Drohkulisse "Pflichtfeuerwehr"

Geht den Feuerwehren in der Region das Personal aus?

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  • Jennifer Bretz
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Landkreis - "Teilweise bekommt man die Einsatzfahrzeuge nicht mehr voll", wurde vor kurzem in Freising Alarm geschlagen. Wie stellt sich die Personalsituation bei den heimischen Feuerwehren dar?

Ein aktueller Situationsbericht aus dem Landkreis Freising klingt alarmierend: Alle Kommunen sind dazu verpflichtet, den Brandschutz zu garantieren, doch in kleineren Gemeinden des östlichen Landkreises bekäme man die Feuerwehrautos manchmal "nicht mehr voll", so der dortige Kreisbrandrat gegenüber sueddeutsche.de

Im schlimmsten Falle müsste die Gemeinde eine sogenannte Pflichtfeuerwehr einrichten: Dienstfähige und ausgebildete Personen könnten dann zum Feuerwehrdienst von den Kommunen verpflichtet werden. Wann dies tatsächlich der Fall ist, hängt von der jeweiligen Situation ab. Größe der Gemeinde, Anzahl der Schadensereignisse, Ausstattung der Nachbargemeinden oder Gebäudestrukturen spielen konkret eine Rolle.

In Bayern ist es soweit noch nirgendwo, doch es gibt bereits kleinere Gemeinden in Norddeutschland die eine Pflichtfeuerwehr einrichten mussten. Auch im dem zuvorzukommen plant der Freistaat derzeit eine Gesetzesänderung, die das Dienstalter von aktiven Feuerwehrlern von 63 auf 65 anheben könnte. 

Wie sieht es mit Personalproblemen in den heimischen Landkreisen aus?

Rosenheim

"Es wird trotz gesetzlicher Grundlage immer schwieriger Feuerwehrkräfte während den regulären Arbeitszeiten für den Einsatzdienst zu bekommen. Insbesondere im städtischen Bereich ist dies sehr auffallend", so Kreisbrandrat Schrank. Sorgen bereiten ihm vor allem viele kleinere Einsätze. Als Beispiel nennt er einen Ast auf Straße oder Gehsteig: "Es ist doch einfacher vom fahrenden Auto aus die Feuerwehr zu rufen als selbst auszusteigen und den Ast beiseite zu schieben – es könnte ja regnen und man würde dabei nass werden." Und er fügt hinzu: "Die Schwelle in der Bevölkerung die Feuerwehr für Kleinigkeiten zu rufen wird immer niedriger."

Trotzdem gibt es im Landkreis Rosenheim eine stabile Personaldecke, teilweise auch geringe Zuwächse. Insgesamt sind derzeit 6350 Frauen und Männer in den freiwilligen Feuerwehren organisiert und aktiv tätig. 

Traunstein

Keine Probleme beim Personal hat man auch im Landkreis Traunstein. "Mit dem Nachwuchs ist es in den letzten Jahren sogar besser als schlechter geworden", so Kreisbrandrat Gnadl. Pflichtfeuerwehren stehen nirgendwo im Landkreis zur Debatte.

Er verweist dabei auch auf die Aktionen des Landesfeuerwehrverbandes um neuen Nachwuchs zu bekommen: "Das haben wir sehr gut genutzt."

Berchtesgadener Land

Im Berchtesgadener Land zeigt sich Kreisbrandrat Kaltner prinzipiell zufrieden mit der Zahl der Feuerwehrler: Rund 1800 sind es insgesamt, davon vier Prozent Frauen. Doch er schränkt ein: "In den ländlicheren Gemeinden macht uns die Verfügbarkeit der Aktiven unter werktags, besonders die Atemschutzgeräteträger, zu schaffen." Derzeit könne dies noch durch die Mitalarmierung von Nachbareinheiten kompensiert werden, doch längerfristig grauche es ein Umdenken in der Gesellschaft. 

Potenzial sieht er bei Frauen, Quereinsteigern und kommunal Beschäftigten. "Hier wird es notwendig sein, gezielt Gemeindebürger anzusprechen. Denn die Feuerwehr muss eine ihrer Pflichtaufgaben innerhalb von zehn Minuten nach Eingang einer Alarmmeldung bei der Integrierten Leitstelle erledigen können", so Kaltner. 

Von einer Pflichtfeuerwehr sei man im Berchtesgadener Land aber noch weit entfernt. "Dass es auch nicht soweit kommen muss, dafür betreiben wir im Landkreis eine hervorragende Nachwuchsarbeit. Wenn ich mir die bereits gemeldeten Zahlen anschaue, so dürfte die Stärkemeldung der Jugendgruppen über den Vorjahreszahlen bei etwa 350 Jugendlichen liegen. Und da liegt der Anteil der Mädchen schon bei 20 Prozent."

Mühldorf

"Wir haben keine Nachwuchssorgen oder gar Probleme mit sinkenden Mitgliederzahlen, im Gegenteil. An der Teilnahme der Jungfeuerwehrler am jährlichen Wissenstest sieht man das sehr deutlich", so Mühldorfs Kreisbrandrat Lechertshuber. 625 Jugendliche haben dort im vergangenen Jahr teilgenommen, und es werden mehr. Das Problem sei eher, die Jugendlichen auch längerfristig zu binden

Bei den Erwachsenen gibt es an sich keine Probleme. Ein wenig Sorgen macht Lechertshuber hier die Arbeitswelt: "Wenn einer Pendler nach München ist, dann steht der für den Tagesalarm, also die Bereitschaft, nicht zur Verfügung." Überhaupt stellt Lechertshuber fest, dass die heutige Arbeitswelt eher nicht feuerwehrfreundlich ist. Immer weniger Leute, immer mehr Arbeit - so kann die Tagesalarmstärke auf Dauer leiden. 

Lechertshuber appelliert an die Arbeitgeber, den Dienst der Feuerwehrler für das Gemeinwohl wieder mehr zu schätzen. Die Aktion, mehr Frauen in die Feuerwehr zu bekommen, findet er gut und meint, dass sie sicher gefruchtet habe. Allerdings seien die einzelnen Feuerwehren auch ganz stark am Zuwachs von Frauen bei der Feuerwehr beteiligt.

Altötting

"Wir sind in der glücklichen Lage, gegen den landesweiten Trend zu schwimmen", meint auch Kreisbrandrat Werner Huber aus Altötting: Ähnlich wie in Mühldorf gäbe es zwar Zuwachszahlen bei den Jugendlichen, aber Probleme, sie zu halten. "Meistens sei es so, dass sie aufgrund von Beruf, Studium oder auch Umzug einfach nicht können", so Huber. Bei den jungen Frauen steht dagegen oft eine Schwangerschaft dem langfristigen Engagement bei den Feuerwehren entgegen. 

Allgemein stellt Huber fest, dass es die Mädels schon stolz macht, dabei zu sein und - keine Frage - sie haben's genauso drauf wie die Burschen aber es gebe einfach klar den Unterschied zwischen den Geschlechtern: Man wird dreckig. Im Gegensatz zu Mühldorf macht sich Werner Huber bei den Tagesbereitschaften keine Sorge. Der Grund: Im Landkreis Altötting gibt es viele Schichtarbeiter unter den Feuerwehrlern.

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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