"Ich träume jetzt jede Nacht vom Bodensee"

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64 Kilometer lang ist die Bodenseequerung von Bodman nach Bregenz. Rund 30 Stunden dauert es, die Strecke ohne Pause zu schwimmen. Extremschwimmer Maximilian Melyarki aus Altötting will es versuchen.

Altötting/Bodman - Bald geht es los für Maximilian Melyarki: Der Altöttinger (22) will den Bodensee queren. Ein anderer Extremschwimmer ist 2012 schon zweimal gescheitert. 

Maxi will Bodensee durchschwimmen

Der Start rückt immer näher! Bei Maximilian Melyarki steigt die Anspannung: "Ich träume inzwischen jede Nacht vom Bodensee", sagt er Innsalzach24.de. Die Strecke, die sich Maximilian ausgesucht hat, ist verdammt lang: 64 Kilometer will der 22-Jährige, der in Hof Wirtschaftsrecht studiert und als Rettungssanitäter arbeitet, schwimmen. Von Bodman im Baden-Württemberg nach Bregenz in Vorarlberg. Er will dies ohne Pause und auch ohne einen wärmenden Neoprenanzug tun.

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"Das Problem ist der innere Schweinehund. Weil Aufgeben ist keine Option. Ich glaube, dass jeder Mensch viel mehr kann, als er denkt. Es ist nur die Faulheit, die einen zum Aufgeben bringt. Das ist die Herausforderung", sagte er Innsalzach24.de schon im Juni. Rund zehn Stunden in der Woche hat er damals trainiert. Eine Woche vor dem Start schaltet er weiter zurück, gönnt seinem Körper Ruhe. Heute will er nur zwei Kilometer im See schwimmen, bis Freitag nur noch knapp 20 Kilometer insgesamt.  

Was ihn erwartet, weiß Maximilian schon. 52 Kilometer ist er bereits einmal am Stück geschwommen. Im Becken allerdings. Die meisten körperlichen Reaktionen waren dieselben, wie sie es bald im Bodensee sein werden: Nach drei bis vier Stunden schwimmen, schmerzen die Muskeln, vor allem die Schultern. Nach weiteren zwei bis drei Stunden nimmt er dies jedoch nicht mehr wahr. "Dann bin ich in einer Schwimm-Trance. Ich bin in meiner eigenen Welt, denke an nichts mehr, außer ans Schwimmen."

Wenn er sich ein Startwetter wünschen könnte, würde sich der Altöttinger "wolkig bis bedeckt und windstill" wünschen. Windstill, weil er dann nicht gegen zusätzliche Wellen kämpfen muss. Bedeckt, weil er sonst nach unzähligen Stunden im Wasser einen unfassbaren Sonnenbrand haben wird. Ein Neopren-Anzug würde das verhindern. Aber der 22-Jährige will unbedingt ohne - "die Herausforderung muss sein".  

Maximilian Melyarki will seinen Versuch zwischen dem 20. und dem 25. August 2012 wagen. Begleitet wird er von zwei Booten. In einem sitzt sein Team: "Drei hübsche Mädchen, die sich um mich kümmern und mich motivieren werden." Die Studentinnen müssen ihn zum Beispiel mit Nahrung und Getränken versorgen oder den Schwimmer bei Gefahr auch aus dem Wasser holen. Im anderen Boot sitzen ausgewählte Medienvertreter und Maximilians Vater. "Ich habe geträumt, ich brauche ihn da draußen auf dem See. Jetzt ist er also dabei." 

Finanziert wird das Unternehmen in der Hauptsache von der Sparkasse Hochfranken, die Maximilian mit 2500 Euro fördert. Der Student schwimmt auch für einen guten Zweck. Er unterstützt den Verein "Schutzhöhle", der bei der Aufklärung und Prävention von sexuellem Missbrauch an Kindern hilft. "Ich würde mich freuen, wenn wir noch Spenden für jeden geschwommenen Kilometer bekommen würden", sagt der Schwimmer. Wer sich hier beteiligen will, findet Infos unter: ans-ufer.bodenseequerung.de

Der Bodensee wird von Schwimmern in der Regel auf drei Routen gequert: Von Friedrichshafen in Baden-Württemberg nach Romanshorn in der Schweiz - die Distanz beträgt hier 12 Kilometer. Von Lindau in Bayern nach Bregenz in Vorlarlberg über 38 Kilometer. Die Distanz, die Maximilian Melyarki ausgewählt hat, ist die längste und schwerste. Bis zu 30 Stunden sind Schwimmer hier unterwegs. Allein im 16 bis 18 Grad kalten Wasser. Ohne Team, das den Schwimmer während der Tour mit Nahrung und Getränken versorgt, ist es nicht zu schaffen und lebensgefährlich.

Extremschwimmer Bruno Dobelmann aus Stuttgart

2012 hat sich der Stuttgarter Bruno Dobelmann bereits zweimal an der 64-Kilometer-Querung versucht. Er ist beide Male gescheitert. Den ersten Versuch musste er aus gesundheitlichen Gründen abbrechen, den zweiten nach 20 Kilometern aufgrund schlechter Witterungsbedingungen.

Die 30 Jahre alte Lehrerin Sandra Albrecht gibt am Donnerstag (02.08.2001) im Hafen von Bregenz Autogramme.

Die Bodensee-Querung von Bodman nach Bregenz ist übrigens erst einem Menschen verbrieft gelungen. 2001 schaffte sie die damals 30-jährige Schwimmerin Susanne Albrecht. Für die rund 64 Kilometer lange Strecke benötigte Albrecht mehr als 23 Stunden. Sie hält den Rekord bis heute.

Was passiert, wenn Maximilian Melyarki es nicht schafft? "Dann weiß ich, dass meine Grenze eben bei 20 oder bei 40 Kilometern auf dem See ist. Damit bin ich auch zufrieden, selbst wenn das viele dann nicht verstehen können." Und wenn er es schafft? "Dann beiße ich mich erst mal in den A... Und dann kaufe ich mir zur Belohnung eine Monoflosse. Damit macht das Schwimmen noch mehr Spaß." Maximilian plant eine Zeit von "24 Stunden, plus/minus zwei Stunden".

ck/is24

Quelle: innsalzach24.de

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