Patientenverfügung ist keine Verzichtserklärung

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Reinhilde Spies, Sprecherin des Klinischen Ethikkomitees des Klinikums, begrüßte die rund 80 Teilnehmer.

Rosenheim - Reinhilde Spies, Sprecherin des Klinischen Ethikkomitees des Klinikums begrüßte rund 80 Teilnehmer, die sich über das Thema "Patientenverfügung“ aus rechtlicher wie medizinischer Sicht informierten.

Dr. Robert Jofer, Rechtsanwalt in München, berichtete über die Entwicklungs- und Entstehungsgeschichte der „Patientenverfügung“ und erläuterte die juristische Sicht dieses Begriffs. „Wichtig ist, dass eine Patientenverfügung schriftlich abzufassen ist, es aber keinen Formularzwang und kein „Verfallsdatum“ gibt. Hilfreich sind aber auf jeden Fall Vorlagen. Die Patientenverfügung vom Bayerischen Staatsministerium der Justiz und für Verbraucherschutz ist in den Augen von Dr. Jofer eine der Besten.

Um sich eine Vorstellung des Begriffs „Sterbehilfe“ zu machen, folgte eine juristische Abgrenzung der verschiedenen Begrifflichkeiten, wie „aktive oder passive Sterbehilfe“ und „Sterbebegleitung“. Anhand von ausgewählten Fallbeispielen klärten sich bei den Zuhörern viele Fragen wie: Ist eine Patientenverfügung verbindlich oder nicht? Wie ist eine Patientenverfügung auszulegen? Was ist zu tun, wenn es zweifelhaft ist, ob der Patient klar bei Sinnen war, als die Verfügung angefertigt wurde? Ganz eindeutig zeigte sich im Verlauf des Vortrages, dass an das medizinische Personal in einer Klinik ganz besonders hohe Anforderungen auf dem Gebiet dieser äußerst sensiblen Thematik gestellt werden.

Im zweiten Referat legte die Palliativmedizinerin Dr. Susanne Vogel die medizinische Sicht mit Beispielen aus der täglichen Praxis dar. Hat der Patient keine Patientenverfügung und kann sich selbst nicht mehr äußern, so muss der mutmaßliche Patientenwille ermittelt werden, auch kontrovers zu möglichen medizinischen Indikationen. Zur Orientierung dienen dazu schriftliche wie aber auch frühere mündliche Äußerungen des Betroffenen.

Sinnvoll und auf keinem Fall zu unterschätzen ist, wie wichtig das gemeinsame Gespräch zwischen allen Beteiligten wie Angehörige, Mediziner, Pflegepersonal und Seelsorger ist. Offene Fragen, die sich vor allem bei todkranken Menschen ergeben, sollten klar dargelegt werden, um dann eine gemeinsame Entscheidung zu treffen und zu tragen. Das ist keine leichte Angelegenheit, aber letztlich notwendig.

Nur rund 15 % der Bevölkerung in Deutschland hat eine Patientenverfügung. Oft wird dieses Thema hinausgeschoben mit Begründungen wie „mir passiert schon nichts“, „das hat noch Zeit“. Es kann aber jeden treffen; ein Unfall, eine schwere Erkrankung, all das kann von heute auf morgen geschehen. Wichtig ist aber auch zu wissen, dass die Patientenverfügung keine Verzichtserklärung ist! Hier herrscht immer noch eine gewisse Verunsicherung vor. Mit Hilfe dieser Verfügung kann der Betroffene im Vorfeld seinen Willen äußern, zu einem Zeitpunkt in dem er sich selbst genau überlegen kann welche Behandlungsmethoden angewandt werden sollen und welche lieber nicht. Überdies ist es sehr sinnvoll eine angefertigte Patientenverfügung immer wieder einmal seinen aktuellen Lebensumständen anzupassen, denn ein vor Jahren geäußerter Wille kann sich im Laufe der Zeit stark verändern.

Kaum vorstellbar ist die emotionale Belastung von Angehörigen wie auch der Mediziner selbst, wenn es um Entscheidungen geht, die nicht folgenlos für ein Leben bleiben. Mit dem neuen Urteil des Bundesgerichtshofes, das im Juni gefällt wurde, ist der Wille des Patienten gestärkt worden und kann somit in der Folge die Angehörigen und Mediziner künftig entlasten - emotional wie rechtlich.

Nicht außer Acht sollte gelassen werden, in welchem starken Konflikt die Mediziner stehen. Auf der einen Seite haben sie sich alle mit dem Studium der Humanmedizin „für das Leben“ entschieden und auf der anderen Seite ist das Leben eben nun einmal nicht unendlich. Dazwischen liegt ein großes Feld des Zweifels und der Ängste nichts falsch machen zu wollen.

Die Notwendigkeit solcher Fortbildungen offenbarte sich im Laufe des Abends sehr deutlich. Bei vielen Mitarbeitern herrschte im Vorfeld eine tiefe Verunsicherung wie bindend die Angaben einer Patientenverfügung sind und welche rechtlichen Folgen es geben kann. Letztlich konnten jedoch viele Fragen beantwortet werden und die Zuhörer erlebten eine bereichernde Informationsveranstaltung.

Pressemeldung RoMed Kliniken

Quelle: rosenheim24.de

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