Rücktritte beim Wirtschaftlichen Verband Rosenheim:

WV: Eine Satzung sorgt für Wirbel

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Abstimmung bei der Jahreshauptversammlung des Wirtschaftlichen Verbands im Ballhaus
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Rosenheim - Die Ablehnung einer Satzungsänderung führte gestern zum Rücktritt zweier WV-Vorstände. Worum ging es bei dieser Änderung konkret? Wie sind die Reaktionen am Tag danach?

Was am Montag als reguläre und routinemäßige Veranstaltung im Ballhaus in der Rosenheimer Weinstraße begann, endete mit einem Paukenschlag. Der Vorsitzende des Wirtschaftlichen Verbands Rosenheim, Reinhold Frey und dessen Stellvertreter, Hermann Tomczyk, verkündeten noch während der Sitzung den Rücktritt von allen Ämtern. Der Grund: die Ablehnung ei ner geplanten Änderung der Vereinssatzung.

Brauereien äußern sich am Dienstag erneut

Am Dienstag herrscht seitens der Geschäftsführer der Brauereien Flötzinger und Auer Bräu tiefe Bestürzung über den Verlauf des Vorabends, an dem sie maßgeblich beteiligt waren. Andreas Steegmüller-Pyhrr könne die Entscheidung des Vorstands schlicht nicht nachvollziehen, bemühe sich aber nach wie vor um eine Lösung des Problems. "Bereits am Montagnachmittag haben Gespräche mit dem Vorstand stattgefunden, in denen wir unsere Position dargelegt haben", so Steegmüller-Pyhrr. Grundgedanke dafür soll die Absicht der Brauereien gewesen sein, die Zusammenarbeit mit dem Verein zu intensivieren. Man wollte lediglich ein Vertretergremium, eine Art Beirat, in einem Verein etablieren, der mittlerweile mit größeren Geldsummen beschäftigt sei, so der Geschäftsführer von Flötzinger Bräu. Deshalb habe man den Vorstand bereits in der vergangenen Woche gebeten, den Tagesordnungspunkt "Abstimmung zur Satzung" solange zurückzustellen, bis in Zusammenarbeit mit allen Mitgliedern eine neue Fassung der Satzung erarbeitet  werden könne. "Deshalb waren wir am Abend auch sehr überrascht, eine Satzung ändert sich ja schließlich nicht jeden Monat", erklärt Andreas Steegmüller-Pyhrr.

Ferdinand Steinacher, Geschäftsführer von Auerbräu, äußerte sich ähnlich. Radio Charivari Rosenheim sagte er, die Eskalation sei für ihn unverständlich. Man habe nur Bedenken gegen die vorgelegte Satzungsänderung geäußert. Daher seien insbesondere die Rücktritte überraschend gewesen. Diese könne er nicht nachvollziehen, noch dazu, wo man sich im Vorfeld der Versammlung gemeinsam mit dem Vorstand über die Vorgehensweise abgesprochen habe. Man habe einen sauberen Ablauf der Sitzung gewollt. Man habe zudem den Vorstand gelobt und ihm zu 150 Prozent das Vertrauen ausgesprochen. Dass man als Mitglied eines Vereins das Wort ergreife, sei in jeder Hauptversammlung normal, so Steinacher weiter. Man habe auch nicht Schausteller Fahrenschon unterstützen wollen, sondern sich einzig aus Sicht der Brauereien zur vorgelegten Satzungsänderung geäußert.

Bilder von der Jahreshauptversammlung

Jahreshauptversammlung des WV

"Mit der Reaktion von Reinhold Frey und Hermann Tomczyk haben wir auf keinen Fall gerechnet," ergänzt Steegmüller-Pyhrr. Die Bedenken zur neuen Satzung seien ja auch keineswegs spontan entstanden. Man sei jederzeit zu Gesprächen mit dem Wirtschaftlichen Verband bereit, würde es sogar begrüßen, wenn Reinhold Frey und Hermann Tomczyk ihre Entscheidung vom Montag noch einmal überdenken und in den Verein zurückkommen würden. Man habe "keine Absicht gehabt, eine emotionale Seite zu berühren", könne aber verstehen, wenn die Betroffenen Zeit zur Reflexion benötigen, so Steegmüller-Pyhrr.

