Drei teure Flaschen Bier

Rosenheim - Alkoholsucht machte einen Rostocker zum Kleinkriminellen. Drei Flaschen Bier, die er an einer Tankstelle mitgehen lassen wollte, brachten ihn nun letztendlich für ein Jahr ins Gefängnis.

Wenn der 34-jährige Küchenhelfer nicht schon morgens seine zwei, drei Halbe Bier bekommt, überwältigen ihn Schweißausbrüche und unkontrolliertes Zittern. So war es auch am 17. Januar dieses Jahres. Eigentlich war er nach Rosenheim gekommen, um hier Arbeit zu finden. Tatsächlich gefunden hat er aber sehr schnell "Brüder im Trunke", mit denen er am Tag vor der Tat, an einem Sonntag, mehrere Flaschen Schnaps und einen Kasten Bier leerte.

Am Montagmorgen trieb ihn der Suchtdruck zu einer Tankstelle an der Kufsteiner Straße. Er hatte leere Flaschen mitgebracht und konnte sich vom Pfandgeld eine Flasche Bier kaufen, die er auch gleich vor der Tankstelle leerte. Das war jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. So ging er zurück und versuchte unauffällig, drei weitere Flaschen in einer Tasche verschwinden zu lassen. Aber nicht unauffällig genug. Als er den Verkaufsraum verließ und damit den Diebstahl vollendet hatte, lief ihm die Verkäuferin hinterher und hielt ihn mit Hilfe eines Kunden auf. Die Polizei wurde verständigt. Auch diese glaubte ihm nicht, als er beteuerte, er hätte das Bier ja bezahlen wollen. Er hatte ohnehin keinen Cent in der Tasche.

Vor dem Amtsgericht Rosenheim unter Vorsitz von Richter Christian Merkel war der seit zehn Jahren schwer Alkoholsüchtige umfassend geständig. Zwar hat er sich hin und wieder einer Entgiftung unterzogen, aber nie eine echte Therapie gemacht.

Der Staatsanwalt erklärte, bei der Vielzahl der Vorstrafen, bei denen es nahezu immer auch um Beschaffungsdiebstahl gegangen sei, komme eine Geldstrafe nicht mehr in Betracht. Immerhin befand sich der Angeklagte wegen zweier Verurteilun-gen aus dem Vorjahr noch in offener Bewährung. Vier Monate Gefängnis ohne Bewährung forderte der Staatsanwalt. Sonst würde der 34-Jährige mit Sicherheit immer weiter "saufen und stehlen".

Ganze drei Euro Schaden wären entstanden, wenn der Diebstahl geglückt wäre, darauf wies der Verteidiger hin. Er regte eine Strafe von zwei Monaten an, mit nochmaliger Bewährung und als Bewährungsauflage eine Suchttherapie. Nur so sei der Teufelskreis von Sucht und Beschaffungskriminalität zu durchbrechen.

Richter Merkel entsprach jedoch dem Antrag des Staatsanwaltes. "Sie haben in der Vergangenheit nicht die geringste Mühe unternommen, selbst eine Therapie anzustreben. Ohne eigenen Antrieb ist aber auch eine verordnete Entzugstherapie hoffnungslos", hielt er dem Ageklagten vor. So bleibt nur die Hoffnung auf die Einsicht, dass der Süchtige eine Therapie benötigt und dass ohne eigene Initiative jede Hilfe sinnlos ist.

Nachdem er die Bewährung für seine vorherigen Verurteilungen verwirkt hat, muss der Rostocker nun für ein Jahr ins Gefängnis.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser