"Jahrhundertwerk" Kuko wird 30

Rosenheim - Nena, BAP, Udo Jürgen, Herbert Grönemeyer: 30 Jahre Kultur- und Kongresszentrum Rosenheim spiegeln auch drei Jahrzehnte Musik- und Kulturgeschichte wider.  

Sergiu Celibidache (1982) und Harry Belafonte (1983) waren die ersten Weltstars auf der Kuko-Bühne. Dann spülte die Neue Deutsche Welle Nena und BAP an den Inn. Später begeisterten Milva, Udo Jürgens, Herbert Grönemeyer und José Feliciano das Rosenheimer Publikum. Angesichts der langen Erfolgsgeschichte ist es kaum zu glauben, dass die Stadthalle, wie das Kuko zunächst noch hieß, eines der umstrittensten Bauprojekte der Stadt war.

OB Stöcker: "Dich teure Halle, grüße ich"

So umstritten sogar, dass sich bei der feierlichen Einweihung am 2. Oktober 1982 - ein Samstagvormittag - kaum ein SPD-Politiker blicken ließ. Jahrelang war zuvor im Stadtrat gestritten worden. Wie so oft war es dabei ums Geld gegangen, speziell um die hohen Bau- und Folgekosten für das "Jahrhundertwerk", wie es Oberbürgermeister Dr. Michael Stöcker bei der Eröffnung nannte.

Im Juli 1977, als das Projekt Konturen annahm, war waren die Planer von 10,9 Millionen Mark Baukosten ausgegangen. Deshalb gab es lange Gesichter, als sich die Summe bis 1982 in nur fünf Jahren auf 38 Millionen, also fast das Vierfache, in die Höhe schraubte - die Sozialdemokraten waren entrüstet.

"Vielleicht ist es Schicksal aller Baumeister, dass man auf sie losgeht", kam sich Architekt Dr. Hilmar Mund vor wie ein Prügelknabe und erinnerte an das Ende des Regensburger Dombaumeisters, dem nach Vollendung des Werks der Kopf abgeschlagen wurde. So schlimm ging es in Rosenheim zwar nicht zu, trotzdem wehte den Befürwortern ein eisiger Wind ins Gesicht. "Wer heute noch eine Stadthalle baut, sollte darin eingemauert werden", spottete der damalige Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff (FDP).

Kein Wunder also, dass OB Stöcker seine Rede zur Hebfeier mit einem Zitat aus dem Thannhäuser eröffnete: "Dich, teure Halle, grüße ich." Und unsere Zeitung schrieb süffisant, dass die Rosenheimer nach fünf Jahren zähen Ringens in jeder Beziehung von "ihrer" Halle sprechen könnten. Schließlich hatten sie mit 18 Millionen Mark Steuergeldern fast die Hälfte finanziert.

Der erste Weltstar war Sergiu Celibidache

Doch die Kritiker verstummten schnell, als die ersten Weltstars das Publikum begeisterten. Der erste war Sergiu Celibidache, der als Dirigent der Münchner Philharmoniker am 17. Oktober 1982 die Serie der Meisterkonzerte eröffnete. Zuvor gab es zur Opern-Premiere Mozarts "Entführung aus dem Serail" mit dem Staatstheater am Gärtnerplatz und den "Brandner Kaspar", aufgeführt vom Münchner Residenztheater.

Auftritte von Spitzenpolitikern wie der von Bundeskanzler Gerhard Schröder waren eher die Ausnahme.

Plötzlich war Rosenheim kein weißer Fleck in Bayerns Kulturlandschaft mehr. So war es tatsächlich ein "Meilenstein in der Geschichte der Stadt" (Zitat Stöcker), als Architekt Mund am 2. Oktober den Schlüssel dem OB überreichte. Trotzdem sprach Ministerpräsident Franz-Josef Strauß eine Woche später vor 7000 Zuhörern nicht in der neuen Stadthalle, sondern in der proppenvollen Inntalhalle. Dies war schon ein Fingerzeig, denn das Kuko gehörte in der Folge in erster Linie den großen Künstlern - und weniger den Spitzenpolitikern. Auftritte wie der von Bundeskanzler Gerhard Schröder, der im August 2003 vor 3000 Besuchern mit einem Fußball jonglierte, waren eher die Ausnahme. Fast 4,3 Millionen Besucher sind bis heute in annähernd 12 000 Veranstaltungen gezählt worden. Inzwischen hat sich das Kuko nicht nur zur kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Begegnungsstätte entwickelt, sondern auch zu einem mehrfach ausgezeichneten Kongress- und Tagungszentrum.

