Massenansturm

Tamara lädt ein: Über 17.000 Facebook-User sagen zu

So sah am Donnerstagnachmittag die Seite der Veranstaltung aus, die mittlerweile gelöscht ist.

Kaufering/Erding – Wenn das mal kein Fest wird. Mehr als 17.000 Facebook-Zusagen gibt es bereits für den 14. Geburtstag von Tamara (Name geändert) aus Kaufering. Über 150.000 Einladungen stehen noch aus.

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„Nehmt ruhig noch Leute mit und ladet eure Freunde ein. Wer nicht weiß, wo der See ist, den hol’ ich vom Bahnhof ab!“ Tamara (Name geändert) muss schon eine ganze Menge Busse mieten, wenn sie alle Menschen abholen möchte, die sich bei Facebook zu ihrer Geburtstagsfeier angemeldet haben. Innerhalb weniger Stunden klickten gestern über 17 000 Facebook-Nutzer auf „Teilnehmen“, sie alle bekunden damit, zur Veranstaltung der 14-Jährigen am Samstag, 23. Juni, an den Kauferinger Baggersee (Kreis Landsberg am Lech) zu kommen. Insgesamt waren weit über 200 000 Einladungen verschickt worden – im Schneeballsystem. Dann löschte die Polizei die Seite.

Was das Mädchen nicht bedacht hat: Anstatt nur ihre Freunde im sozialen Netzwerk einzuladen, kennzeichnete sie die Sause als öffentliche Veranstaltung. Die Konsequenz: Jeder kann jeden zu diesem Event einladen. Dass Tamara die Feier längst abgesagt hat, interessiert auf Facebook keinen mehr. Die Einladung, sie ist zum Selbstläufer geworden. „Das Dorf wird brennen“, prophezeit ein gewisser „Alex“, ein anderer hat die Privatadresse des Mädchens veröffentlicht. Spontan hat jemand T-Shirts entworfen, „I love Tamara“ prangt mit Herz darauf.

Die Eltern der 14-Jährigen dürften gestern Abend erschrocken sein, als sie von der Arbeit heimkamen – mit ihrer Tochter warteten nämlich zwei Polizisten der Inspektion Landsberg auf sie. Die Beamten waren bereits am Nachmittag auf die Facebook-Party aufmerksam geworden: „Bei uns steht das Telefon nicht still“, sagte der Beamte Peter Kneipp. „Wir bekommen sogar Anrufe aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.“ Zwei Kollegen betreuten Tamara seit Donnerstagnachmittag, die 14-Jährige sei mit den Nerven völlig am Ende. „Das lässt sich nicht mehr bremsen“, sagte Kneipp. Fest steht für die Polizei aber: „Als Scherz kann man so etwas nicht mehr bezeichnen.“

Auch in Erding fürchtet die Polizei die Eskalation einer angekündigten Facebook-Party am Wochenende. Auch dort hat ein 14-jähriger Bub im Internet den falschen Knopf gedrückt, 4000 Leute wollen morgen zu dem kommen, was als Grillfeier zum 15. Geburtstag an einem Erdinger Badesee geplant war. Auch dieser Termin wurde längst gelöscht, der geschockte Jugendliche meldete das Versehen selbst der Polizei. Doch die Netzgemeinde lässt das kalt: „Das ist jetzt unsere Party“, kommentierte einer der Gäste.

Wie die beiden Fälle am Ende ausgehen, wird sich zeigen. Die Polizei wird mit Sicherheit mit von der Party sein.

Armin Forster und Carina Lechner

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