Christkind im Klinikum

Rosenheim – Weihnachten im Krankenhaus wünscht sich wohl kaum jemand. Dennoch müssen viele Menschen den Heiligen Abend genau dort verbringen.

Neben Patienten, die zu krank sind, um rechtzeitig zum Festabend noch entlassen zu werden, trifft dieses „Schicksal“ auch Ärzte, Schwestern, Hebammen, Pfleger und Küchenpersonal. Jammern und Wehklagen ist im Romed-Klinikum aber trotzdem nicht angesagt. Der „Geist der Weihnacht“ ist heute auch dort ganz deutlich zu spüren.

Wo man geht und schaut, überall weihnachtet es im Krankenhaus - und das nicht erst seit einigen Tagen. Mit festlicher Dekoration wurde die Adventszeit Anfang Dezember eingeläutet. 35 Christbäume stehen im gesamten Haus, aufgeteilt auf alle Stationen und Funktionsbereiche. Zudem weisen Tannenzweige in den Patientenzimmern auf diese besondere Zeit des Jahres hin.

In den vergangenen Wochen besuchte der Klinikchor schon alle Stationen und stimmte mit weihnachtlichen Liedern auf das bevorstehende Weihnachtsfest ein. Selbst ein kleiner Christkindlmarkt mit Stubn-Musik in der Eingangshalle fehlte nicht.

Natürlich drängten viele Patienten vor dem heutigen Heiligen Abend noch darauf, rechtzeitig entlassen zu werden, um im Kreise ihrer Liebsten dieses besinnliche Fest feiern zu können. Wenn möglich, kamen die Ärzte diesem Wunsch auch gerne nach. Im Vergleich zu sonstigen "normalen" Tagen verzeichnet das Romed-Klinikum heute 37 Prozent weniger Belegung.

Doch es bleiben eben auch viele Patienten, die unbedingt weiter stationärer Pflege bedürfen. Um ihnen trotz Krankenhaus-Aufenthalt ein möglichst schönes Weihnachtsfest bescheren zu können, hat sich Klinikleitung und Personal einiges einfallen lassen.

Küchenchef Heiko Schneyinck ist für das kulinarische Wohlergehen der Patienten an den Feiertagen zuständig. Wie vielen Familien zuhause setzt auch er an Heilig Abend noch auf eine eher bescheidenere, gut bürgerliche Speisenauswahl. Die Patienten können heute auswählen zwischen einer Bratwurst mit Kartoffel-Gurkensalat oder einem Zanderfilet mit leichter Sauce Hollandaise, Pariser Kartoffeln und Romanesco. Am ersten Feiertag präsentiert sich die Speisenkarte viel festlicher. Zum Angebot stehen da Entenbrust mit Orangensauce, Blaukraut und Knödel oder Wildragout mit Preiselbeerbirne, Spätzle und dazu grüner Salat. Am zweiten Feiertag gibt es dann je nach Wahl hausgemachte Schweineroulade mit Sauce, Broccoli und Röstinchen oder Kalbsbraten mit Sauce, gemischtem Reis und Kaisergemüse.

Die Mengen, die an diesen Tagen im Klinikum Rosenheim verkocht werden, sind hoch. Küchenchef Schneyinck hat 200 Bratwürste, 330 Zanderfilets, 200 Entenbrüste, 25 Kilo Wildragout, 200 Schweinerouladen, 75 Kilo Kalbsbraten und 250 Kilo Kartoffeln geordert. 350 Kartoffelknödel warten dann morgen darauf, vom fleißigen Küchenpersonal geformt und gekocht zu werden.

Zu einem gelungenen Weihnachtsfest gehören neben gutem Essen auch Geschenke. Auch daran denkt man im Klinikum ganz selbstverständlich. Die Kinder bekommen heute einen Teddybären und Süßigkeiten. Für die Erwachsenen gibt es Plätzchen und eine kleine Flasche Sekt. Mit der Anzahl der Patienten reduziert sich an den Feiertagen auch die Höhe des Personalstands. Die Wochenendbesetzung kommt mit etwa einem Drittel weniger Ärzten, Angestellten und Pflegekräften aus.

Wer arbeiten muss, für den bleibt der Weihnachtsabend trotzdem ein ganz besonderer Tag. "Wir alle versuchen den weihnachtlichen Gedanken weiterzutragen", erzählt dazu Andrea Rosner, stellvertretende Pflegedirektorin am Romed-Klinikum. Die weihnachtliche Stimmung sei im ganzen Hause gut spürbar, bestätigt auch Klinik-Pressesprecherin Elisabeth Siebeneicher: "Die Patienten fühlen sich auch an diesem Tag gut aufgehoben".

Besonders ergreifende Szenen spielen sich auch heute vielleicht wieder auf der Geburtsstation ab. Dann nämlich wenn ein "Christkind" geboren wird. Für die werdenden Mütter und deren Familien sei so ein Geburtstermin oft ein ganz besonderes Erlebnis, das das ganze Leben lang gut in Erinnerung bleibt, lautet dazu die Erfahrung vieler Hebammen. Für sie selbst sei so eine Geburt ebenfalls, selbst nach langjähriger Berufserfahrung, immer wieder etwas "ganz besonderes".

Seinen Abschluss findet der Heilig Abend auch im Romed-Klinikum für viele Menschen mit dem Besuch der Christmette. Sie beginnt um 20 Uhr und ist heuer erstmals ökumenisch. Zehn Helfer werden sich um Patienten kümmern, die nicht selbst zur Klinikkirche gehen können. Wer will, wird auf der Station mit Rollstuhl oder sogar Bett abgeholt und nach der Messe wieder zurückgebracht. In den vergangenen Jahren wohnten 20 bis 30 Patienten der Christmette in der Klinikkirche bei. Es besteht aber auch die Möglichkeit, die Messe über das Patientenfernsehen oder Radio kostenfrei mitzuverfolgen.

wu/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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