Betrügerfirma mit amtlichen Anschein

Rosenheim - In diesen Tagen bekommen Geschäftsleute, Handwerker und Freiberufler Schreiben von der dubiosen "Gewerbe-Auskunftszentrale".

Von wegen stade Zeit: In Büros und Handwerksbetrieben geht es in den letzten Tagen des Jahres meist besonders hektisch zu. Fristen müssen eingehalten, Abschlüsse gemacht werden. Wer im Vorweihnachtsstress das Schreiben einer "Gewerbeauskunfts-Zentrale" auf amtsgrauem Recycling-Papier nur flüchtig liest und schnell zurückfaxt, um wie gewünscht die Korrektheit seiner Adressdaten zu bestätigen, hat einen teuren Fehler begangen.

Die Schreiben gehen an Geschäftsleute, Freiberufler, Handwerker und Vereinsvorsitzende. Auch eine Wirtschaftsprüferin aus Wasserburg hat Post von der "Gewerbe-Auskunftszentrale" erhalten. Und sie ist nicht die einzige in der Region: "Bei mir haben sich massenhaft Mandanten gemeldet, die wissen wollen, was es damit auf sich hat."

Hinter den Briefen steckt keine öffentliche Stelle, sondern eine private Firma, die GEW-Wirtschaftsinformations GmbH mit Sitz in Düsseldorf. Doch sie tut viel, um möglichst amtlich zu wirken: "Erfassung gewerblicher Einträge" steht über dem Schreiben, das sogar ein Strichcode ziert. Absender ist die "Abteilung: Eintragung/Registrierung".

"Ergänzen oder korrigieren Sie bitte bei Annahme fehlende oder fehlerhafte Daten": Dann folgen bereits ausgefüllt Firmenbezeichnung, Adresse und Telefonnummer. Die Felder für Branche, E-Mail- und Internet-Adresse müssen noch ausgefüllt werden. Am Ende heißt es: "Daten bei Annahme des Angebots nochmals auf ihre Richtigkeit kontrollieren. Bitte mit Unterschrift bestätigen." Anschließend soll das Formular an eine gebührenfreie Nummer gefaxt werden.

Das kleingedruckte Wort "Angebot" unter dem Datum sollte den Adressaten stutzig machen. Denn wer die angegebenen Daten per Unterschrift bestätigt, hat, wie im kleingedruckten Text daneben vermerkt ist, hat einen Vertrag abgeschlossen, obwohl nirgends die Worte "Vertrag", "Kosten" oder "Preis" zu lesen sind. Als "Marketingbeitrag" sind 569,06 Euro fällig - pro Jahr. Der Vertrag gilt für zwei Jahre und verlängert sich automatisch um weitere zwölf Monate, wenn er nicht drei Monate vor Ablauf fristgerecht gekündigt wird. Zwar erhält man für sein Geld tatsächlich einen Eintrag in das Online-Branchenbuch, doch das ist nur wenig bekannt, der Nutzen fraglich.

In Franken fiel sogar ein Kindergarten auf die Masche herein. Dort hatte laut Medienberichten eine ehrenamtliche Mitarbeiterin das Formular vorschnell ausgefüllt und zurückgefaxt. Daraufhin trafen prompt Zahlungsaufforderungen und Mahnungen ein.

Mittlerweile warnen Handwerkskammern oder auch der Bund der Selbstständigen in Bayern (BDS) ihre Mitglieder vor den Umtrieben. Sie raten, auch Angestellte über die dubiosen Anbieter zu informieren. Doch was tun, wenn das Schreiben bereits zurückgefaxt wurde? Laut den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der GWE-Wirtschaftsinformations GmbH kann der Auftrag innerhalb von zwei Wochen schriftlich per Einschreiben widerrufen werden. Hat man bereits bezahlt, wird es schwierig. Im Zweifelsfall sollte man sich um anwaltlichen Rat bemühen.

Der Deutsche Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität hat gegen die GWE-Wirtschaftsinformationsgesellschaft beim Landgericht Düsseldorf Klage wegen Irreführung und mangelnder Preistransparenz eingereicht. Im April 2011 hat das Landgericht der Klage stattgegeben. Das Urteil ist allerdings nicht rechtskräftig geworden, weil die GWE Berufung eingelegt hat. Die Berufungsverhandlung findet voraussichtlich im Februar 2012 statt.

Klaus Kuhn/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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