Erste Hilfe in schweren Stunden

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Zur Stelle in den ersten schweren Stunden: Die Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams des BRK.

Mühldorf - Das Kriseninterventionsteam (KIT) des BRK braucht mehr Helfer - und mehr Geld. Sogar Fahrten zu Einsätzen bezahlen die ehrenamtlichen Helfer aus der eigenen Tasche.

Christa Wiesenbauer weiß, wovon sie spricht. Vor vielen Jahren war sie selbst auf die Hilfe des Kriseninterventionsteams angewiesen und dankbar für die Hilfe in den ersten schweren Stunden. "Dabei habe ich gesehen, wie wichtig diese Arbeit ist", sagt sie. "Und dass es sich um ein Ehrenamt handelt, das wirklich Sinn macht."

Genau das wollte sie später auch in ihrer Freizeit machen - etwas, das Sinn macht. Seitdem ist sie eines von sieben Mitgliedern im Kriseninterventionsteam des BRK, das immer dann zur Stelle ist, wenn an einem Unfallort Angehörige betreut oder Todesnachrichten überbracht werden müssen.

Elf Jahre gibt es das KIT-Team bereits, längst wird die Arbeit auch von den Einsatzkräften und der Polizei geschätzt. "Wir mussten uns den Respekt und das Vertrauen auch erst verdienen", sagt KIT-Leiterin Tanja Guggenbichler. "Aber inzwischen funktioniert die Alarmierung und Zusammenarbeit perfekt."

"Es ist eine Aufgabe, die einen erfüllt. Auch wenn man sich das am Anfang nicht vorstellen kann": KIT-Leiterin Tanja Guggenbichler (links) und Christa Wiesenbauer.

Rund 80 Einsätze hat das KIT pro Jahr, mal ist es einer pro Woche, mal drei an einem Tag. "Das macht die Planung dieses Ehrenamts nicht unbedingt leichter", sagt Christa Wiesenbauer. Trotzdem: "Es ist eine Aufgabe, die einen erfüllt. Auch wenn man sich das am Anfang nicht vorstellen kann." Der Umgang mit Leid und Tod sei nun einmal keine Selbstverständlichkeit. "Jeder muss das lernen, das geht nicht von allein."

In rund 200 Stunden werden die KIT-Mitarbeiter im Rahmen von Schulungen und Fortbildungen auf ihre Aufgabe vorbereitet. Dazu gehört unter anderem eine Hospitanz im Rettungsdienst. "Damit wir wissen, wie sich das Geschehen vor Ort aus Sicht der Sanitäter abspielt, die schlicht keine Zeit dafür haben, sich intensiv um die Angehörigen zu kümmern."

Das übernehmen die Mitarbeiter des KIT, die in der Regel immer zu zweit zu einem Einsatz fahren. "Wir sind keine Psychologen", macht Tanja Guggenbichler klar. "Wir sind die Stützen in den ersten schweren Stunden, bis dann in den betroffenen Familien das Netzwerk aus Verwandten und Freunden greift."

Guggenbichler & Co. stehen den Angehörigen zur Seite, tragen dazu bei, dass diese den Schicksalsschlag erst einmal begreifen. Besonders schwierig sei das immer dann, wenn es sich um einen Suizid handelt. "Mindestens 60 Prozent unserer Einsätze fallen in diesen Bereich", erklärt die KIT-Leiterin. Außerdem kümmern sich die KIT-Helfer auch um organisatorische Dinge wie das erste Telefonat mit dem Bestatter oder der Kontakt zur Polizei.

Für die Zukunft wünscht sich das KIT vor allem mehr Geld - und mehr Personal. Das Profil eines möglichen Kandidaten ist dabei weit gefasst: "Unsere Palette reicht vom Heilerzieher bis zum Bankangestellten. Erfahrung im sozialen Bereich ist keine Voraussetzung", betont Guggenbichler. "Feste Persönlichkeiten" ab 30 Jahren seien gefragt, die neben Zeit auch viel Einsatzbereitschaft mitbringen sollten - auch finanziell, denn die Arbeit des KIT steht auf eher schwachen Beinen.

"Eine Aufwandsentschädigung gibt es bei uns nicht. Im Gegenteil: Wir fahren oft mit dem Privatauto zu den Einsätzen und tragen dann auch noch die Fahrtkosten selbst", berichtet Christa Wiesenbauer. Lediglich die Kosten für die Grundausbildung übernimmt das BRK, die Fortbildungen werden auf Spendenbasis finanziert.

Unter anderem sammelt das KIT derzeit Geld für ein neues Einsatzfahrzeug. "Damit wir uns vor Ort mit den Angehörigen in einen geschützten Raum zurückziehen können. Ein einfacher Pkw ist da im Grunde zu wenig", erklärt Tanja Guggenbichler. Auch sonst werde jeder Euro gebraucht: "Von den Einsatzjacken bis zu den Fortbildungen: Das alles kostet. Und es ist eine wirklich gute Sache."

ha/Mühldorfer Anzeiger

Quelle: innsalzach24.de

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