In Deutschland zählt das Kuko zu den wenigen Hallen, die ein eigenes hochwertiges Kulturprogramm bieten. Seit Eröffnung sind die Meisterkonzerte ein Magnet für alle Liebhaber klassischer Musik. Spitzenorchester aus ganz Europa, den USA und Asien, viele Dirigenten und Solisten von Weltruf begeisterten auf der Bühne - unter den vielumjubelten Solisten waren Größen wie Maurizio Pollini, Julia Fischer, Rudolf Buchbinder, Martha Argerich, Edita Gruberova oder Nigel Kennedy.

Kreischende Teenies bei Nena

Auch Kabarettisten wie Martina Schwarzmann, Bruno Jonas, Sascha Grammel, Bülent Ceylan oder Erwin Pelzig sorgen stets für ein ausverkauftes Haus. Der "Ausnahmezustand" herrschte bei Rock- und Popkonzerte wie von Nena, BAP oder Barclay James Harvest. "Bei Nena haben kreischende Teenager trotz Absperrgitter die Glastüren durchbrochen, für BAP mussten wir Spezialkabel durchs ganze Haus ziehen", erinnert sich der ehemaligen Technik-Chef Walter Feuerer. Beim BAP-Konzert titelte unsere Zeitung übrigens so: "Rosenheim, Regierungsbezirk Köln."

Natürlich ist Kultur im Kuko normalerweise nicht kostendeckend. Eine der ganz wenigen Ausnahmen: das bevorstehende Jubiläumskonzert am 13. Oktober mit der Weltklasse-Geigerin Anne-Sophie Mutter. 1070 Karten zum Preis von bis zu 139 Euro waren so schnell ausverkauft wie nie. Und weil das Publikum im Kuko dem Geschehen auf der Bühne wesentlich näher ist als in den großen Münchener Musentempeln, war die Nachfrage aus der Landeshauptstadt enorm.

Veranstalter bescheinigen dem Kuko eine hohe Professionalität bei Organisation und Abwicklung. Alleine 2011 waren es fast 400 Veranstaltungen mit insgesamt 146 000 Besuchern. Führende Mediziner, Apotheker oder Physiker tagen gern in Rosenheim. Dass die für Rosenheims wirtschaftliche und wissenschaftliche Profilbildung bedeutende Kongresse wie die Internationalen Fenstertage oder Holz Innovativ immer wiederzurückkehren, untermauert den Status des Kuko als eines der führenden Kongresshäuser in Europa.

Die hohe Dienstleistungsqualität wurde bereits dreimal vom Europäischen Verband der Veranstaltungs-Centren (EVVC) bestätigt. Mit zwei zweiten Plätzen 2009 und 2007 sowie dem Sieg beim Best Center Award 2008 ist das Kuko das einzige Haus in Europa, das seit Beginn der Preisverleihung jedes Jahr eine der Trophäen holte. "Uns wird bescheinigt, dass wir von der Finanz- und Ertragskraft zu den Besten in Bayern gehören und Impulsgeber für den Städte- und Kongresstourismus ist", freut sich der Kuko-Chef, Geschäftsführer Peter Lutz.

Die Stadt muss zwar weiterhin viel Geld in den Betrieb der Halle investieren, profitiert aber auch davon, dass vor allem Kongresstouristen während ihres Aufenthalts in Rosenheim viel Geld ausgeben. Tagungen und Kongresse sichern Arbeitsplätze, beleben Hotellerie und Gastronomie, stärken Einzelhandel und Dienstleister. Und heute weiß längst jeder: Die Befürchtungen aus den 70-ern und 80-ern, die Stadthalle könnte zum "Flop" werden, waren völlig unbegründet. Es musste sich also niemand einmauern lassen.

Ludwig Simeth/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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