Damals am Hofbräukeller

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Blick vom Hofbräukeller auf Rosenheim. Farbig retuschierte Fotografie von Johann Lanz um 1910.

Rosenheim – Die Innstadt hat eine große Tradition in der Kunst des Bierbrauens. Um 1900 gab es 15 Brauereien, davon sind heute nur noch zwei übriggeblieben.

Der Weg zum Hofbräukeller, Fotografie um 1900.

Wichtig für die Aufbewahrung der Bierfässer war damals eine Lagerungsmöglichkeit in kühler Umgebung mit gleichmäßiger Temperatur. Durch die Fortschritte in der Kältetechnik ist diese Bedeutung des Kellers längst in den Hintergrund getreten. In Rosenheim boten die Lagerkeller vom Flötzinger, Stockhammer, Bräu am Anger, Bauernwirt, Pernlohner und Mailbräu am sogenannten "Rosenheimer Kellerberg" am Roßacker der Bevölkerung die Möglichkeit zum "Gang auf den Keller" - in früherer Zeit die gleiche beliebte Freizeitbeschäftigung wie das heutige "Ausgehen" in Lokale, Cafés, Bars oder Diskos.

Am Stadtrand lagen früher ebenfalls gern besuchte Bierkeller und Gastwirtschaften: der Plest-Keller am Ziegelberg, der Schmidtbräu-Keller am Schloßberg und der Hofbräu-Keller nördlich der Stadt an der Landstraße nach Ebersberg.

1816 errichtete hier der Bierbrauer Georg Fenk mit seiner Frau Rosina die Gaststätte mit Wirtsgarten und Lagerkeller und eröffnete im gleichen Jahr das Lokal, den "Hofbräu-Keller".

Georg Graßl schreibt in dem Zeitungsbericht "Rosenheimer Keller-Erinnerungen . Eine Rückschau auf die Jahrhundertwende" im OVB vom 25. August 1956: "Der Hofbräukeller zog seine Besucher nicht nur wegen der schattigen Allee, die dorthin führte, sondern auch wegen seiner herrlichen Lage mit dem Blick über die türmereiche Stadt auf ein einmalig schönes Gebirgspanorama an. Ein dort aufgestelltes Fernrohr wurde sehr fleißig benützt."

Hofbräukeller Rosenheim, Fotografie vom April 1903.

Das eisgekühlte Bier aus dem Hofbräu-Keller ruhte in einem sieben Meter tiefen Lagerkeller zwischen mächtigen Eisblöcken. Das Eis wurde im Winter aus den Seen der Umgebung gestochen, in den Keller transportiert und in Partien gestapelt. Den ganzen Sommer über hielten die Eisblöcke das Bier kühl und frisch. Im Garten saßen die Gäste an hölzernen Tischen und Bänken und konnten das Bier im Freien genießen. Der Hofbräu-Keller war eine beliebte Ausflugsgaststätte mit schönen hohen Kastanienbäumen und ausgezeichnetem Blick auf die Stadt und das Gebirgspanorama. Besonders beliebt waren nicht nur die Plätze unter den Kastanien, sondern auch der Garten auf der anderen Seite der Straße, in dem auch Tische und Bänke aufgestellt waren und zumeist nur am Wochenende bei sehr großem Gastbetrieb und Andrang bedient wurde.

Beliebt waren auch die fröhlichen Kellerfeste, die viele Gäste dorthin zogen und die vom Türmer und Stadtmusikmeister Franz Xaver Berr musikalisch gestaltet wurden. Der Hofbräu-Keller blieb immer im Besitz der Familie Fenk. Vier Generationen lang führte ein Bier-Bräu Georg Fenk den Hofbräukeller. 1918, 102 Jahre nach der Gründung, übernahm Rosa Fenk den Keller, nachdem ihr Bruder Georg Fenk im Ersten Weltkrieg gefallen war.

1937 wurde der Hofbräukeller umgebaut und die Gastwirtschaft erneuert. Die Gastwirtin Rosa Fenk starb 1969. Die immer dichtere Bebauung zum Hofbräukeller hin und die veränderten Freizeitgestaltungen und Ausflugsmöglichkeiten mit dem Auto bereiteten der Ruhe und Beschaulichkeit der Bierkellerwirtschaften ein Ende und führten infolge der ausbleibenden Gäste zur Schließung des Hofbräu-Kellers.

1973 wurde das Gasthaus an der Ebersberger Straße, das schon ein paar Jahre leerstand und mit zerschlagenen Fensterscheiben, abgedecktem Dach und schmutzigen, leeren Räumen verkam, abgerissen. An der Stelle des alten Wirtsgebäudes wurde ein mehrstöckiger Wohnkomplex errichtet.

stb/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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