Diskussion über Rente

Rosenheim - Politiker und Gewerkschaften streiten seit Jahren über die Rente mit 67 Jahren. Ist sie notwendig oder schließlich doch nur eine Rentenkürzung?

Die Bürger fragen sich, ob es in Zukunft überhaupt genügend Arbeitsplätze für Ältere geben wird. In Rosenheim ist die Zahl der älteren Arbeitnehmer in den letzten Jahren gestiegen.

"Wenn ein Ingenieur mit 57 Jahren gut qualifiziert ist, stellen wir ihn auch ein", sagt Professor Dr. Anton Kathrein. Wegen des bevorstehenden Fachkräftemangels wäre es ein Fehler, nicht auf Ältere zu setzen. Schließlich sei man in wenigen Jahren noch mehr auf sie angewiesen als heute, da der Nachwuchs fehle. "Bereits heute sind fünf Prozent unserer Arbeitnehmer über 60 Jahre alt", so Kathrein. Fluktuation sei kein Thema - man wolle junge und erfahrene Mitarbeiter, die lange bei der Firma bleiben.

Auch bei Karstadt will man fehlenden Nachwuchs dadurch ausgleichen, dass man die Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen bindet. "Wir bilden nicht für die Straße aus, sondern für Karstadt", sagt Geschäftsführer Matthias Ecke. Er mache sich zwar noch keine Sorgen über einen Fachkräftemangel, Karstadt habe aber trotzdem vorgesorgt: Das Unternehmen setze stark auf Aus- und Weiterbildung, so Ecke, um Mitarbeiter lange an das Haus zu binden. Die Diskussion über die Rente mit 67 versteht Ecke aber nicht: Das Thema sei so komplex, dass die Entwicklung noch nicht abzusehen sei.

Laut Katharina Kristen von der Arbeitsagentur hat die Beschäftigung Älterer in den letzten Jahren zugenommen: "Eine Statistik von 2009 besagt, dass in Rosenheim von 29 120 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten fast ein Viertel zwischen 50 und 64 Jahre alt war." Im Vergleich zum Vorjahr habe der Wert um 3,4 Prozent zugelegt. Ein Grund sei der Wegfall der 58-er-Regel, der Frühverrentung: "Bis vor drei Jahren konnte man mit 58 erst zwei Jahre Arbeitslosengeld beziehen und anschließend ohne Abschläge in Rente gehen", so Kristen.

Allerdings sei es nach wie vor sehr schwierig, einen neuen Job zu finden, wenn man mit Mitte 50 entlassen werde. "In manchen Branchen ist es besonders hart", weiß Kristen, "beispielsweise im IT-Bereich." Die Arbeitsagenturen wollen älteren Arbeitnehmern deshalb vor allem durch Förderung und Umschulungen helfen, wieder Arbeit zu finden. "Wir schauen genau, was man können muss, um für einen Arbeitgeber attraktiv zu sein", so Kristen. Der Markt gebe das nun einmal vor.

Obwohl die Zahl der Beschäftigten über 60 Jahre zugenommen hat, bleibt die zentrale Frage: Wie lange kann ein Mensch überhaupt arbeiten? Ein Bürokaufmann kann vielleicht bis 70 arbeiten, aber ein Dachdecker oder Bauarbeiter?

Thomas Knauer, Prokurist bei der Baufirma Grossmann, sieht hier ein Problem: "Man muss zwischen Arbeitern und Angestellten unterscheiden." Aus wirtschaftlichen Gründen und wegen der fehlenden körperlichen Arbeit würden zukünftig mehr ältere Angestellte arbeiten, so Knauer. Bei den Arbeitern erwarte er aber das Gegenteil - hier werde es wohl mehr Erwerbsunfähige geben. Beispielsweise seien die gewerblichen Arbeiter bei Grossmann in der Regel unter 60, in der Verwaltung seien aber Angestellte, die bereits über 60 Jahre alt sind.

lom/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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