Nach dem Zugunglück von Bad Aibling

Fachanwalt: Das könnte auf den Fahrdienstleiter zukommen

Bad Aibling - Der Fahrdienstleiter hat das schreckliche Zugunglück von Bad Aibling mit elf Toten verursacht. Doch mit welcher Strafe muss er im Falle einer Verurteilung jetzt rechnen?

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"Der Fahrdienstleiter hat sich am Montagnachmittag, 15. Februar, mit seinen Verteidigern einer mehrstündigen Vernehmung gestellt und sich in allen Einzelheiten zu seinem Verhalten im Zusammenhang mit der Zugabwicklung vor dem Unfallgeschehen geäußert", teilen die Verantwortlichen der Staatsanwaltschaft Traunstein mit.

Sein Verhalten sei nicht mit dem für ihn geltenden Regelwerk als Fahrdienstleiter in Einklang zu bringen. Hätte er sich regelgerecht – also pflichtgemäß – verhalten, wäre es nicht zum Zusammenstoß der Züge gekommen. Ein vorsätzliches Fehlverhalten scheidet nach Angaben der Ermittler allerdings aus.

Die Staatsanwaltschaft hat gegen den 39-Jährigen ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung in elf Fällen, der fahrlässigen Körperverletzung in weiteren dutzenden Fällen und des gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr eingeleitet.

Auf Anfrage von mangfall24.de erklärte Dr. jur. Marc Herzog von der Rosenheimer Kanzlei Dr. Herzog Rechtsanwälte, dass das Strafmaß im Falle einer Verurteilung von vielen Fragen abhänge: Wie war das Verhalten des Verdächtigen? War er einsichtig? War er geständig? Wie waren die genauen Hintergründe und Zustände während seiner Arbeit? Wie konnte es zu dem Unglück überhaupt kommen und wie waren die Beweggründe für seine Entscheidungen? 

Die Staatsanwaltschaft werde nach Meinung des Fachanwalts für Straf- und Verkehrsrecht wohl darauf aus sein, in diesem gravierenden Fall eine Freiheitsstrafe zu erwirken. Möglich sind nach Gesetz grundsätzlich bis zu fünf Jahre sowie eine Geldstrafe. Eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren kann zur Bewährung ausgesetzt werden, eine Strafe darüber nicht mehr.

Ähnlicher Fall auf eingleisiger Strecke im Landkreis Schwäbisch Hall

Einen Prozess aufgrund eines Zugunglücks auf einer eingleisigen Bahnstrecke hatte es bei Schrozberg im Landkreis Schwäbisch Hall (Baden-Württemberg) vor gut zehn Jahren gegeben. Sechs Menschen waren dabei ums Leben gekommen, weitere 25 wurden verletzt. Auch hier waren die Fahrdienstleiter schuld an dem Unfall. Nach Angaben der Schwäbischen Post verurteilte das Landgericht in Ellwangen den Schrozberger Fahrdienstleiter wegen fahrlässiger Tötung zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten auf Bewährung. Sein Bahn-Kollege aus Niederstetten wurde mit einer Geldstrafe in Höhe von 4800 Euro belegt.

Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung im Schneizlreuth-Prozess

Das Strafmaß könnte sich in einem ähnlichen Rahmen bewegen wie bei dem Schneizlreuth-Prozess. Hier war ein Event-Manager wegen fahrlässiger Tötung in sechs Fällen in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Pfingsten 2015 kamen in der Nähe von Schneizlreuth in einem alten Pfarrerbauernhof bei einem verheerenden Brand sechs Menschen ums Leben. Der Event-Manager hatte keine Übernachtungsgenehmigung für dieses historische Gebäude.

Quelle: mangfall24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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