Neiderhell spricht über die Medien

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Eine Tradition des Mai-Empfangs: Bad Aiblings Bürgermeister Felix Schwaller (links) und Landrat Josef Neiderhell (rechts) baten Prof. Dr. Heinrich Oberreuter, sich ins goldene Buch der Stadt einzutragen.

Bad Aibling -  Zum Mai-Empfang ins Aiblinger Kurhaus lud Landrat Josef Neiderhell um über die Präsentation der Politik in den Medien zu sprechen.

Die Präsentation der bundesdeutschen Politik in den Medien ist häufig mehr Schein als Sein. Show statt Substanz: Professor Dr. Heinrich Oberreuter, der Direktor der Akademie für Politische Bildung in Tutzing, glaubt nicht, dass sich dies wieder ändern wird. Von den Bürgern wünscht er sich die Sensibilität, beides unterscheiden zu können. Vor knapp 600 Zuhörern im Bad Aiblinger Kurhaus sagte Oberreuter, wir sollten wissen, warum manche Entwicklungen, Stimmungen, Entscheidungen und Fehlentscheidungen so sind wie sie sind. Die Demokratie befinde sich in der tiefsten Vertrauenskrise, seit es sie gibt. Nur zehn Prozent der repräsentativ befragten Bürger vertrauten noch den politischen Parteien. Mit dem Bundestag, den Länderparlamenten und der Bundesregierung sei es nicht wesentlich besser, so der Politikwissenschaftler.

Die Flut der Bilder, vor allem im Fernsehen, veränderte die Darstellung von Politik. Komplexe Themen seien nicht darstellbar, stellte Oberreuter fest. Stattdessen gehe es, wie im Theater, um die Inszenierung des guten Scheins. So hätten sich zwei Wirklichkeitswelten entwickelt. Oberreuter nannte sie die politische Handlungswelt und die politische Darstellungswelt. Erstere findet meist hinter verschlossenen Türen, beispielsweise in den Ausschüssen statt, letztere vor den Kameras. Ihm dränge sich die Frage auf, auch in der Beobachtung des politischen Personals über Jahrzehnte, ob mittlerweile nicht diese große Unterschiedlichkeit auf die Fähigkeiten des politischen Personals zurückschlage. Oberreuter erinnerte an Konrad Adenauer, der zu seiner Zeit nicht immer ein staatsmännisches Gesicht machen musste. Helmut Schmidt beherrscht nach Ansicht des Politikwissenschaftlers inhaltliche Arbeit, wie auch die emotionale Darstellung. In der Regierungszeit seines Nachfolgers Helmut Kohl wurde das Fernsehen Leitmedium und Gerhard Schröder orientierte sich in seiner Darstellung an amerikanischen Vorbildern.

Eine substanzielle Information braucht eine gute Inszenierung, das wusste schon Aristoteles. Der Starrummel, der sich inzwischen auch in der Politik feststellen lässt, provoziert laut Oberreuter geradezu nach der Frage nach den guten Argumenten. Als Beispiel führte er Guido Westerwelle an und zitierte aus einem Spiegel-Artikel aus dem Jahr 2006: Welche Krawatte Guido trage, bleibe beim Publikum eher in Erinnerung als irgendeine These zur Rentenpolitik. Spannung, Verkürzung, Vereinfachung, Themenverschleiß, Problemverschleiernde Suggestion rascher Lösungen ließen Kontinuität und Rationalität auf der Strecke bleiben, meinte der Akademieleiter. Die Folge davon sei ein Vertrauensverlust in die herkömmliche Politik, in das politische Personal und in die politischen Institutionen.

Um Vertrauen zurückzugewinnen, schlug Oberreuter vor, den Bürger in Zukunft punktuell oder projektbezogen zu beteiligen. Auch in den Parteien sehe er noch positive Zeichen. So würden sich Mitglieder in symbolbestimmten Wahlkämpfen schon bei ihren Kandidaten beschweren und fragen, wo denn bitte die Argumente blieben. Allen Anwesenden riet der Festredner, sensibel zu sein um unterscheiden zu können zwischen Schein und Sein.

Landrat Neiderhell bedankte sich bei Oberreuter mit einem Geschenkkorb, der mit allerlei Schmankerln aus der Region gefüllt war. Zu Beginn des Mai-Empfangs stellte Neiderhell die positive wirtschaftliche Entwicklung im Raum Rosenheim in den Mittelpunkt seiner Ansprache. Unter anderem lobte er die heimischen Unternehmer für ihr verantwortungsvolles Handeln in der Krise sowie die Gewerkschaften für ihre zurückhaltenden Lohnabschlüsse. Günther Zellner, der Regionsvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes warb für einen arbeitsfreien Sonntag und Harald Neugebauer, der Leiter der Agentur für Arbeit Rosenheim präsentierte verschiedene Vorschläge, um auch in der Zukunft genügend Arbeitskräfte für den deutschen Arbeitsmarkt zu haben.

Pressemitteilung Landratsamt Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

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