"Ein Alien ist auch nur ein Mensch"

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Begegnung zwischen Mensch und Außerirdischem: Deutschlands bekanntester Astronom, Professor Dr. Harald Lesch (links), und Mister Spock, Commander der Enterprise, alias Professor Dr. Elmar Junker, Leiter der Sternwarte Rosenheim, nahmen in der Hochschule Kontakt auf.

Rosenheim - Mehr als 1000 Gäste kamen, um Professor Dr. Harald Lesch live zu sehen. Deutschlands bekanntester Astrophysiker sprach an der FH Rosenheim auch über Außerirdische:

Ein Außerirdischer befand sich auf jeden Fall unter den über 1000 Gästen, die in den Vortrag von Professor Dr. Harald Lesch, Deutschlands bekanntestem Astronom, an die Hochschule Rosenheim geströmt waren. Mister Spock, der Star aus Raumschiff Enterprise, alias Professor Dr. Elmar Junker, Leiter der Sternwarte Rosenheim, bewies mit schwarzer Perücke und aufgeklebten spitzen Spockohren, was Lesch in seinem fulminanten Ritt durch die Astrophysik resümierte: "Der Außerirdische ist auch nur ein Mensch."

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Nicht einmal die großen Wirtschaftsbosse oder die Stars des Marketings haben jemals so viele Besucher an die Hochschule Rosenheim gelockt wie Professor Dr. Harald Lesch, der sich - genau genommen - einem Thema widmete, vor dem eigentlich die meisten Menschen zurückschrecken: der Physik. Doch Lesch, das Gesicht der beliebten ZDF-Sendung "Abenteuer Forschung", gilt als der "Rockstar" der Astronomie. Einen Titel, der dem Gastredner zum 25. Jubiläum der Sternwarte an der Hochschule Rosenheim sichtlich unangenehm ist, denn Lesch, der jüngst mit dem bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde, ist ein rhetorisch sehr begabter Wissenschaftler, der sich streng an die naturwissenschaftlichen Fakten hält. Und mit denen konfrontierte er auch seine Gäste beim Vortrag, der aus dem großen Hörsaal in das Foyer der Hochschule und in die Mensa übertragen wurde.

Auf den Leinwänden wimmelte es von hoch komplizierten Formeln. Der Professor für theoretische Astrophysik an der Ludwig-Maximilians-Universität München verschonte seine Zuhörer nicht mit Ausflügen in die Quantenmechanik und Relativitätstheorie. Elektronen, Protonen und Neutronen, Tripel Alpha Prozess und Supernova-Explosionen: Seinen Gästen - darunter nicht nur viele Hobbyastronomen aus ganz Bayern, sondern auch absolute Laien - holte Lesch nicht die Sterne vom Himmel. Er nahm sie mit in die Tiefen der Theorie. Doch der mehrfach als Hochschullehrer des Jahres ausgezeichnete Professor bewies auch, dass er diesen Titel verdient hat: Selbst die langweiligste Formel besitzt bei ihm eine spannende Aussage, selbst das komplexeste Schaubild einen philosophischen Kern. Und sogar in Milliarden Lichtjahren entfernten Galaxien menschelt es kräftig.

"Astronomie ist heute nichts Romantisches mehr", bedauerte Lesch zwar angesichts der Tatsache, dass die Zeiten der verklärten Himmelsgucker, die nächstens an den Teleskopen saßen, vorbei sind. Trotzdem verheißt die Astronomie nach wie vor das große Abenteuer: "Denn wir stecken noch mitten drin in der Entdeckungsphase", betonte Lesch angesichts regelmäßig neu gefundener Sterne und Planeten. Stets stehe dabei die Frage aller Fragen, die sich eigentlich der Frage nach den kosmischen Wurzeln des Menschen stelle, im Mittelpunkt: Kann es außerirdisches Leben geben? "Ja!" lautete die klare Antwort von Lesch angesichts von errechneten vier Millionen "habitablen", also theoretisch bewohnbaren Planeten.

Trotzdem vermittelte er wenig Hoffnung auf eine baldige Kontaktaufnahme zu Aliens, die seiner Überzeugung nach übrigens dem Menschen im Aufbau sehr ähneln müssen: Denn Planeten wie die Erde sind das Ergebnis von hochkomplexen Vorgängen im Weltall mit Entwicklungszeiten, die Milliarden von Jahren benötigen. Da die Naturgesetze überall im Universum gelten, steht außerdem fest: Ein bewohnbarer Planet darf nicht zu groß (sonst ist er ein Gasriese), nicht zu klein (droht der Verlust der Atmosphäre), nicht zu heiß oder zu kalt (sonst gibt es kein flüssiges Wasser) sein.

Gäbe es eine solche Konstellation außerhalb der Erde, benötigt das dortige Leben eine unfassbar lange Zeit, um sich vom Ein- zum Mehrzeller zu entwickeln. Überhaupt: Angesichts der Vielzahl von Faktoren, die ineinander greifen müssen, ist "es ganz selten, dass ein Planet bewohnbar wird". Die Erde ist, so das Fazit von Lesch, auch deshalb eine Besonderheit, etwas Kostbares: "Deshalb sollten wir uns immer wieder fragen, ob wir genug tun für unsere Erde angesichts der Tatsache, was das Universum für uns getan hat", appellierte der Astrophysiker.

Er räumte außerdem mit zwei Vorurteilen auf: "Ja, die Amerikaner waren auf dem Mond." "Nein, wir werden am 21. Dezember nicht als Folge eines Sonnensturms untergehen", wies Lesch die Weltzerstörungsphobien als Folge des endenden Maya-Kalenders zurück.

"Der 21. Dezember ist das, was er immer ist: die längste Nacht des Jahres - und die gibt uns die Chance, viele nette menschliche Dinge zu tun."

Heike Duczek (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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