Tagesbetreuung für Flüchtlingskinder

Asylbewerber: "Die Angst vor dem Unbekannten"

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Bad Aibling - Kinder von Asylbewerbern haben auf der Flucht aus ihren Heimatländern meist großes Leid erlebt. Wie die Diakonie die Brücke zwischen unserer und der fremden Kultur schlagen will:

"Vorurteile sind etwas sehr Menschliches", erklärt Irene Goltsche, Projektleiterin bei der Jugendhilfe Oberbayern. Die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin der Diakonie in Bad Aibling kann die Skepsis aber nicht die Ablehnung gegen das Unbekannte nachvollziehen. Dass besonders Kinder und Jugendliche nur aufgrund ihrer Herkunft ausgegrenzt werden, kann und will Irene Goltsche nicht akzeptieren. Zusammen mit Christine Dengler, der Verwaltungsleiterin der Geschäftsstelle im Mangfalltal, und den Mitarbeitern der Diakonie sagt sie Vorurteilen den Kampf an und wirbt für mehr Toleranz, für alle Asylbewerber.

Fremde Kulturen verstehen lernen

Besonders für Fachkräfte in der Kindertagesbetreuung, wie Mitarbeiter in Kitas, Kindergärten und Horten, aber auch für interessierte Privatpersonen, die sich ehrenamtlich für Asylbewerber engagieren, ist die Fortbildungsreihe unter dem Motto "Flüchtlingskinder - Willkommen in der Kindertagesbetreuung" gedacht. Den Teilnehmern soll im Rahmen des dreitägigen Seminars der richtige Umgang mit den Kindern, aber auch mit den Eltern, vor dem Hintergrund der aktuell noch immer ungebrochenen Asylbewerber-Welle näher gebracht werden. Das größte Problem dabei sei in den meisten Fällen die Unwissenheit, so Irene Goltsche.

"Viele Mitarbeiter sind in den neu geschaffenen Situationen noch unsicher," so Goltsche. Aufgrund des enormen öffentlichen Interesses wollen die meisten dann auch nichts falsch machen. Daraus resultiere am Ende dann eine gewisse Handlungsunfähigkeit, wie man mit dem zu unserem teilweise stark unterschiedlichen Kulturhintergrund umgehen solle. "Da gibt es viele Fragen, die im Kita-Alltag auftauchen, es geht schon bei den banalen Schinkennudeln los", so die Psychotherapeutin über die verschiedenen Sichtweisen in den europäischen, afrikanischen oder muslimischen Kreisen.

Toleranz statt Vorurteile

Die Analyse der Situation vor Ort in den Betrieben bildet den Kern der Fortbildung, so Christine Dengler. Kursteilnehmer können aus den eigenen Erfahrungen berichten und Ratschläge von den Experten der Diakonie einholen. In insgesamt vier weiteren Modulen beschäftigen sich die Gruppen dann mit den Schlagworten " Interkulturelle Kompetenz", "Trauma und Traumafolgen", "Asyl- und Aufenthaltsrecht" und Kooperationspartner für den Kinderschutz".  Die Teilnahme an den Kursen in Bad Aibling Miesbach, Nürnberg und München ist kostenlos und wird vom Staatsministerium für Integration getragen.

"Ablehnung oder gar Angst gegenüber Fremdem ist für Kinder kein Thema", so Irene Goltsche. Deshalb seien besonders die jüngsten Mitglieder der Gesellschaft auch besonders schützenswert. In der Vergangenheit habe man bereits sehr gute Erfahrungen mit den kleinsten Asylbewerbern gemacht. Mit dem richtigen "Handwerkszeug", wie zum Beispiel Basiswissen in Trauma-Psychologie und einer Portion Toleranz, könne man die Kinder in nur wenigen Monaten hin zu guten Deutsch-Kenntnissen und auch die deutschen Eltern weg von Vorurteilen und Vorbehalten bringen, so Irene Goltsche. In schwer traumatisierten Fällen, wie Erlebnissen aus Kriegsgebieten, könne diese Herangehensweise eine geeignete Therapie jedoch nicht ersetzen.

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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