Hohe Kosten, überschaubarer Nutzen

Fahrgastverband übt Kritik an Stammstrecken-Planung

München - Die Finanzierung für die zweite Stammstrecke steht, dennoch wird immer wieder Kritik am Mega-Projekt laut. Jetzt hat sich der Fahrgastverband Pro Bahn zu Wort gemeldet. 

Auf die Finanzierung der zweiten Münchner Stammstrecke haben sich die Verantwortlichen bereits geeinigt. Kritik am Projekt gibt es dennoch - und zwar von mehreren Seiten. Die Freien Wähler hatten die Sinnhaftigkeit des Bauvorhabens bereits Anfang November in Frage gestellt, jetzt hat sich auch der Fahrgastverband Pro Bahn zu Wort gemeldet. 

Hohe Kosten, überschaubarer Nutzen

Man sehe mit großer Sorge, dass der Freistaat Bayern durch die hohen Kosten für den Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke in München in den nächsten 20 Jahren viele andere dringend notwendige Vorhaben im Öffentlichen Verkehr nicht realisieren könne, heißt es in einer Pressemitteilung. „Wir freuen uns über jede Verbesserung des Öffentlichen Verkehrs. Bei der zweiten Stammstrecke ist unser Eindruck, dass die Kosten sehr hoch sind und der Nutzen für die Fahrgäste eher überschaubar sein wird“, so Winfried Karg, bayerischer Vorsitzender des Fahrgastverbandes. „Die Fahrgäste erhoffen in ganz Bayern sehr viele Streckenausbauten und Fahrplanverdichtungen, leider reicht bisher das Geld nicht für alles.“

Andere Investitionen bleiben auf der Strecke

Die dafür aufgewendeten Regionalisierungsmittel in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro könnten über viele Jahre hinweg für Streckenausbauten und Zugbestellungen genutzt werden. Selbiges gelte für die rund 1,5 Milliarden, die der Bund durch das Gemeindefinanzierungsgesetz an die Länder ausschüttet. Daraus erhalte Bayern jährlich 55 Millionen, weshalb diese Zahlung in den kommenden 20 Jahren für den Freistaat ausbleiben würde. Dementsprechend wären Investitionen aus diesem Haushaltsposten in diesem Zeitraum nicht mehr möglich. Auf zahlreichen eingleisigen und auch zweigleisigen Strecken bestehe aber dringender Handlungsbedarf. 

Zudem seien die Regionalzüge zu lang für die kurzen Bahnsteige der zweiten Stammstrecke. Auch könne ein barrierefreies Einsteigen nur entweder für S-Bahnen oder Regionalzüge gewährleistet werden, weil die beiden Zugtypen jeweils unterschiedliche Einstiegshöhen aufweisen. „Wenn dort beide Zugtypen fahren, kann man an den Bahnsteigen nicht ohne Stufen ein- und aussteigen“, sagt Karg.

Pro Bahn setzt auf die Ankündigung von Innenminister Joachim Hermann

Der Pressemitteilung zufolge setzt Pro Bahn nun auf die Ankündigung von Staatsminister Joachim Herrmann vom Bayerischen Eisenbahnempfang am 6. Dezember. Dort hatte dieser angekündigt, dass aufgrund der zweiten Stammstrecke keine anderen Vorhaben zurückstecken müssten. „Wir sehen derzeit nicht, wie die vielen anderen dringend nötigen Vorhaben finanziert werden sollen, lassen uns aber gerne davon überzeugen, dass das möglich ist“, so der Vorsitzende des Fahrgastverbands.

Hier sehen Sie, wo die größten Bauarbeiten zur Stammstrecke vonstatten gehen

hb

Rubriklistenbild: © dpa

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