Raumfahrer Sigmund Jähn erzählt von seinen Erfahrungen im All

Besuch aus dem All: Der erste deutsche Kosmonaut landet in Raubling

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Dr. Sigmund Jähn, der erste Deutsche, der vor 41 Jahren ins Weltall flog, war in Raubling zu Gast
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Raubling - Er flog vor 41 Jahren als erster Deutscher ins Weltall. Knapp sieben Tage umkreiste er 125 Mal unsere Erde. Der Kosmonaut Dr. Sigmund Jähn sprach am Donnerstagabend im Gymnasium Raubling über sein Leben und seine Erfahrungen im Weltall. 

"Die Wahrscheinichkeit einem Kosmonauten auf der Straße zu begegnen liegt bei 1:11 Millionen", sagt die Jugendbuchautorin Maja Nielsen, die zusammen mit Sigmund Jähn das Sachbuch "Kosmnauten" schrieb, bei der Begrüßung des mittlerweile 85-jährigen Raumfahrers im Gymnasium Raubling. "Deswegen sind wir heute alle hier Glückspilze."

Auch Schulleiter Dr. Armin Stadler fand schöne Begrüßungsworte für den besonderen Gast: "Es ist schon etwas Besonderes, jemand zu treffen, der die Erde schon einmal verlassen hat und zum Glück auch wieder zurück gekommen ist. Sich ins All schießen zu lassen ist etwas das lebensgefährlich ist, aber sich vor 40 Jahren ins All schießen zu lassen ist unvorstellbar. Es erfordert unglaublichen Mut. Die Geschichte Sigmund Jähn ist auch eine Deutsche Geschichte."

Jähn war im Rahmen der Frühjahrsbuchwochen am Raublinger Gymnasium, die dieses Jahr unter dem Motto "Nach den Sternen greifen" stand, gekommen um von seinen Erlebnissen im Weltall zu berichten. Bürgermeister Olaf Kalsperger ließ es sich ebenfalls nicht nehmen, den Raumfahrer persönlich zu begrüßen und Jähn zu bitten sich ins goldene Buch der Gemeinde einzutragen, was der auch prompt machte.

Sieben Tage im All

Sigmund Jähn flog am 26. August 1978 als erster Deutscher zusammen mit Waleri Bykowski als Kommandant der Mission in der sowjetischen Raumkapsel Sojus 31 ins All. Sieben Tage lang haben sich die beiden an Bord der Raumstation Saljut-6 aufgehalten. Vor der Mission lagen eine Ausbildung als Schriftsetzer, eine Kampffliegerausbildug und schließlich die Tätigkeit als Generalmajor der NVA der DDR.

Aus dem Flugzeug katapultiert

Der Flug ins All war nicht Jähns einzige spektakuläre Aktion in seinem Leben. In seiner Zeit als Kampfflieger musste er sich einmal aus seinem Flieger hinauskatapultieren. "Ja das stimmt schon" erzählt er bescheiden auf Nachfrage von Nielsen von diesem Erlebnis. "Ich sah auf den Drehzahlmesser, der nicht sehr günstig stand. Ich habe einen Fall erlebt, da hat sich ein Flugzeugführer nicht katapultiert und hat das mit dem Leben bezahlt. Mir fiel dann eben sofort ein, das ich mich katapultieren muss. So flog ich dann raus und sah das Flugzeug, das ganz komisch aussah so ohne Kabinendach. Dann fiel ich in Richtung Boden. Ich konnte dann aufstehen und war in Ordnung." Nielsen ergänzte noch ob es ihm etwas ausmachen würde zu erwähnen, dass das Flugzeug gebrannt hatte.

Dr. Sigmund Jähn in Raubling gelandet

Drehstuhl und Zentrifuge

Weiter berichtete Jähn von seiner Ausbildung zum Raumfahrer. Er musste viele Tests über sich ergehen lassen, unter anderem auch den Drehstuhl. "Mir wurde nie übel, mich konnten sie drehen so lange sie wollten", lacht der 85-Jährige. Auch den Belastungstestbin der Zentrifuge überstand er unbeschadet. "Da ging es um den Test zur Eignung der Kandidaten für den Weltraumflug. Man wird mit 8 G gedreht, da haste schon das Gefühl, dass dein Magen nicht mehr da ist, wo er hin gehört." 

16 Sonnenaufgänge 

Insgesamt 125 Mal umrundete Jähn bei seinem Aufenthalt auf der Saljut-6 die Erde. Pro Umrundung konnte er 16 Sonnenaufgänge bewundern. Einen bleibenden Eindruck hinterließen bei ihm jedoch die Polarlichter. "Wie grünes Feuer das brennt. Das sind Momente wo man denkt die Welt ist nicht mehr richtig in Ordnung, aber die macht das schon seit Millionen von Jahren."

"Man spürt dass de Menschen nicht reif sind für das Tun was sie verantworten müssen"

Jähn schlug bei seinen Erzählungen aber auch nachdenkliche Töne an. Im Video erklärt er, wie sein Aufenthalt im All ihn verändert hat und wie er die Schwerelosigkeit und das Zusammensein mit seinem Kommandanten erlebt hat. 

"Die haben gute Bunker gebaut, ich glaube nicht, dass es was bringen würde, wenn man die Politiker ins All schießen würde", sagte Jähn auf die Frage, ob er denke dass man jeden Politiker einmal in den Weltraum schicken müsse um zu verstehen wie wertvoll unsere Erde ist.

Fragerunde

Im Anschluss an seine Ausführungen stand Jähn den Schülern und Besuchern noch Rede und Antwort. Am Schönsten habe er an der ganzen Reise gefunden, dass er sie überhaupt erleben durfte. Würde er jetzt noch einmal gerne ins All fliegen, wollte eine Schülerin wissen. "Wenn sie mich fragen würden, würde ich sagen Ja."

Jähns letzter Satz, den er Nielsen auch für ihr Buch mitgab war: "Die wichtigste Aufgabe der Meschen ist die Erde für die zukünftigen Generationen zu behüten und zu bewahren.

Quelle: rosenheim24.de

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