Der lange Leidensweg von Andreas Schütz

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Mit dem Rollstuhl ins Eisstadion: Die Rückkehr in die Fankurve war zuletzt einer der wenigen schönen Momente im "neuen" Leben von Unfallopfer Andreas Schütz.

Rosenheim - "Polizist fährt Fußgänger um", hieß es Anfang September in Rosenheim. Der Fall ist mittlerweile strafrechtlich abgeschlossen. Aber der Leidensweg von Unfallopfer Andreas Schütz wird sich noch lange hinziehen.

Der bedauerliche Unfall, der sich am Rande des Herbstfestes ereignete, sorgte für viele Diskussionen. Vier Monate später ist der Fall strafrechtlich abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft hat jetzt das Verfahren gegen den Bereitschaftspolizisten eingestellt. Hingegen wird sich der Leidensweg von Unfallopfer Andreas Schütz noch lange hinziehen. Gleichzeitig bahnt sich ein juristisches Tauziehen um Schadenersatz und Schmerzensgeld an. Schon elfmal ist "der Rio", wie Andreas Schütz von seinen Freunden und Bekannten genannt wird, operiert worden an seinem linken Fuß, der bei dem Unfall zertrümmert wurde. Mindestens vier weitere schwere Eingriffe stehen dem Kleinunternehmer und leidenschaftlichen Eishockey-Fan noch bevor. Mindestens noch eineinhalb bis zwei Jahre wird sich in seinem Leben fast alles um Therapie- und Reha-Maßnahmen drehen. Ob er jemals wieder einigermaßen laufen kann, ist offen.

Keine Frage: Der Moment, als Schütz am Wiesn-Haupteingang beim Überqueren der Kaiserstraße von einem Polizeiauto erfasst wurde, das aus der Einfahrt des Polizeipräsidiums schräg gegenüber kam, hat sein Leben für immer verändert.

Vorm Reha-Marathon: Viele Freunde haben Schütz Mut gemacht.

Trotz der seelischen und körperlichen Tortur (zwischenzeitlich zitterte Schütz sogar um sein Bein) gab es auch schöne Momente, die ihn Mut und Kraft schöpfen lassen: Seine Rückkehr ins Eisstadion mit hohem Gänsehautfaktor, die große Geburtstagsfeier zum 40. mit 200 Freunden in Vogtareuth am vergangenen Samstag, der Pokaltriumph "seiner" Starbulls am Dienstag. "Ein großes Dankeschön an alle, die mir in dieser schweren Zeit geholfen haben, ganz besonders meinen Freunden in Vogtareuth. Die Anteilnahme war überwältigend", sagt er.

Um Schütz' kleine Firma (Umzüge, Büromöbelmontagen) kümmern sich derzeit Ehefrau Josefine und ein Angestellter. Wie hoch ist der Verdienstausfall? Das ist eine von vielen Fragen, auf die der Rosenheimer Rechtsanwalt Wilhelm Graue, Rechtsbeistand des Unfallopfers, Antworten sucht. Auch Begriffe wie Teilinvalidität und Rente stehen im Raum. Deshalb steht für Graue schon jetzt fest, dass Schütz "eine hohe Summe an Schadenersatz und Schmerzensgeld zusteht". Aber die Sache laufe "sehr zäh" an. 5000 Euro Schmerzensgeld hat das zuständige Bereitschaftspräsidium in Bamberg bislang als Vorschuss angewiesen - in Graues Augen viel zu wenig.

Dass das Verfahren wegen "Körperverletzung im Amt" gegen den 25-jährigen Bereitschaftspolizisten gegen Zahlung von 1500 Euro an das Opfer vorläufig eingestellt wurde, stößt dem Rechtsanwalt ebenfalls sauer auf. "Bei einer derart schweren Verletzung läuft es beim Normalbürger immer auf einen Strafbefehl hinaus", so Graue. Die Staatsanwaltschaft verweist auf die Außergewöhnlichkeit des Falles. Ein Polizeibeamter, der beim Anfahren zu einem Einsatz einen Mann hinter einer Traube von Luftballons übersieht, ihn im Schritttempo anfährt und derart schwer verletzt - das habe es in dieser Form noch nie gegeben.

Ludwig Simeth/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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