Büroeröffnung am Mittwoch

RAG in Ampfing: Wie soll da Erdöl rauskommen?

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Ernst Burgschwaiger leitet das Projekt in Ampfing. Hier hält er gerade ein Stück Sandstein in der Hand. Im Ampfinger Sandstein 2000 Meter unter der Erdoberfläche befindet sich Erdöl. Sobald der Sandstein angebohrt wurde, sprudelt das Öl aufgrund des vorherrschenden Überdrucks an die Oberfläche.
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Ampfing - Bei der Eröffnung des Informationsbüros haben Vertreter der RAG das Erdöl-Projekt in Ampfing erläutert. Warum Fracking definitiv nie ein Thema sein wird:

Es ist schade, dass das Wort "kategorisch" ein absoluter Begriff ist, der nicht gesteigert werden kann. Im Falle der Äußerungen von Vertretern des österreichischen Unternehmens RAG hätte der Superlativ des Wortes "kategorisch" bestens gepasst - so eindeutig war das Statement der RAG in Sachen Fracking. Den Stein ins Rollen gebracht hatte ÖDP-Kreisrat Reinhard Retzer, der in einer Stellungnahme mutmaßte, in Ampfing könnte gefrackt werden, sobald das Freihandelsabkommen TTIP Konzernen den Spielraum dazu gibt. Zuvor hatte die RAG in einer Stellungnahme Fracking in Ampfing eigentlich schon "kategorisch" ausgeschlossen. Bei der Eröffnung des Informationsbüros der RAG wurden die Vertreter des Unternehmens noch deutlicher: "Es ist nicht nur so vereinbart (dass nicht gefrackt wird, Anm. d. Red.), es macht auch keinen Sinn", sagte Ernst Burgschwaiger, Leiter des Ampfinger Projekts. "Wir schließen das kategorisch aus, weil es einfach keinen Sinn macht."

Wimmer: "Retzer weiß, was er noch nicht weiß"

Ampfings Bürgermeister Ottmar Wimmer überreichte Burgschwaiger das Gemeindewappen (zum Vergrößern Bild anklicken)

In Ampfing soll das Erdöl - vermutet wird ein Vorkommen von zirka 560.000 Tonnen - auf konventionellem Weg gefördert werden. In 1900 bis 2000 Metern Tiefe verbirgt sich das "schwarze Gold". Dort unten hat einige Meter dicker Sandstein das Öl wie ein Schwamm aufgesaugt. Bohrt man den Sandstein an, sorgt der Überdruck im Gestein dafür, dass das Erdöl quasi von selbst an die Oberfläche kommt. Genau das ist das Merkmal einer konventionellen Förderung. Beim Fracking wird das Gestein hingegen mithilfe eines Gemischs aus Sand, Wasser und Chemikalien aufgebrochen. Eine Methode, die beim Ampfinger Sandstein nichts bringen würde.

Ampfings Bürgermeister Ottmar Wimmer ist sauer aufgestoßen, dass Retzer Fracking mit seiner Stellungnahme wieder zum Thema gemacht hat. "Er weiß schon, was er noch nicht weiß", spottete Wimmer. "Ich bin traurig, wenn man solche Sachen in den Raum stellt."

Erkundungsbohrung ab Mitte 2015

Zum Vorhaben der RAG äußerte sich Wimmer positiv. Der Bürgermeister verwies dabei auch auf die lange Tradition der Erdölförderung in Ampfing. Mehr als dreißig Jahre lang war in der Gemeinde Erdöl gefördert worden, seit 1987 war es mit der damaligen Technik aber nicht mehr möglich. Früher wurde die Erde vertikal angebohrt, heutzutage sind horizontale Bohrungen möglich, weshalb man das Gestein viel großflächiger durchdringen kann. Auch die sogenannte 3D-Seismik hat die Fördermöglichkeiten deutlich verbessert. Bei diesem Verfahren wird der Aufbau des Untergrundes dreidimensional dargestellt. So weiß man genau, wo man bohren muss.

Aus Sandstein (im Hintergrund) gewinnt die RAG Rohöl (zum Vergrößern Bild anklicken)

So weit ist man in Ampfing aber noch nicht. Aktuell arbeitet die RAG an der Planung der Erkundungsbohrung, außerdem muss das Unternehmen das Projekt beim Bergamt zur Genehmigung einreichen. Mit der Erkundungsbohrung soll es Projektleiter Burgschwaiger zufolge "in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres" soweit sein. Die Bohrung selbst dauert vier bis sechs Wochen, nur in dieser Zeit steht ein großer Bohrturm auf dem Gelände. Bei der anschließenden Probeförderung werden täglich 50 Kubikmeter Flüssigkeit (Erdöl und Lagerstättenwasser) aus der Erde sprudeln. Die Probeförderung soll der RAG Informationendarüber geben, wie viel Erdöl tatsächlich im Ampfinger Sandstein steckt. Anschließend analysiert das Unternehmen mithilfe der 3D-Seismik den Aufbau des Untergrunds.

Ist eine Förderung überhaupt rentabel?

Manfred Schmidseder betreut das Informationsbüro in Ampfing (zum Vergrößern Bild anklicken)

Ende 2016 soll dann die Entscheidung fallen, ob in Ampfing tatsächlich wieder dauerhaft Erdöl gefördert wird. Im Fokus steht dann die Frage: Lohnt es sich oder nicht? Wie Burgschweiger erklärt, sei der Ölpreis "der wesentlichste Parameter". Der Projektleiter lässt durchblicken, dass eine Förderung beim aktuell prognostizierten Erdölvorkommen und dem gegenwärtigen Ölpreis wirtschaftlich wäre. Verändert sich einer dieser beiden Parameter, müsste die RAG also prüfen, ob sich das Projekt überhaupt lohnt. Abnehmer des Erdöls sollen Unternehmen aus der Region, allen voran die chemische Industrie im Raum Burghausen sein. "Die Betriebe in der Region werden das Erdöl gerne abnehmen", ist Burgschwaiger zuversichtlich. Ein großer Bohrturm wird aber nicht über Jahre in Ampfing stehen. Weil nicht mehr vertikal gebohrt wird, stehen ab 2016 lediglich Container auf dem Gelände.

Gegenüber der Bevölkerung wolle man "Transparenz zeigen". In Ampfing soll deshalb eine Betriebsstätte gegründet werden, das Informationsbüro am Kirchenplatz 4 steht ja bereits. Ab 1. Januar soll das Büro zweimal pro Wochen geöffnet haben, die genauen Öffnungszeiten wird die RAG noch bekanntgeben. Zuständig für die Bürgerinformation ist Manfred Schmidseder. Der Österreicher hat eine technische Ausbildung und arbeitet seit 35 Jahren für die RAG. Schmidseder war unter anderem Brandschutzbeauftragter des Unternehmens und war in den letzten Jahren für die Grundeigentümer- und Gemeindebetreuung zuständig.

Die RAG eröffnet ihr Ampfinger Büro

Quelle: innsalzach24.de

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