Vor dem Landgericht Regensburg

Mollath-Unterstützer protestieren vor Gericht

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Unterstützer von Gustl Mollath demonstrieren am in Sträflingskleidung vor dem Landgericht Regensburg. Knapp ein Jahr nach seiner Entlassung aus der Psychiatrie steht Mollath erneut vor Gericht.

Regensburg - Gegen angebliche Willkür bei psychologischen Gutachten haben Anhänger von Gustl Mollath am Montag vor dem Gericht protestiert. Drinnen lief gerade das Wiederaufnahmeverfahren an.

Einige haben sich als Häftlinge verkleidet. Günter Mühlbauer hat sich mit Pickelhaube und Richterrobe als Deutscher Michel verkleidet. Er ist der führende Kopf und Veranstalter der Protestaktion vor dem Landgericht Regensburg, in dem am Montag das Wiederaufnahmeverfahren gegen Gustl Mollath angelaufen ist. Rund zwei Dutzend Mollath-Unterstützer nehmen an der Protestaktion teil und fordern faire Gerichtsprozesse.

Die kleine Gruppe setzt sich nicht nur für die Rehabilitation von Gustl Mollath ein. Mehrere Männer sich auch selbst als Opfer der Justiz. In Sorgerechtsstreitigkeiten mit ihren Frauen haben sie persönliche Erfahrungen mit vom Familiengericht bestellten Gutachtern gemacht und werfen der Justiz Willkür vor. Ein Mann, der aufgrund einer richterlichen Entscheidung seine Kinder nicht mehr sehen darf, fordert deshalb auf einem Flugblatt: „Schluss mit richterlich angeordneten psychiatrischen Gutachten!!“

Mühlbauers Verkleidung als Deutscher Michel soll für die deutsche Liebe zu Recht und Ordnung stehen. Trommelnd marschiert er in einem Trauermarsch mit, zu dem sich etwa ein Dutzend der Mollath-Unterstützer formiert hat. Man trauere um den deutschen Rechtsstaat, heißt es. Zwei der Protestierenden haben sich als Totengräber verkleidet, sie tragen das Grundgesetz auf einer Bahre. Mühlbauer ruft: „Was wollt ihr?“ Der Trauerzug antwortet: „Freiheit und Gerechtigkeit!“, worauf Mühlbauer entgegnet: „Freiheit und Gerechtigkeit gibt es nur für die Reichen und Schönen!“

An einer hölzernen Klagemauer werden mehrere Entscheidungen der Justiz kritisiert, auch die Geschichte von Ulvi K. - im Mordfall Peggy wurde er erst im Wiederaufnahmeverfahren im Mai 2014 freigesprochen.

Das ist es, was die Mollath-Unterstützergemeinde vor dem Landgericht eint: Psychologische Gutachten unterstützten oft vorgefertigte Meinungen von Ermittlungsbehörden und belasteten so die Angeklagten. Psychologische Gutachter, so kritisieren die Mollath-Unterstützer, folgten oft in vorauseilendem Gehorsam dem, was sie als Meinung des Richters wahrnähmen. Aussagen der Begutachteten würden nur selektiv protokolliert und bewertet. „Richter sollten selber ihren Verstand einschalten und sich nicht nur auf schlechte Gutachten verlassen“, fordert eine Frau.

dpa

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