Erinnerung an Loretoallee

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Situationsplan 1890 der "Loreto-Silberpappel-Allee zu Rosenheim, 1825 bis 1935". Deutlich ist rechts neben der Loreto-Allee die Kaiserstraße zu erkennen, die dann oben zur Loretokapelle hin abbiegt. In der Bildmitte verläuft schräg die Sebastiani-Allee zum Kloster; links der städtische Friedhof. Ihr entspricht der Verlauf der Hauptgasse des heutigen Herbstfestes.

Rosenheim - Die Loretowiese ist ein öffentlicher Platz im Eigentum der Kommune und wird als Ort für kulturelle Veranstaltungen wie unter anderem das Herbstfest genutzt.

Die Loretowiese ist ein öffentlicher Platz im Eigentum der Kommune und wird als Ort für kulturelle Veranstaltungen wie das Herbstfest, Konzerte, Flohmärkte, Zirkusveranstaltungen, für sportliche Ereignisse, wie Autorennen, Rosenheimer Stadtlauf und wirtschaftliche Veranstaltungen, wie die Neue Messe, sowie als zentraler Parkplatz genutzt.

Wer sich auf dem heutigen Platz mit Teerstraßenbelag, Pflastersteinen und Rieselsteinbelag befindet, kann sich kaum mehr vorstellen, dass dieser Platz einmal von einer großen Silberpappel-Allee ausgefüllt war. Die Loreto-Allee war etwa 200 Meter lang und 4,5 Meter breit. Im Frühjahr 1825 gaben der damalige Bürgermeister Michael Ruedorffer und der Magistratsrat Georg Rieder die Pflanzung einer Pappelallee im Norden der Stadt in Auftrag.

Ein Foto von 1928, wohl unweit des heutigen "Wiesntors" aufgenommen, zeigt links die Sebastiani-Allee zum Kloster und rechts die Loreto-Allee.

Vorläufer dieser Allee war eine seit dem 17. Jahrhundert existierende Weidenallee, welche die Loretokapelle mit der Stadt verband. Die 1825 neugepflanzte Allee sollte mit drei Teilstücken die etwa dreieckige Loretowiese umschließen. Im Jahr 1890 veröffentlichte der Rosenheimer Lehrer Franz Joseph Berthold das Buch "Die Loreto- und Sebastiani-Allee" und rühmte die Loretoallee als "Deutschlands schönste Pappelallee". Berthold, aus Schwindegg stammend, wurde mit Regierungsbeschluss vom 8. August 1885 auf die neuerrichtete Lehrstelle an der Knabenschule Rosenheim berufen. Er war ordentliches Mitglied der Deutschen Botanischen Gesellschaft zu Berlin und erteilte wöchentlich zwei Stunden Unterricht in der Obstbaumzucht und hatte auch die Aufsicht über den städtischen Schulgarten inne.

In seiner historischen und botanischen Abhandlung über "Die Loreto- und Sebastiani-Allee zu Rosenheim, Deutschlands schönste Pappellallee", veröffentlicht in den "Illustrierten Monatshefte für die Gesamt-Interessen des Gartenbaus" schreibt er unter anderem:

"Die Stadt Rosenheim ist ein Eisenbahnknotenpunkt Süddeutschlands. Die geflügelten Dampfwagen eilen auf fünffachem Schienenstrange alljährlich mehr tausendmal an Rosenheims Mauern vorüber, aber all die Reisenden, die sie vorbeiführen, um an den Naturschönheiten der Bergeswelt Herz und Sinn zu laben, sie wissen nicht, daß auch diese Stadt einen Juwel in sich schließt und dieser Juwel ist die herrliche Pappelallee von St. Loreto und S. Sebastian, von der autoritative Kenner rühmen, sie sei die schönste ihrer Art im deutschen Vaterlande."

Im Jahr 1887 kaufte der Stadtmagistrat angrenzende Grundstücke auf, um die Alleen davor zu schützen, "baulichen oder anderen Zwecken weichen zu müssen". 1937 wurden die inzwischen schadhaften Bäume, die ein öffentliches Sicherheitsrisiko darstellten, aus Rücksicht auf die Sicherheit der Bevölkerung von Soldaten des Rosenheimer Pionierbataillon 7 gefällt. Ein kleiner Eindruck von der einstigen Allee bildet heute nur noch der Fußweg an der Kaiserstraße gegenüber den Polizeidienststellen bis vor zur Loretokapelle, der an beiden Wegseiten noch 18 Alleebäume aufweist.

stb/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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