Bürger vermissen Dialog mit der RAG

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Bad Endorf - Über 200 Bürger kamen in den Endorfer Pfarrsaal, um bei einem Infoabend gemeinsam über die geplanten Erdgasbohrungen zu diskutieren.

Begrüßt wurden die Zuschauer von Toni Forster, Sprecher der Bad Endorfer Landjugend, die zu dieser Veranstaltung geladen hatten. Das Unternehmen, das die Bohrungen durchführen soll, die Rohöl-Aufsuchungs Aktiengesellschaft Austria (RAG), hattt den Termin zuvor abgesagt.

Über den allgemeinen Ablauf und die möglichen Risiken einer solchen Bohrung informierte Gerhard Kolbeck von der Bürgerinitiative Breitbrunn. Er zeigte sich besonders von der RAG enttäuscht, da die Initiative Antworten auf aufkommende Fragen nur über das Internet erhalten hätte. So finde kein Dialog statt, bei dem die Bürger aufgeklärt würden. Dass die Europäische Union die Hemhofer-Eggstätter-Seenplatte zur Natura 2000 ausgezeichnet hat, um den Verlust von biologischer Vielfalt zu stoppen, nannte Kolbeck als Grund, keine Bohrungen durchzuführen. Vielmehr müsse Wasser, als wichtigstes Gut, geschützt werden.

Mary Fischer, Gründerin der Bürgerinitiative „Chiemgauer Seenplatte – Gegen Erdgasbohrung“, blickte zunächst auf die vergangenen Aktionen zurück. So wurden schon über 7000 Unterschriften gegen die Bohrung gesammelt. In Zukunft möchte man die Bürger mit Infoständen in weiteren Gemeinden über die Problematik aufklären. Fischer findet es zudem wichtig, Politiker aller Parteien in die Geschehnisse einzubinden und zu informieren. Mit dem Appell „Kämpfen wir für unsere Landschaft, unser Wasser, die Nachhaltigkeit und den Erhalt für unsere Kinder“ beendete sie ihre Rede.

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Als nächstes betrat Gudrun Unverdorben, Bürgermeisterin von Bad Endorf, das Rednerpult. Sie startete ihren Vortrag mit einem kleinen Rückblick und verwies darauf, dass die Gemeinde schon bei dem Bohrantrag in Breitbrunn nicht begeistert war. Weiter stellte Unverdorben klar, dass sich der Langbürgner See im Trinkwasserschutzgebiet befinde. Die Brunnen 1 und 2 am Thalhammer See seien darüber hinaus in unmittelbarer Nähe zu den geplanten Bohrplätzen. Bei Bekanntgabe der alternativen Bohrstelle in Mauerkirchen wurden mehrere Briefe an diverse Ämter verfasst. Die Bürgermeisterin fordere ein unabhängiges Gutachten für die Vorhaben. Sollten auch nur kleinste Zweifel bestehen, dürfe nicht gebohrt werden.

Maria Noichl, Mitglied im bayerischen Landtag für die SPD, ließ über einen Vertreter eine Meldung verlesen. Demnach sei Naturschutz über alle Parteigrenzen wichtig. In einem Bürgerdialog müssen sich RAG und Politiker den Fragen und Ängsten der Menschen stellen. Daraufhin meldete sich Gudrun Unverdorben ein weiteres Mal zu Wort: Sie hätte das Unternehmen bereits angeschrieben, eine Antwort aber nur über die Website erhalten. Der längst überfällige und vor allem versprochene Bürgerdialog solle nun endlich stattfinden.

In der darauffolgenden Diskussion hatten die Besucher eine einstimmige Meinung. So hätten alle Bürger ein gewisses Maß an Verantwortung. Ebenso wurde auch die endgültige Aufklärung durch die RAG gefordert. Ein Bürger hat die 7000 Unterschriften noch einmal explizit hervorgehoben: Wenn so viele gegen dieses Vorhaben seien, dürfe die Bohrung einfach nicht stattfinden. „Wehret den Anfängen, nicht mal ein bisschen darf gebohrt werden! Die Botschaft muss bleiben: Der Bürger will das hier nicht!“, so sein Appell.

Als letzter Redner war Bernhard Fricke von der Initiative „David gegen Goliath e.V.“ an der Reihe. Letzte Woche hatte der Rechtsanwalt, zusammen mit einem Kollegen, Akteneinsicht in den ersten Bohrantrag bekommen. Er habe eindeutige Verfahrensfehler seitens des Bergamtes festestellen müssen. Weiter soll die RAG bei dem Antrag bewusst getäuscht haben. Aus diesen Gründen hat Fricke einen Befangenheitsantrag gegen das Bergamt gestellt. Darüber hinaus wurde Strafanzeige gegen das Unternehmen erstattet. Die Staatsanwaltschaften Rosenheim und Traunstein wurden über diese Angelegenheiten bereits informiert. Das Vertrauen in das Amt gehe so weiter verloren, so Bernhard Fricke.

Aus dem Archiv: Bilder von der Protestbewegung

Demonstration gegen Erdgasbohrungen am Langbürgner See

Gasbohrung: Bad Endorfer gehen erneut auf die Straße

Abschließend bedankte sich Toni Forster für das Kommen und das Engagement der Bürger. Die Endorfer Landjugend werde Politiker und Vertreter der RAG erneut zu einer solchen Diskussionsrunde einladen. Pfarrer Stefan Bauhofer lobte am Ende noch die Jugendlichen, die den Abend ganz alleine organisiert hatten. Er rief abschließend die Versammelten dazu auf, sich mehr um das Thema Energiesparen Gedanken zu machen.

Pressemitteilung BI Chiemgauer Seenplatte – Gegen Gasbohren/redro24

Quelle: rosenheim24.de

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