Cube: "Seltsame Musik" oder "hübsche Mädels"?

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Der Cube-Club in der Traunreuter Werner-von-Siemens-Straße. Am Donnerstag hatten die Stadträte über die Sperrzeiten der Disko zu entscheiden.
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Traunreut - Die Diskussion über den Cube-Club zeigte nicht nur einen Generationenkonflikt, sondern auch einen Bürgermeister, der seinen Ohren nicht traute: Ein Stimmungsbild von der Stadtratssitzung.

Wann ist in einer Stadtratssitzung schon von "Vollpfosten", den "hübschesten Mädels" oder unterschiedlichem Musikgeschmack die Rede? Doch dass die Traunreuter Sitzung am Donnerstag keine wie jede andere werden soll, war schon von Beginn an zu erkennen: Jede Menge Freunde der Disko "Cube" sammelten sich vor dem Rathaus. Soll ihr Club wegen Schlägereien im Umfeld des Lokals zu den späteren Nachtzeiten früher zusperren? Die Stadträte einigten sich auf einen Kompromiss - doch so ein zahlreiches Publikum ist man im Rathaus anscheinend nicht gewohnt.

"Wir sind nicht die Buhmänner der Nation"

Traunreuts Bürgermeister Klaus Ritter

"Bitte hören Sie auf zu klatschen", ermahnte Bürgermeister Klaus Ritter gleich zuBeginn das Publikum - obwohl diese wohl nur froh waren, dass nach gut zwei Stunden endlich "ihr" Punkt auf der Tagesordnung stand. "Auch Fotos und Filme dürfen hier keine gemacht werden", ergänzte Ritter in scharfem Ton. Im Thema steckt Brisanz: Wegen Anfeindungen auf Facebook stellte der Bürgermeister vor Eröffnung der Debatte gegenüber dem Publikum klar: "Wir sind nicht die Buhmänner der Nation, und ich als Bürgermeister gleich zweimal nicht! Es ist unfair, uns auf Facebook zu zerreißen, wo man sich nicht wehren kann. Aber glauben Sie mir: Auch ich bin der Meinung, dass wir eine Disko brauchen."

"Früher hat man sich halt im ,Flash' gefotzt"

Was die Ansichten der Abgeordneten zum Club "Cube" betrifft, schien eine Art Generationenkonflikt im Stadtrat zu herrschen. Da war einerseits der relativ junge Roger Gorzel, der eine Lanze für die Disko brach: "Die Furtgehzeiten haben sich nun mal geändert. Um 3 Uhr zuzusperren ist eindeutig zu früh! Leider gibt's im Cube Vollpfosten, die sich schlägern - aber früher hat man sich halt im ,Flash' die Treppe rauf- und runtergefotzt." Und Gorzel stellte klar: "Die Leute kommen nicht zum Schlägern ins Cube, sondern gehen dahin, wo die hübschesten Mädels sind und die beste Musik läuft."

Der Unterschied zwischen dem "Cube" und dem Laterndlfest

Sepp Winkler war da etwas anderer Meinung: "Beim ,Black Friday' im Cube kommt seltsame Musik und die Leute schütten sich voll - diese Veranstaltung sollte man abschaffen!" Damit war Winkler nicht der einzige Stadtrat, der wohl mit etwas Skepsis auf die Disko blickt: "Ich frage mich, warum gibt's solche Ausschreitungen nicht beim Fasching? Oder beim Laterndlfest vom Burschenverein? Da passiert sowas nicht", wurde angemerkt.

CSU-Fraktionsvorsitzender Reinhold Schroll

Auch Reinhold Schroll meinte "Zu meiner Zeit hat noch keiner einen Polizisten gewürgt" und sprach sich für eine Sperrzeitverlängerung bis 3 Uhr aus - "auch wenn mein Kind, das auch in dem Alter ist, meint ,was hast denn da wieder gesagt?' Aber das ist mir jetzt egal."

Rosenheimer schlimmer als Traunreuter?

In zwei anderen Dingen waren sich viele Räte dagegen einig: Zum einen, dass die Polizei gestärkt werden müsse - die Beamten seien stark unterbesetzt. "Nicht nur der Betreiber, auch der Staat hat die Aufgabe für Sicherheit zu sorgen. In der Nacht ist zu wenig Polizei auf den Straßen", meinte beispielsweise Günther Dzial. Zum anderen lokalisierten einige Stadträte die Störenfriede aus dem Cube-Club nicht in Traunreut, sondern auswärts: "Das Problem sind nicht die Traunreuter, sondern die, die nur zum Schlägern herfahren - sogar aus Rosenheim oder Salzburg."

Ritter: "Jetzt mag ich nimmer!"

Bürgermeister Klaus Ritter hielt sich während der Diskussion moderierend im Hintergrund. Doch wiederum Roger Gorzel schaffte es, auch das Stadtoberhaupt einmal laut werden zu lassen. Da sich auch Mitarbeiter einer benachbarten Bäckerei von Cube-Gästen belästigt fühlten, schlug Gorzel vor: "Dann soll der Bäcker nebenan doch zusperren. Oder später aufsperren." Der Bürgermeister widersprach sofort: "Also, das kann doch nicht sein! Hallo? Die sollen deswegen zusperren? Also, jetzt mag ich nimmer!"

Spätestens in einem halben Jahr kommt das Thema wieder auf die Tagesordnung. Bis dahin muss der Cube-Betreiber seinen Laden schon um 4 Uhr schließen und die Verhältnisse in Ordnung bringen - sonst könnte die Stadt die 3-Uhr-Drohung in die Tat umsetzen. Ob die Zuhörer dann auch wieder eine ähnlich spannende Stadtratssitzung geboten bekommen, wird sich herausstellen.

xe

Quelle: chiemgau24.de

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