Stellungnahme des Wirtschaftlichen Verbands

Reinhold Frey und Hermann Tomczyk waren am Dienstag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Der Wirtschaftliche Verband gab jedoch am Nachmittag bekannt, dass der komplette Vorstand angekündigt habe, seine Ämter niederzulegen. Die ausführliche Meldung zum Rücktritt des Vorstands lesen Sie hier. 

Diese Änderungen hätte die neue Satzung enthalten

Extra:

Bestehende WV-Satzung

Änderungsvorschlag

Insgesamt weist die neue, nicht beschlossene Satzung einen Paragraphen mehr auf. In 15 Artikeln werden die Grundpfeiler des Vereins beschrieben. Unverändert sind dabei nur der erste und der letzte Artikel, in denen der Name, der Sitz und das Geschäftsjahr sowie die Auflösung des Vereins beschrieben werden. In den anderen Artikeln sind teilweise kleine, redaktionelle Anpassungen aber auch umfangreichere und inhaltliche Änderungen zu finden.

In Paragraph 3 bezüglich Mitgliedschaften wird so neu festgehalten, dass keine Anfechtung im Falle einer Ablehnung durch den Vorstand möglich ist. Ein Aufnahmeanspruch bestehe nicht. Weiter fällt die schriftliche Mahnung bei Nichtzahlen der Mitgliedsbeiträge nicht mehr in die Zuständigkeit des (nicht mehr vorhandenen) Geschäftsführers, sondern ist Aufgabe des Vorstands. Gegen Ende des Paragraphen heißt es nun zusätzlich, dass die Mitgliederversammlung auch Ehrenvorstandsmitglieder ernennen kann.

Komplett neu wurde ein sechster Absatz an den Paragraphen 3 angehängt. In diesem wird geregelt, dass die Mitglieder des Vereins, "unabhängig von ihrem Amt, auf der Grundlage eines Dienst- oder Geschäftsbesorgungsvertrages, für den Verein tätig sein" können.

Den Ausschluss von Mitgliedern regelt Paragraph 4 der Satzung. Hier wurde eine Frist von drei Wochen auf drei Monate verlängert. Diese Frist gilt für die Dauer, die zwischen Bekanntwerden und Anzeigen von Vorkommnissen von Ausschlusskriterien seitens des Meldenden an den Vorstand liegen darf. Über eine Beschwerde des ausgeschlossenen Mitglieds muss nun mit einer Mehrheit von 2/3, anstatt wie vorher mit einer einfachen Mehrheit, von der Mitgliederversammlung entschieden werden.

Auch im Paragraph 7, Vorstand, ergeben sich umfangreichere Änderungen. Hier wird der zweite Stellvertreter des Vorsitzenden gestrichen und statt der genauen Beschreibung der zusätzlichen Vorstandsmitglieder von "bis zu vier weiteren Vorstandsmitgliedern" gesprochen. Desweiteren erhöht sich das Alter derjenigen, die für den Vorstand wählbar sind, von 68 auf 70 Jahre. Auch die Amtszeit des Vorstands wird von vier auf fünf Jahre verlängert.

Neu eingeführt wird auch der Posten des Referenten. In Paragraph 10 wird ein "Referent für Öffentlichkeitsarbeit" neu eingesetzt, der das ehemalige Vorstandsmitglied ersetzt. Die Satzung behält sich vor, weitere Referenten nach Bedarf zur Beratung des Vorstands zu bestellen. Auch hier ist die Amtszeit auf fünf Jahre festgelegt. 

Ähnliche Änderungen gelten auch für die in Paragraph 11 beschriebenen Fachausschüsse. Die Ausschüsse bestehen nun nur noch aus maximal 5 anstatt wie bisher aus 7 Mitgliedern zusätzlich zum Vorsitzenden. Die Altersgrenze liegt hier nun auch bei 70 Jahren. Weggefallen hingegen ist der ehemalige Unterpunkt 3, in dem es heißt, dass die Mitgliederversammlung über die Einrichtung der Ausschüsse und die Berufung der Mitglieder entscheidet. Neu ist hingegen die Möglichkeit, dass der Fachausschussvorsitzende nun an Vorstandssitzungen nach Genehmigung teilnehmen kann.

Abschließend erhält die Mitgliederversammlung mit dem Paragraphen 12 einen eigenen Artikel. Hier wird die Einberufung der Versammlung und der formelle Rahmen beschrieben. Der ehemalige Prargraph 12, in dem die Möglichkeit der Einrichtung eines Beirats vorgesehen ist, wurde ersatzlos gestrichen.

Quelle: rosenheim24.de

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