Pamphlet gegen "Multi-Kulti-Umerzieher"

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In solchen Geschenk-Paketen wurde das Flugblatt verteilt.
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Fraueninsel - Rund 50.000 Besucher lockt der Christkindlmarkt auf der Fraueninsel jedes Jahr an. Doch heuer bekamen die Passanten - neben Glühwein und Gebäck - auch rechte Propaganda serviert.

Ein romantisches Wintermärchen, das jedes Jahr Besucher von Nah und Fern auf's Neue begeistert, ist der Christkindlmarkt auf der Fraueninsel. Mit diesen Worten wirbt die Priener Tourismus GmbH für den beschaulichen Markt auf der Insel. Doch neben feinstem Kunsthandwerk und duftenden Köstlichkeiten bekamen einige Besucher in diesem Jahr auch ein Pamphlet der rechtsgerichteten Partei "Der III. Weg" in die Hand gedrückt. Als Geschenk getarnt, zusammen mit Süßigkeiten und Früchten, verteilten unbekannte Männer ihre Flugblätter am vergangenen Wochenende an die Leute. Wie eine Userin uns mitteilte, seien die Verteiler zudem in "Tracht und Lederhosen" unterwegs gewesen, um ihr braunes Gedankengut unter die Besucher zu bringen.

Auch die Flugblätter sind so gestaltet, dass man sie nicht sofort der rechten Szene zuordnen kann. Unter der Überschrift "Weihnachten - Fest der Familie, nicht der Geschäftemacher" wird dafür geworben, "die Festtage um die Wintersonnenwende im Kreis der Engsten zu verbringen - fernab von Konsum und Kommerz". Doch der Ton verschärft sich schnell beim Weiterlesen. Von "widerlichen Werbeslogans" ist die Rede und von "Geschäftemachern", die "im Rausche ihres Reibachs als Gottkönige der Konsumreligion huldigen" würden. Verlierer des kommerziellen Wettstreit ums Geschenke kaufen seien jetzt schon jene Deutschen, die in zermürbenden und ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen gedrängt würden, heißt es weiter in dem Pamphlet. Abgerundet wird das Ganze durch einen Appell: "Wir wollen unsere Kultur aber aktiv leben und sie gegen die Multi-Kulti-Umerzieher verteidigen. Denn nur wer weiß, woher er kommt, weiß wohin er geht."

Diese Zeilen stießen auch einigen unserer chiemgau24.de-Lesern sauer auf. "Ich erstatte Anzeige bei der Polizei", schrieb uns ein besorgter User. Doch gegen die Verteilung solcher Schmähschriften vorzugehen, ist nicht ganz einfach, weiß auch Frank Konrad vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd. "Wir nehmen die Sache sehr ernst, wenn rechtes Gedankengut verbreitet wird. Allerdings ist die Meinungsfreiheit in Deutschland ein sehr hoch geschätztes gut und sehr schwierig einzuschränken." Auch ein Verbot solcher Organisationen - wie zuletzt im Juli mit dem "Freien Netz Süd" geschehen - sei nur bedingt wirksam. "Leute mit gleichem Gedankengut schließen sich dann einfach in anderen Gruppierungen zusammen", so Konrad.

Chiemgau24.de hat das vorliegende Flugblatt an das Polizeipräsidium weitergeleitet. Die entsprechende Fachbehörde "E3" werde nun prüfen, ob "strafrechtlich relevante Einwände" gegen die Schriften bestehen, erklärte der Polizeisprecher. Und auch die Organisatoren des Christkindlmarkts, allen voran Martina Lehmann von der Priener Tourismus GmbH, haben ihre Konsequenzen daraus gezogen. "Ich werde das bei einem Termin mit dem Chiemsee-Bürgermeister und anderen Verantwortlichen des Christkindlmarktes ansprechen. Wir sind für das nächste Jahr gewarnt." Man werde dann sofort aktiv werden, sobald solche Schriften wieder verteilt würden.

Quelle: chiemgau24.de

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