Steuern auf Geselligkeit

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Fanfarenbläser der Veitsgroma-Zunft Traunstein begrüßten Finanzminister Georg Fahrenschon (Zweiter von rechts) und Rosenheims Finanzamtsleiter Michael Alt (links) im Kultur- und Kongresszentrum. Dort spielten den 1000 Vereinsvertretern auch die "Steuersaiten" auf, musikalische Beamte des Finanzamtes Rosenheim.

Rosenheim/Landkreis - Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon kam mit Rosenheims Finanzamtsleiter Michael Alt ins Kultur- und Kongresszentrum Rosenheim, um Vereine im Steuerrecht zu beraten.

Das deutsche Steuerrecht ist hochkompliziert. Auch die Vorstände von gemeinnützigen Vereinen können ein Lied davon singen. Ihre Klagen fanden jetzt Gehör: Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon kam mit zwei Experten aus seinem Ministerium und mit Rosenheims Finanzamtsleiter Michael Alt ins Kultur- und Kongresszentrum Rosenheim, um Licht in das Dickicht der Auflagen zu bringen. Nach drei Stunden darf festgestellt werden: Mission weitestgehend gelungen.

Finanzbeamte stehen im Ruf, besonders trockene Paragrafenreiter zu sein. Der bayerische Finanzminister, sein Referatsleiter Christian Wunderlich und dessen Kollege Eckehardt Schmidt bewiesen jedoch das Gegenteil: Mit gut verständlichen Vorträgen, gespickt mit realistischen Fällen aus dem Vereinssteuerwesen, zeigten sie, dass sie wissen, welche Fragen den Schatzmeistern und Kassierern unter den Nägeln brennen.

Wie groß der Informationsbedarf ist, bewies auch die Resonanz auf die Einladung: 2000 gemeinnützige Vereine gibt es nach Informationen von Alt im Finanzamtsbezirk Rosenheim, 1000 Vertreter - in erster Linie Vorstände und Kassenverwalter - waren gekommen. Auch Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer, Landrat Josef Neiderhell, die Landtagsabgeordneten Klaus Stöttner und Annemarie Biechl (CSU) und Bezirksrat Sebastian Friesinger (CSU) nutzten die Chance auf intensive Einblicke in den anstrengenden kaufmännischen Alltag der Vereine, die im europäischen Jahr des Ehrenamtes im Mittelpunkt stehen. Ihre gesellschaftliche Bedeutung unterstrich Bauer auch in ihrem Grußwort. Der Minister sprach - auch angesichts der aktuellen Unwettereinsätze von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Wasser- und Bergwacht - von einem "bürgerschaftlichen Engagement, das Sinn macht und Sinn gibt".

Fahrenschon warb angesichts immer wieder auftretender Beschwerden über das komplexe Vereinssteuersystem um Verständnis. Obwohl durchaus Verbesserungsbedarf - vor allem vor dem Hintergrund der bayerischen Besonderheiten - bestehe, hätten sich grundsätzlich die rechtlichen Rahmen für Vereine verbessert - vom Gesetz zur Begrenzung der Haftung bis zur Reform im Jahr 2007, bei der die steuerlichen Freiräume weiterentwickelt worden seien. Diese zu Recht allen ehrenamtlich engagierten Bürgern zugestandenen Privilegien gelte es jedoch auch vor Missbrauch zu schützen, sodass Finanz- und Steuerbehörden eine Schiedsrichterfunktion zukomme.

Die Fachvorträge aus dem Ministerium zeigten die steuerlichen Vorteile, aber auch Stolperfallen auf. Und obwohl Finanzbeamte keine aktive Steuerberatung machen dürfen, konnte so mancher Vereinsvertreter einen wertvollen Tipp mit nach Hause nehmen - etwa, dass die Gemeinnützigkeit als Basis für eine Steuerbefreiung nicht erteilt werden kann, wenn in der Satzung als Vereinsziel auch die Geselligkeit festgelegt worden ist.

Größtes Steuerproblem der Vereine sind jedoch Großveranstaltungen oder Festwochen. Hunderte von Stunden werden nach Feierabend in die Vorbereitung gesteckt, nicht selten ein guter Umsatz und Gewinn erwirtschaftet, der eine Steuerpflicht nach sich zieht. Denn solche Großveranstaltungen gelten als wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb, was unter anderem auch für eine Vereinsgaststätte gilt.

Walter Weinzierl, Vorstand des Bayerischen Inngau-Trachtenverbands, legte den Finger außerdem in eine weitere häufig aufbrechende Wunde: Der Verband solle Steuern für den Verkauf einer von Mitgliedern kostenfrei bespielten CD zahlen, mit deren Erlös zur Finanzierung des Bildungszentrums in Holzhausen beigetragen werde, ärgerte sich Weinzierl. Ein "Bestechungsversuch" mit Übergabe der CD an Minister und Referatsleiter brachte dem Trachtler wenigstens das Versprechen Fahrenschons ein, den Fall prüfen zu lassen.

Viele Nachfragen aus dem Publikum zu Fragen rund um Spenden, Übungsleiter- und Ehrenamtspauschalen, Mitgliedsbeiträgen, Fördervereinen, Vermögensaufbau und Verlustausgleichen zeigten, dass Vorstände und Schatzmeister viele Fehler machen können, die ihren Verein teuer zu stehen kommen. Sie bedauerten außerdem, dass bei großen Festen oft die Beratung eines Steuerberaters notwendig ist. Rosenheims Finanzamtsleiter Alt riet zu einem direkten Kontakt mit der Finanzbehörde. Viele Fragen könnten im Vorfeld beantwortet werden. "Kommen Sie zu uns, bevor wir zu Ihnen kommen."

duc/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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