Diskussion um Bahnhofsvorplatz

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Rosenheim - Wie soll der Südtiroler Platz vor dem Bahnhof in Zukunft aussehen? Soll es eher ein Park oder doch wieder eine Art Vorfahrt mit Kurzzeit-Parkplatz werden?

Immer konkreter werden die Planungen auf dem Bahnhofsareal. Robin Nolasco, der Leiter des Stadtplanungsamtes, stellte jetzt die Entwurfsfassung des städtebaulichen Entwicklungskonzepts des Bahnhofsareals, genannt Stadtumbau West, vor.

Im Rahmen der vorbereitenden Untersuchungen waren 1058 Eigentümer, Mieter, Gewerbetriebe und Pächter in dem Gebiet um Stellungnahme gebeten worden.

In erster Linie seien unter den Rückmeldungen die starken Belastungen durch Bahn- und Verkehrslärm sowie fehlende Stellplätze für Bewohner und Kunden sowie ein Defizit in der Lebensmittelnahversorgung kritisiert worden. Positiv aufgefasst wurden von den Betroffenen die Verkehrsverlagerung von der Enzenspergerstraße zum Gleiskörper hin, die geplante Fuß- und Radwegbrücke von der Einmündung der Luitpoldstraße in die Münchener Straße über die Gleisanlagen zum Wohnquartier Am Gries und die Aufwertung des Südtiroler Platzes am Bahnhof.

Die Verwaltung schlägt vor, zunächst per Beschluss ein Stadtumbaugebiet auf der Grundlage dieses städtebaulichen Entwicklungskonzepts festzulegen. Später, so Nolasco, könnten zur stärkeren kommunalen Steuerung Teilbereiche als Sanierungsgebiete ausgewiesen werden.

Südtiroler Platz: Park statt Parkplatz

Die Rahmenplanung zum Bahnhofsareal gliederte sich in drei Arbeitsschritte; zehn Entwicklungsziele wurden formuliert. Dazu zählt die Gestaltung des Südtiroler Platzes als eine Art Park, der in der Mitte verkehrsfrei sein soll; eine Vorfahrt parallel der Eingangstreppe führt zu rund 35 statt bisher 20 Parkplätzen und zu den für 15 Taxis im Bereich des östlichen Bahnhofsbereichs. Im Westen soll das denkmalgeschützte Oberbahnamtsgebäude im Erdgeschoss gastronomisch genutzt werden, darüber als Büro und Beherbergungsbetrieb. Die Bunkeranlage soll rückgebaut werden.

Die Stadtbushaltestellen werden an der Luitpoldstraße angeordnet, die für die Regionalbusse westlich des Oberbahnamtsgebäudes. Im nördlichen Bereich sollen insgesamt 1000 Fahrradeinstellen errichtet werden. Angeschlossen werden an diese "Mobilitätsdrehscheibe" soll bis zum Brückenberg ein neues Quartier mit viergeschossiger Bebauung für Einzelhandel, Hotel und Dienstleistung, darunter ein Parkhaus mit 500 Stellplätzen.

Südlich der Gleisanlagen ist an ein Bildungs-, Forschungs- und Technologiezentrum gedacht. Zentrum soll ein Platz am südlichen Brückenkopf des neuen Fußgängerstegs bilden. Das ehemalige Ausbesserungswerk könnte eine attraktive Produktionsadresse werden, so Nolasco. Das fertige Entwicklungskonzept soll einschließlich der Förderrechtlichen Belange am 27. Juli dem Stadtrat vorgelegt werden. Danach könnte der Wettbewerb zur Gestaltung des Südtiroler Platzes mit regionalem Busbahnhof begonnen werden.

CSU-Fraktionsvorsitzender Herbert Borrmann sah es als problematisch an, den Individualverkehr am Bahnhofsvorplatz weitgehend einzuschränken und mahnte an, das Parkhaus nicht gegenüber der Auerbrauerei, sondern möglichst nah am Bahnhof zu errichten.

Andreas Lakowski von der SPD nannte den Rahmenplan sehr gelungen, der Entwurf sei eine epochaler Schritt, aber: "Jetzt fehlen nur noch die Investoren, die sich unseren Wünschen anschließen."

Dr. Beate Burkl von den Freien Wählern/UP sprach sich gegen einen verkehrsfreien Südtiroler Platz mit Wasserspielen statt einer Vorfahrt für Taxen und Individualverkehr aus: "Man muss auch an Senioren mit Gepäck denken." Sie schlug vor, den Platz ansteigend zur Bahnhofshallenebene zu gestalten. Auch Rudolf Hötzel von den Republikanern nante die bisherige Möglichkeit der Vorfahrt eine bürgernahe Lösung. Anna Rutz von den Grünen empfahl, eher 1500 als 1000 Fahrradstellplätze im Nordbereich zu schaffen.

Josef Gasteiger von der CSU freute sich, dass endlich der ganze südliche Stadtbereich gut angebunden werde; früher sei der Bahnhof ein Sperrriegel gewesen. Er mahnte an, das Gelände nördlich des Brückenbergs nicht aus den Augen zu lassen, speziell für die kreuzungsfreie Abschleifung zur Enzenspergerstraße. Sein Fraktionskollege Florian Ludwig nannte den Münchener Ostbahnhof als Vorbild: die Bahnkunden sollten trockenen Fußes von der Vorfahrt - ob mit Auto, Bus oder Taxi - den Zug erreichen können.

Baudezernent Helmut Cybulska nahm zu beiden Punkten Stellung. Für das nördliche Gelände gebe es eine Vorkaufsrechtssatzung; der Verkehrsgutachter habe allerdings den Aufwand als zu hoch bezeichnet. Zum zweiten Punkt wies er auf die Marketing-Beratung CIMA hin, die eine Tiefgarage empfehle.

Bärbel Thum von der Wählerinitiative WIR wandte sich dagegen, den Bahnhofsvorplatz weiterhin mit Autos vollzustellen. Stadtplaner Nolasco erläuterte, der Platz sei mit 2000 Quadratmeter nur etwas größer als der Grüne Markt. Dr. Thomas Huber von der CSU forderte, alle Verkehrsmittel müssten optimal an den Bahnhofseingang geführt werden: "Denken sie mal an eine Mutter mit Kind, Koffer und Regenschirm."

Franz Opperer von den Grünen schlug vor, im Parkhaus auch Möglichkeiten zu schaffen, dass Radtouristen dort ihre Räder und das Gepäck verstauen könnten; auch sollte es dort einen Fahrradverleih geben.

Mit einer aktuellen Forderung beendete Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer die Aussprache: "Am Südeingang an der Enzenspergerstraße fehlen Abfalleimer!" Beide Ausschüsse stimmten der Fertigstellung der Entwurfsunterlagen zu und beauftragten die Verwaltung, das Vorgehen mit der Förderbehörde abzustimmen.

hh/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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