Masskrug-Diebstahl kann teuer werden

Rosenheim - Teure Folgen eines Herbstfestbesuches: Ein Bierbrauer wollte einen Masskrug entwenden und wurde von der Polizei geschnappt. Dabei gibt es die Krüge für 6,50 Euro zu kaufen.

Am 2. September des vergangenen Jahres war der gelernte Bierbrauer und Mälzer mit seiner Firma bei einem Wiesnbesuch in der Auerhalle. Kurz vor dem Aufbruch der Gruppe kaufte er sich noch eine Mass, die er halbvoll natürlich nicht stehen lassen wollte. Nicht unerheblich alkoholisiert spazierte er gegen 23.15 Uhr mit seinem „Noagal“ zum Eingangstor an der Kaiserstraße hinaus.

Dort hielten ihn die Beamten der Wiesnwache auf. Sie ermahnten ihn, den Krug zurückzulassen, weil ihm sonst eine Anzeige wegen Diebstahls drohe. Schließlich sei bereits das Entfernen des Kruges aus der Festhalle mit Strafe bedroht. Doch der Ertappte zeigte sich für die Nachsicht der Polizisten nicht wirklich dankbar, im Gegenteil. Anstatt den Krug abzustellen, begann der 32-Jährige ein „Kasperltheater“, wie es einer der Beamten nannte: Er trank provozierend langsam aus dem Krug und versuchte dann zu entwischen.

Als ihm das nicht gelang und er auch auf die zweite Aufforderung, den Krug abzugeben, nicht hören wollte, nahmen ihm die Beamten den Krug aus der Hand und fragten ihn nach seinen Personalien. Die Ordnungshüter glaubten ihm aber den angegebenen Namen nicht. Als bei der anschließenden Durchsuchung der Personalausweis mit dem echten Namen des Mannes zu Tage trat, wurden die Polizisten amtlich und führten den „Spaßvogel“ zum Dienstfahrzeug. Dabei verhielt sich der Angeklagte zunehmend renitent, so dass er schließlich fixiert und mit Handschellen gefesselt werden musste. Dass er dabei die Beamten mit unflätigen Schimpfworten bedachte, machte die Lage nicht gerade einfacher für den Betrunkenen. Im An- schluss verhielt er sich dann wieder friedlich, so dass er nach Hause entlassen werden konnte.

Weil aber der Brauer eine gänzlich andere Erinnerung an diese Nacht hatte, legte er Wochen später gegen den Strafbefehl über 2600 Euro Einspruch ein. Bei der Verhandlung am Amtsgericht nun konnte er den Staatsanwalt mit seinen Einlassungen nicht überzeugen: „Selbst ein betrunkener Bierbrauer sollte wissen, dass es nicht erlaubt ist, Masskrüge beliebig spazieren zu tragen. Dass er das Entgegenkommen der Polizisten, ihn nicht sofort wegen Diebstahls anzuzeigen, sondern zur Abgabe des Kruges aufzufordern, dann mit Lügen und Renitenz beantwortete, zeigt, dass er nachdrücklich darauf hingewiesen werden muss. Zumal er bis heute noch keine Einsicht gezeigt hat.“ Der Staatsanwalt erhöhte den Strafantrag aus dem Strafbescheid auf eine Geldstrafe von 3200 Euro.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Harald von Koskull, erklärte, dass eine Diebstahlsabsicht fraglos nicht vorgelegen habe. Auch habe sein Mandant keinen der Beamten körperlich attackiert. Insoweit beantragte er Freispruch. Einzig die Beleidigungen seien mit einer geringen Geldstrafe zu belegen. Der Vorsitzende Richter, Christian Merkel, belehrte den Angeklagten, dass sich die Polizisten mehr als großzügig gezeigt hätten. Er verurteilte ihn, wie vom Staats- anwalt beantragt, zu einer Geldstrafe von 3200 Euro. „Das war kein erfolgreicher Wiesn-Besuch für Sie. Aber daran hat, außer Ihnen au selbst, keiner Schuld.“

au/Oberbayerisches Volksblatt

DREI FRAGEN AN: Ferdinand Steinacher, Geschäftsführer der Auerbrauerei

Masskrug-Diebstahl kann teuer werden. Gibt es auf dem Herbstfest Masskrüge auch regulär zu kaufen?

Ja, für 6,50 Euro. Der Krug wird dann mit einem Band gekennzeichnet und es gibt eine Quittung dazu, die im Fall des Falles vorgezeigt werden kann.

Und ist die Nachfrage groß?

Sehr gering. Das Mitgehen-Lassen ist wohl der eigentliche Reiz.

Wieviele Masskrüge werden pro Herbstfest gestohlen?

Das lässt sich nicht so genau sagen. Wir stellen am Anfang der Wiesn rund 17.000 Maßkrüge bereit, von denen viele zu Bruch gehen. Beim kräftigen Anstoßen kann schon mal eine Ecke abspringen. Wir wechseln ständig beschädigte Masskrüge aus. Zum Schluss fehlen meist etwa 6000. Das ist der ganz normale Schwund.

Interview: re/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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