Rosenheimer Spanienrückkehrerin berichtet von der Lage

Während Coronakrise: "Auf einmal hörten wir Klatschen und Jubeln"

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Blick vom Balkon der Ferienwohnung in Barcelona, in dem Rebecca und ihre Freunde wohnten

Barcelona/Rosenheim - Das Coronavirus breitet sich weltweit aus. Spanien ist ein Land, das besonders betroffen ist. Wir haben mit einer Rosenheimerin gesprochen, die am Dienstag aus Barcelona zurückgekehrt ist.

Rebecca (Name wurde von der Redaktion geändert) aus Rosenheim ist eine Spanienrückkehrerin. Sie kam am Dienstagnachmittag mit dem Flieger aus Barcelona in München an. Wie war ihre Zeit in Spanien mit Ausganssperre und Einschränkungen, wie gestaltete sich die Einreise, was hat sie erlebt? Rebecca schildert gegenüber rosenheim24.de ihre Eindrücke.


"Hoffentlich komme ich überhaupt noch heim"

Seit Samstag, 14. März gilt in Spanien Ausgangssperre. Das öffentliche Leben ist massiv eingeschränkt. Genau zu dieser Zeit verbrachte Rebecca ihren Urlaub in Barcelona. Mit zwölf Freunden hatte sie eine Ferienwohnung mitten in der Stadt gemietet. Vergangenen Mittwoch kamen sie an. Da war alles noch normal. Doch nach und nach drangen auch zu ihnen mehr und mehr Nachrichten über die Coronafälle in Spanien durch, bis sie dann schließlich von der Ausganssperre erfuhren.

"Am Anfang konnte man die Situation ja noch nicht so einschätzen, man hat sowas ja noch nie erlebt. Man weiß ja gar nicht was passiert. Aber an Tag zwei oder drei mit Ausgangssperre denkst du dir dann schon 'hoffentlich komm ich überhaupt noch heim, wenn die alles zumachen'." Sie und ihre Freunde machten das Beste aus der Situation. Sie haben sich mit Essen eingedeckt, schauten spanische Serien und verbrachten einfach die Zeit gemeinsam in ihrer Ferienwohnung. "Es war nicht schlimm."


Zusammenhalt in der Stadt war großartig

In Barcelona selber herrschte laut Rebecca aber weder Panik noch große Aufregung. "Man hat gesehen, dass die Spanier das alles zackiger im Griff haben. Bereits am Samstag hat man vermehrt Polizei gesehen, die kontrollierten, ob die Bars auch wirklich geschlossen haben." Alle Parks und Ladengeschäfte außer die Lebensmittelgeschäfte und kleinere Bäckereien hatten geschlossen." Die Straßen seien tagsüber dennoch nicht leer gewesen. Man sah Menschen herumgehen, Autos fuhren. Die Ausgangssperre erlaubt es einem das Haus zum Einkaufen zu verlassen und wenn man in die Arbeit muss.

Eine leere Straße am Abend in Barcelona. Durch die Ausgangssperre sind nur noch wenige Menschen unterwegs

"Aber was ich am aller aller Tollsten fand war der Zusammenhalt, den du in der Stadt gespürt hast. Das war der Wahnsinn. Obwohl jeder in seiner Wohnung war." Rebecca berichtet von einem Erlebnis, das ihr Gänsehaut bereitete: "Wir haben überhaupt nichts davon gewusst, aber auf einmal hörten wir Klatschen und Jubeln. Dann sind wir auch auf den Balkon gegangen, um zu schauen was da los ist. Wie wir später erfahren haben, war das eine Aktion aus Solidarität für alle und vorallem für die Pflegekräfte. Das war einfach schön." Rebecca hat einen Flashmob beschrieben, der in Spanien über die sozialen Medien verbreitet wurde: Zu einer bestimmten Uhrzeit sollen alle Menschen ans Fenster oder auf den Balkon kommen und für die Arbeit der Helfer zu applaudieren. 

Keine Kontrolle bei der Heimreise

Am Dienstag, 18. März ging dann endlich ihr Rückflug. Der lief problemlos ab. "Zwar war der Flughafen in Barcelona wie ausgestorben, alles hatte zu, fast keine Menschen, aber unser Flug ging, sogar 15 Minuten vor der Zeit." Das Flugzeug, bei der Buchung noch ausgebucht, sei fast leer gewesen. "Die Flugbegleiterinnen trugen Handschuhe und einige Mitfliegende sprühten ihre Sitze mit Desinfektionsmittel ein oder hatten Atemschutzmasken auf, aber sonst war alles normal", sagt Rebecca. 

Ein bisschen weniger Glück hatten einige ihrer Freunde, die einen anderen Flug ein paar Stunden später gebucht haben. Der wurde annulliert. Sie bekamen aber schließlich nach einigem Hin und Her einen anderen Flug und sind mittlerweile auch wieder zurück.

Der fast menschenleere Flughafen in Barcelona

Keine Quarantäne

Spanien ist eines der europäischen Länder, dass von dem Virus besonders betroffen ist. Aktuell gibt es laut John Hopkins University 11.826 bestätigte Infektionen und 533 Todesfälle (Stand 18.03.2020, 10 Uhr). Da Barcelona aber nicht als Risikogebiet ausgewiesen ist, geht es für Rebecca zurück in Deutschland ganz normal weiter. Sie muss ihre Arbeit wieder aufnehmen in einem Job, in dem sie direkten Kundenkontakt hat. "Ich habe gestern mit dem Gesundheitsamt telefoniert, da sagte man mir, dass ich nichts weiter tun müsse, weil ich aus keinem Risikogebiet komme. Das finde ich schon krass."Auch bei der Einreise nach Deutschland gab es keinerlei Probleme. "Wir mussten nichtmal unseren Ausweis herzeigen. Nur in Barcelona beim Boarding.

Quelle: rosenheim24.de

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