Familie erst geschlagen, dann gefesselt

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Pfaffenhofen/Rosenheim - Ein ehemaliger Polizist erhebt schwere Vorwürfe gegen Rosenheimer Beamte: Sie hätten ihn und seine Familie grundlos geschlagen und gefesselt.

Lesen Sie hier den Orginalartikel aus dem Oberbayerischen Volksblatt:

Erst geschlagen, dann gefesselt

Eine Pfaffenhofener Familie kämpft mit den Folgen eines Polizeieinsatzes. Bei diesem soll es nach ihren Angaben zu schweren Übergriffen gekommen sein.

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Die Polizeimeldung vom November 2010

Wer die Polizeimeldung des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd vom 17. November 2010 liest, erfährt von "Rangeleien", und davon, dass Beamte "bei der Durchführung einer Maßnahme behindert" worden seien - weshalb die Polizei wegen des Verdachts des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte ermittle. Doch die vier Hausbewohner, von denen da die Rede ist, erheben nun schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Sie seien bei dem Einsatz ohne Grund misshandelt und verletzt worden. Nun habe die Staatsanwaltschaft Rosenheim gegen sie Anklage wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt erhoben, die Verfahren wegen Körperverletzung im Amt gegen die Beamten dagegen eingestellt.

Was an diesem 15. November 2010 passierte, klingt wie aus einer amerikanischen Räuberpistole - bloß dass es sich nicht im Wilden Westen abspielte, sondern mitten in Oberbayern. In einem Mietshaus mit 14 Wohneinheiten. Dieses Haus gehört Josef E. (66), ein ehemaliger Polizist, und seiner Frau Aloisia E. (62). Das Ehepaar wohnt dort im zweiten Stock. Im Erdgeschoss lebt die Tochter, Sandra B., mit ihrem Ehegatten Toni und ihrem kleinen Kind.

Zwei Polizeibeamte in Zivil sollen hier nach Angaben der Familie am 15. November geklingelt haben. Polizeihauptmeister K. und Polizeiobermeister T. sollen den Auftrag gehabt haben, einen Mann, der im Anwesen von Josef E. gelebt haben soll, zu einer psychiatrischen Untersuchung zu bringen. Es öffnete Sandra B., die Tochter der Hauseigentümer. Einer der Männer habe sie gefragt, ob sie den von ihnen gesuchten Herrn F. kenne. Sie habe dies bejaht, und geantwortet, dass der Mann nicht mehr hier wohne. Daraufhin hätten die Männer in schroffem Ton weitergefragt. Auf ihr Verlangen hätten sich die Zivilbeamten ausgewiesen. Sandra B. habe sie draußen warten lassen wollen, während sie ihre Papiere holte. Daraufhin soll einer der Beamten einen Fuß in die Tür gestellt haben, zugleich seien drei Beamte in Uniform dazugestoßen.

Weil er "aggressive Männerstimmen" gehört habe, sei ihr Gatte Toni dazugekommen. Nach einer verbalen Auseinandersetzung habe ihn einer der Beamten angegriffen, ebenso Sandra B., die Polizeibeamte nach Schlägen niedergerungen und gefesselt haben sollen.

Daraufhin kamen Josef E. und seine Frau dazu. "Sie haben hier nichts verloren", habe ein Beamter Josef E. angeschrien. Dieser habe sich daraufhin als Hauseigentümer zu erkennen gegeben - und sei misshandelt worden. Seine Frau habe das Geschehen fotografiert und sei ebenfalls geschlagen worden. Die von den Beamten gelöschten Fotos habe die Familie E. aber rekonstruieren können.

In einer Pressemitteilung zwei Tage nach dem Vorfall schreibt das Polizeipräsidium Oberbayern-Süd von einem verletzten Polizeibeamten, jedoch nichts von den Verletzungen der Hausbewohner. Nach deren Angaben waren die erheblich: In der Notaufnahme des Klinikums Rosenheim seien unter anderem stumpfe Bauchtraumata, Schürfwunden, Distorsion, sowie Schädelprellung diagnostiziert worden.

Susanne Sasse (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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