"Don Juan"-Betrüger muss hinter Gitter

Rosenheim -  90.000 Euro soll der 46-jährige Angeklagte einem Nachbarn aus der Tasche gezogen haben. Damit nicht genug: Auch bei seinen fünf Frauen ließ der selbsternannte Tontechniker nichts anbrennen.

Mit Luftschlössern Mitmenschen das Geld aus der Tasche gezogen hatte ein Angeklagter, der sich nun vor dem Amtsgericht zu verantworten hatte. Betrogene Partnerinnen belegten seine betrügerische Absichten.

Von einem Lebemann oder Frauentyp hatte der Angeklagte so gar nichts an sich, als ihn die Polizei jetzt aus der Untersuchungshaft vorführte. Allerdings sind die Möglichkeiten zum großen Auftritt aus dem Gefängnis sicherlich beschränkt. Als Zeuginnen warteten vor dem Saal 21 fünf Frauen, die den Angeklagten mehr oder weniger gleichzeitig geliebt hatten - einschließlich der Ehefrau, die samt der zwei halbwüchsigen Söhne dem Verfahren beiwohnte. Der 46-jährige selbsternannte Tontechniker hingegen hatte alle mehr oder weniger gleichzeitig betrogen - um Geld und um Liebe. Hauptvorwurf allerdings war ein Privatdarlehen von 90.000 Euro, das der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft in betrügerischer Absicht einem Nachbarn abgeluchst haben soll. Er bewohnte damals, zusammen mit einer "Lebensabschnitts-Gefährtin", ein großzügiges Haus im südlichen Landkreis, wo er - so er denn zuhause war - von großartigen Erfolgen alsTontechniker in der Musikbranche zu erzählen wusste.

Er war auch von "Berufs wegen" viel unterwegs und verbrachte mit seiner damaligen Partnerin immer nur kurze Freizeiten. Die ganze Republik samt deutschsprachigem Ausland war sein Revier. Das stimmte aber nur insoweit, als er seine anderen "Lebensabschnitts-Gefährtinnen" tatsächlich republikweit installiert hatte. In Nordrhein-Wesrfalen und an der Nordseeküste hatte er weitere Damen zu betreuen, von seiner Ehefrau ganz zu schweigen. Nun erzählte der Angeklagte im September 2007 einem wohlhabenden Nachbarn, er habe eine großartige Chance, mit seinem Gewerbe sesshaft und erfolgreich zu werden.

Ein neuer Saalbau in Rosenheim biete ungeahnte Möglichkeiten, zumal er direkt über dem Saal in einer Einliegerwohnung ein Studio einrichten könne. Eine entsprechende Studiotechnik hätte man ihm unglaublich günstig angeboten. Für nur 130.000 Euro bekäme er eine Ausrüstung, die weit über 200.000 Euro wert wäre. Der Haken daran: Er selber könne derzeit nur 40.000 Euro flüssig machen. 90.000 wären nötig, und das Supergeschäft könne laufe.

Wie alle Betrüger verstand er die Umstände im besten Licht darzustellen. Allerdings war dem Nachbarn - so seine Aussage vor Gericht - bereits nach zwei Wochen klar, dass er das Geld wohl los sei. Auch der Nachbar war dann auf Nimmerwiedersehen verschwunden.

Die Partnerin blieb mit Bankschulden und einer fälligen Bürgschaft zurück. Damit stand sie jedoch nicht allein. Auch für alle anderen Frauen war die Zuneigung des Angeklagten kostspielig. Alle blieben mit Schulden und Problemen zurück. Die Vorsitzende Richterin Jacqueline Aßbichler verwies darauf, dass die Betrügereien an den Frauen nicht Bestandteil dieses Verfahrens seien.

Der Angeklagte bestritt, dass er den ehemaligen Nachbarn um das Geld habe betrügen wollen. Das Geschäft habe er guten Gewissens angestrebt. Einzig missliche Umstände hätten seine Bestrebungen zunichte gemacht.

Als allerdings die Frauen berichteten, mit welch haarsträubenden Luftschlössern er sie in die Bredouille gebracht hatte, war unterstrichen, dass das Betrügen für diesen Mann wohl eine charakterliche Notwendigkeit war. Dutzende von überzogenen Konten und Aliasnamen, unter denen er abwechselnd auftrat, zeichneten eine unglaubliche Spur des Hochstaplers nach. Habhaft wurde man seiner erst mittels eines Rosenheimer Haftbefehls vom Juni 2010. Auf Fehmarn nahm ihn die Polizei fest, als er aus dem Wohnwagen einer der betrogenen Frauen flüchten wollte. Die Staatsanwaltschaft beantragte eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten - ein Strafmaß, bei dem Bewährung kein Thema mehr ist.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Johannes Helber, hatte Mühe, entlastende Argumente für seinen Mandanten zu finden. Die Tatsache, dass dieser geständig sei, führte er ins Feld, und dass dieser Betrug bereits vier Jahre zurück läge. Er bat um eine Strafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Dazu sah das Gericht aber keinerlei Veranlassung: Zwei Jahre und fünf Monate muss der Mann ins Gefängnis.

Von Seiten der betrogenen Frauen erwarten ihn allerdings weitere Verfahren.

au/Oberbayerisches

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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