Mogelpackung' doch eh schon ..."

"Feistsagge Alois" meint hingegen ganz trocken: "Ab da dritten Mass is äh wurscht wias hoassd!"

UPDATE 12.35 Uhr: Urteil im Streit um Biernamen "Chiemseer"

Es wird nicht am Chiemsee, sondern in Rosenheim gebraut - deshalb darf das "Chiemseer"-Bier nicht mehr "Chiemseer" heißen. Diese Entscheidung traf das Oberlandesgericht am Donnerstagsmittag. 

Damit folgte das Gericht in diesem Fall der Argumentation der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs, wonach der Kunde durch diese geografische Herkunftsangabe in die Irre geführt werde. Erfolglos hatte das Chiemgauer Brauhaus Rosenheim (Auerbräu GmbH) versucht zu argumentieren, dass Rosenheim zum Chiemgau gehöre. 

Unklar ist nun, was mit den bereits abgefüllten Flaschen passiert und ob die Brauerei gegen dieses Urteil in Berufung gehen wird. 

Dieses Etikett dürfte es ab sofort nicht mehr geben:

Das nächste #bier #chiemseer #hell #chiemgauer #brauhaus

Ein von matse (@matse_h) gepostetes Foto am

UPDATE 11.45 Uhr: "Klosterseer" darf weiterhin "Klosterseer" heißen

Eine erste Entscheidung ist gefallen: Im Prozess des Brauhauses Tegernsee gegen die Brauerei Wildbräu, setzten sich die Bierbrauer aus dem Landkreis Ebersberg durch. 

Das bedeutet: Ihr Bier "Klosterseer" darf weiterhin so heißen. Die Gegenseite hatte argumentiert, dass die Kunden dadurch irritiert werden, weil die meisten Menschen mit dem Klostersee den bekannten See von Seeon verbinden - und nicht den Weiher bei Ebersberg. 

Die Richter am Oberlandesgericht sahen das laut BR anders. Der Name bleibt. 

Vorbericht: Prozesse um Biernamen am OLG

Die Kernfrage am Oberlandesgericht lautet am Donnerstag: Wo genau fängt denn der Chiemgau an? 

Die Wettbewerbszentrale wurde 1912/13 gegründet und ist ein gemeinnütziger Verein. Sie sieht sich als Selbst-kontrollinstitution der Wirtschaft für die Förderung des fairen Wettbewerbs. Zu den Mitgliedern gehören 2000 Verbände und Unternehmen

Angezeigt wurde das Chiemgauer Brauhaus Rosenheim, das zur Auerbräu GmbH gehört, von der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs (kurz: Wettbewerbszentrale). Der Grund: Das Bier wird tatsächlich in Rosenheim gebraut, wird aber unter der Bezeichnung "Chiemseer" vertrieben. Hiermit werden die Kunden, die das Bier auch überregional kaufen, in die Irre geführt, so die Klägerpartei. 

Das sieht die Brauerei anders: Rosenheim gehöre sehr wohl schon zum Chiemgau. Außerdem habe das zuständige bayerische Staatsministerium der Etikettengestaltung für das Chiemseer Bier zugestimmt. Die Fraueninsel im Chiemsee gehöre zum Landkreis Rosenheim und für Touristen aus dem Raum München beginne der Chiemgau ab dem Irschenberg. Zudem würden zahlreiche Organisationen von der Zugehörigkeit Rosenheims zum Chiemgau ausgehen, wie zum Beispiel das Bundesamt für den Naturschutz oder das Tourismus-Portal Chiemsee-Alpenland. 

Die Klage wurde in erster Instanz abgewiesen. Damals begründete das Landgericht die Abweisung unter anderem damit, dass auch niemand davon ausgeht, bei "Afri-Cola" ein Erfrischungsgetränk aus Afrika zu trinken. 

Fast ein Chelsea-Bier.. #Chiemseer

Ein von Torsten Wieland (@torstenwieland) gepostetes Foto am

Das "Chiemseer"-Bier wurde Anfang der 1980er-Jahre erstmals gebraut und fand schnell Zuspruch in der Bevölkerung. Aber erst nach der Schließung der damaligen Braustätte und der Gründung des Chiemgauer Brauhaus Rosenheim schaffte die Marke den Schritt zur echten Bierspezialität auch über den regionalen Tellerrand hinaus. 

Klostersee von Seeon oder von Grafing?

In einer weiteren Gerichtsverhandlung am OLG München geht es um das "Klosterseer" vom Grafinger Wildbräu.Hier klagt das Herzogliche Brauhaus Tegernsee, weil der Durchschnittskunde bei "Klosterseer" an den viel bekannteren See von Seeon denke - und nicht an den "Weiher" Klostersee, der etwa fünf Kilometer entfernt vom Brauhaus im Gemeindegebiet Ebersberg liegt. Dies sei unlauterer Wettbewerb, meinen die Kläger. 

Grafinger Wildbräu betreibt unter dieser Bezeichnung, unter anderem im Vertriebsgebiet Ebersberg, Fürstenfeldbruck, Starnberg, Bad Tölz, Miesbach, Rosenheim, Erding, Freising, Pfaffenhofen, München, Oberpframmern sowie darüber hinaus im Berliner Raum. Die Brauerei verweist unter anderem darauf, dass es auch den bekannten Eishockeyverein "EHC Klostersee" in Grafing gibt. In Anlehnung daran sei das Bier bezeichnet worden.  

#kloster #klosterseeon #klostersee #deutschland #natur #lake

Ein von @bipfortuna gepostetes Foto am

mg

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © Instagram/matse_h

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