Dealer hängt Unschuldige vor Gericht hin

Rosenheim - Um seine Haut zu retten und mit einer Bewährungsstrafe davonzukommen, hat ein Drogenkonsument und Kleindealer aus dem südlichen Landkreis Rosenheim zwei Unschuldige verpfiffen.

Fünf Monate saßen die 35 beziehungsweise 32 Jahre alten Männer aus der Schweiz in Untersuchungshaft. Dabei hatten sie dem Geschäftsmann (36) aus Rosenheim gar kein Rauschgift verkauft, wie sich jetzt herausstellte.

Das Schöffengericht Rosenheim sprach die Angeklagten aus der Schweiz jetzt von dem Vorwurf frei, Kokain eingeführt und damit gehandelt zu haben. Unter dem Vorsitz von Richter Loeber befand das Gericht die Beschuldigungen des Zeugen, der im September des vergangenen Jahres selber verurteilt worden war, für nicht glaubwürdig.

In Verdacht geraten waren die Männer, ein Dachdecker (32) und ein Großhandelskaufmann (35), als der damals Verurteilte sie als Lieferanten benannt hatte. Der Rosenheimer war im Herbst 2010 mit einer Bewährungsstrafe von 16 Monaten davongekommen - auch weil er durch seine Aussage "erhebliche und erfolgreiche Aufklärungsarbeit" geleistet habe, wie es damals sein Verteidiger formulierte.

Hintergrund: Um den Drogensumpf in Deutschland auszutrocknen, hat der Gesetzgeber den Paragraf 31 im Gesetz gegen den Missbrauch von Betäubungsmitteln verankert. Dieses Gesetz besagt, dass Täter, die helfen, andere Verstöße gegen dieses Gesetz aufzudecken, mit geringerer Strafe rechnen können. Häufig bleibt diesen Tätern dadurch auch die Untersuchungshaft erspart.

Dieser Anreiz zu weiteren Tathinweisen ist jedoch ein zweischneidiges Schwert. So kann es vorkommen, dass völlig unbeteiligte Menschen benannt und verfolgt werden, nur weil sich ein Straftäter davon Vorteile versprechen kann.

So war das auch in diesem Fall. Der 36-Jährige aus dem Inntal hatte über einen Bekannten 60 Gramm Kokain verkaufen wollen. Dieser war aber an einen V-Mann der Polizei geraten und so flog der Geschäftsmann auf.

Nun, mit den von ihm selbst benannten Angeklagten im Gerichtssaal als Zeuge konfrontiert, konnte er sie nicht nur auf den Fotovorlagen nicht wiedererkennen, er verwechselte sie sogar. Es stellte sich heraus, dass er mit den beiden im Frühjahr des vergangenen Jahres lediglich flüchtigen, ganz normalen geschäftlichen Kontakt gehabt hatte. Seine Aussagen wurden auch zunehmend wirr und wenig nachvollziehbar. Als in der zweiten Sitzung der Kaufmann nachweisen konnte, dass er sich zum angeblichen Tatzeitraum geschäftlich in China befand, ordnete Richter Heinrich Loeber umgehend die Aufhebung des Haftbefehles an.

Am dritten Verhandlungstag wurde mit den letzten Zeugen und Gutachten die Täterschaft der beiden Schweizer schließlich klar widerlegt, sodass auch der Staatsanwalt nicht umhin kam, für die Angeklagten Freispruch zu beantragen.

Die Verteidiger, Rechtsanwalt Magnus von Treyer und Rechtsanwalt Dr. Alfred Minar, bekräftigten lediglich den Antrag der Staatsanwaltschaft, dem das Gericht dann auch folgte.

Von Februar bis Juli befanden sich die beiden unbescholtenen Bürger in Untersuchungshaft - nur weil ein kleiner Dealer sich einen Vorteil verschaffen wollte. Für den 36-Jährigen können die falschen Verdächtigungen aber jetzt zum Bumerang werden. Er muss damit rechnen, dass er wegen Freiheitsberaubung, falscher Verdächtigung und Vortäuschung einer Straftat erneut vor dem Richter landet.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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