Heiligabend in der Ferne

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Manche Verkäufer am Rosenheimer Christkindlmarkt kommen von weit her - Johannes Jäkel vom Bienenwachsstand ist sogar aus der Toskana angereist. Die Heimreise mit dem Zug am ersten Feiertag wird zwölf Stunden dauern.

Rosenheim - Anstatt den Heiligen Abend besinnlich im Kreis der Liebsten zu feiern, schaffen es einige Verkäufer am Rosenheimer Christkindlmarkt nicht mehr rechtzeitig nach Hause.

Gemeinsam in die Kirche gehen, musizieren und Geschenke auspacken - für viele Familien ist Weihnachten der Zeitpunkt im Jahr, an dem alle Verwandten zusammenkommen und die "staade" Zeit genießen. Doch was ist mit denjenigen, die an Heiligabend arbeiten müssen und deshalb spät abends oder gar nicht heimkommen? Das ist bei einigen Verkäufern am Rosenheimer Christkindlmarkt der Fall. Viele sind aus weit entfernten Städten angereist und können abends nicht einfach zur Familie heimkehren.

Roland Antholzer vom Stand für "Südtiroler Spezialitäten und Geschenkideen" ist von Eppan an der Weinstraße aus Südtirol angereist. Für die Zeit in Rosenheim hat er eine Ferienwohnung gemietet. An Heiligabend wird er bis zwölf Uhr vormittags arbeiten, dann wird abgebaut und erst anschließend fährt er in die etwa zweieinhalb Stunden entfernte Heimat. Zu Hause warten seine drei Kinder und seine Frau. Die sind das jedoch gewohnt, denn Antholzer würde an diesem Tag auch ohne seine Tätigkeit am Christkindlmarkt erst abends dabei sein können. So feiert die Familie eben spät abends.

Gefeiert wird einen Tag später

Anders sieht es bei Karin Adlhoch vom Stand "Verrückte Welt aus Glas" aus. Obwohl die Standbesitzerin aus München kommt, wird sie Weihnachten erst am 25. Dezember feiern. "An Heiligabend nehme ich noch ein Bad und danach werde ich ins Bett gehen", erzählt Adlhoch. Auch ihre Familie habe sich nach dreijähriger Arbeit am Christkindlmarkt daran gewöhnt, ohne sie auszukommen. Aber eine "Kleinigkeit" muss trotzdem sein: "Meinen Christbaum stelle ich am Freitagabend noch auf - egal, wie groß die Müdigkeit ist."

Aus einer ganz anderen Gegend kommt Johannes Jäkel, Verkäufer bei Michael Mündels Bienenwachsstand. Seine Heimat ist eine Stadt in der Nähe von Florenz. Über Kontakte zu Michael Mündel ist er in Rosenheim gelandet. Probleme mit der Sprache hat er nicht - er spricht fließend Deutsch, da seine Eltern aus Deutschland kommen. Heiligabend wird er alleine in seiner gemieteten Wohnung in Rosenheim bleiben, denn mit dem Zug hat er am ersten Weihnachtsfeiertag eine Reise von etwa zwölf Stunden vor sich. Dass seine Familie an dem Tag auf ihn verzichten muss, sieht er entspannt: "Es bleibt genug Zeit, die man mit seiner Familie verbringen kann", meint der 29-Jährige.

"Ein bisschen feiern werde ich an Heiligabend schon noch", erzählt Kurt Drogosch vom Stand "Kunsttöpferei und Keramik". Allerdings würde Weihnachten für ihn nicht so viel bedeuten. "Wenn man insgesamt 13 Jahre auf Christkindlmärkten arbeitet, hat man irgendeinmal genug Weihnachten intus", erklärt der Verkäufer. Für den Rosenheimer Christkindlmarkt ist er aus Haunetal in Osthessen angereist. Daheim ankommen wird er wohl erst um 24 Uhr oder später.

"Heuer war es um einiges ruhiger"

Insgesamt gefällt es allen gut in Rosenheim. Es sei eine richtig schöne Stadt. Doch nicht nur in dieser Hinsicht sind sich die Christkindlmarkt-Verkäufer einig. "In diesem Jahr war es um einiges ruhiger als sonst", erklärt Roland Antholzer. Die Geschäfte an den verschiedenen Ständen seien dementsprechend "zufriedenstellend", "so lala" oder gar "schlecht" gelaufen.

lb/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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