Bürger machen Front

+
Der Langbürgner See: Hier möchte die RAG nach Erdgas suchen. Unter der Insel im See werden rund 300 Millionen Kubikmeter Erdgas vermutet. Nun soll von einem neuen Standort in Bad Endorf-Mauerkirchen gebohrt werden.

Bad Endorf/Breitbrunn - Gegen Erdgasbohrungen am Langbürgner See regt sich seit Monaten Widerstand. Jetzt ist ein alternativer Standort im Gespräch: Bad Endorf.

Lesen Sie auch:

Idyllisch liegt er da, der Langbürgner See. Mitten drin liegt eine längliche, unbewohnte Insel: Für Schwimmer ein begehrtes Ziel. Bis vor drei Jahren seismische Messungen ergaben, dass offensichtlich genau unter dieser Insel eine Lagerstätte für Erdgas ist. Dieses Vorkommen will die RAG AG Österreich ausbeuten. Von rund 300 Millionen Kubikmetern Gas ist die Rede. Wie berichtet, liefen dagegen seit Beginn des Jahres viele Anwohner Sturm. Die "Initiative Breitbrunn" entstand. Nicht zuletzt wegen des lautstarken Widerstands aus der Bevölkerung machte sich die RAG AG auf die Suche nach einem Alternativstandort und wurde nun möglicherweise fündig: In der Marktgemeinde Bad Endorf.

Die Bürgerinitiative Breitbrunn kämpft gegen die Bohrung.

Der neue Standort liegt ziemlich genau gegenüber dem alten und rund 500 Meter vom See entfernt, wie die Familie des Grundstücksbesitzers, auf das die RAG AG offensichtlich ein Auge geworfen hat, den OVB-Heimatzeitungen auf Anfrage bestätigte. Es seien Gespräche mit dem Unternehmen geführt worden, allerdings auch mit den Nachbarn, so die Ehefrau des Grundstücksbesitzers. Die Familie will wegen möglicher Repressalien für sich und die Kinder nicht genannt werden. Noch sei allerdings "nichts passiert". Das Ehepaar will sich in aller Ruhe die Sache durch den Kopf gehen lassen und das Für und Wider abwägen: Die mögliche Gefahr bei einer Bohrung für Trink- und Grundwasser sei sehr ernst zu nehmen, betonte die Ehefrau.

Überrascht zeigte sie sich, dass Endorfs Bürgermeisterin Gudrun Unverdorben angeblich behauptet habe, dass laut RAG das Bohrunternehmen "ein Grundstück in Bad Endorf angepachtet hätte". Das sei definitiv nicht richtig.

Doch dass die Gespräche möglicherweise bereits wesentlich weiter gediehen sind, fürchtet die Initiative "Gegen Gasbohrungen unter dem Langbürgner See", kurz "Bürgerinitiative (BI) Breitbrunn". Am Mittwoch finde - was auch der Pressesprecher des Landrats bestätigte - ein Gespräch mit Vertretern der RAG AG, Landrat Josef Neiderhell und Bürgermeisterin Gudrun Unverdorben statt.

Gegenüber den OVB-Heimatzeitungen erklärte BI-Sprecher Gerhard Kolbeck, dass die Initiative keinesfalls damit einverstanden sei, wenn nun statt Breitbrunn als Alternativstandort Bad Endorf-Mauerkirchen ins Spiel gebracht werde. Der Initiative gehe es nicht um eine "andere Lokation, sondern darum, dass die Hände vom Langbürgner See wegbleiben."

Auch in Bad Endorf regt sich erster Widerstand über alle Parteigrenzen hinweg, wie CSU-Gemeinderat Wolfgang Kirner den OVB-Heimatzeitungen bestätigte. Einige Endorfer spielten mit dem Gedanken, das ins Auge gefasste Grundstück mit Spendenmitteln selbst zu pachten oder zu kaufen. "Dann ist das Problem schnell vom Tisch."

Bürgermeisterin Unverdorben war für eine Stellungnahme gestern aktuell nicht zu erreichen.

Wie bereits am umstrittenen Bohrstandort Breitbrunn diskutiert, gelte auch für den möglicherweise neuen Standort in Endorf laut Maria-Theresia Huber-Arpe, Rechtsanwältin und Mitglied der BI Breitbrunn: Sind sich Grundstücksbesitzer und RAG AG einig über Pacht- oder Kaufpreis, dann müsse nur noch das Bergamt Südbayern zustimmen. Das Bohrunternehmen lege einen "Betriebsplan" vor, der den Trägern öffentlicher Belange zur Einsicht ausgelegt werde. Die Genehmigung könne dann nur noch abgelehnt werden, wenn es fachliche Gründe aus dem Bergrecht, dem Naturschutz oder dem Wasserrecht gebe. Anschließend stehe einer Bohrung nichts mehr im Wege, erklärte sie gestern auf Anfrage.

Im Durchschnitt - so die Anwältin - verlaufe nur jede achte Bohrung erfolgreich, doch wenn "wasserführende Schichten durch die Bohrung am Langbürgner See durchstoßen sind, macht es keinen Unterschied, ob die Bohrung erfolgreich war oder nicht". Der Schaden wäre unermesslich. Rund 28000 Menschen rund um den See seien dann betroffen, erklärte die Anwältin. Selbst Erdbohrungen für Geothermie dürften in diesem Gebiet rund um den See nur bis 40 Meter Tiefe durchgeführt werden. Die Erdgas-Bohrungen aber reichten bis in eine Tiefe von 1500 Meter, gibt Huber-Arpe zu bedenken.

Sollte aber doch gebohrt werden, so fließe mit dem Wasser auch Schlamm und Bohrwasser von Mauerkirchen durch die Antworter Ache in den Simssee. "Seit Jahren kämpfen die Anliegergemeinden um einen sauberen Simssee, und dann das", schimpft sie.

Sigrid Knothe (Oberbayerisches Volksbatt)

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser