Fakten-Check: Ein Facebook-Post und sein Wahrheitsgehalt

Schulz, Du Versager...!?

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SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz.

Bad Aibling - Martin Schulz, einst Präsident des europäischen Parlaments, ist seit knapp zwei Wochen Kanzlerkandidat und Vorsitzender der SPD. Ein Mann aus Straßburg und Brüssel, ein linker Politiker noch dazu? Für die politischen Gegner der SPD ist das offenbar eine Steilvorlage: Wird mit diesem Mann – so der Spott – der Wahlkampf zum Selbstläufer?

Dass bei dieser Debatte die Gliederungen der AfD selbst in der bayerischen Provinz mit ihrer Häme nicht zurückstecken wollen, versteht sich von selbst. So teilten Petr Bystron – AfD-Chef in Bayern – und die Aiblinger AfD in ihren jeweiligen Facebook-Auftritten folgenden Post: 

Der von der AfD vielfach geteilte Facebook-Post gegen Martin Schulz.

„Neuer SPD –Parteichef und Kanzlerkandidat Martin Schulz. Nach zweimal Sitzenbleiben in der 11. Klasse war kein Schulbesuch mehr möglich. Jahrelang arbeitslos und alkoholkrank. Höchste Ausbildung 10. Klasse (Die Buchhändlerlehre hat er lt. welt.de wegen Alkoholismus ebenso abbrechen müssen.) Echt jetzt?“ 

Ob derartige Häme, dem Kandidaten Schulz schadet (taz.de) oder nützt (dw.com) – wir müssen das zum Glück nicht beurteilen. An den Behauptungen ist an sich nicht viel falsch. Schulz hatte ein Alkoholproblem und musste deswegen seine Schullaufbahn abbrechen. Das wissen wir, weil er selbst es vor Jahren schon dem Fachblatt für SPD-Spitzenpersonal und der „Bunten“ eingestanden hat. Seitdem spricht er selbst immer wieder sehr offen und sehr selbstkritisch über seine Jugend. 

Doch hat Schulz tatsächlich seine Lehre als Buchhändler abbrechen müssen und stimmt es, dass diese Behauptung auf „Welt.de“ zu finden ist? Um es kurz zu machen, diese beiden Behauptungen sind falsch. Schulz hat seine Lehre als Buchhändler – wenn auch unter Schwierigkeiten – abgeschlossen. Und auf Welt.de findet sich lediglich in einem Porträt von 2012 der Satz: „Er macht eine Buchhändler-Lehre, doch seine Alkoholsucht kostet ihm den Job.“ In den anderen Porträts und Berichten über Schulz’ Ausbildung, die man auf der „Welt“-Seite derzeit finden kann, steht der Abschluss seiner Buchhändlerlehre jedoch außer Frage. 

Wie man in Porträts der Berliner „taz“ und der Hamburger „Zeit“ lesen kann, hat Schulz die Ausbildung trotz seiner Abhängigkeit mit Unterstützung seines Bruders beenden können. Das bestätigt auch die Berliner Pressestelle der SPD. 

Bekannt ist, dass Martin Schulz in Würselen bei Aachen, nach der Therapie seiner Alkoholkrankheit – seit 40 Jahren rührt er offenbar keinen Tropfen Alkohol mehr an – jahrelang eine Buchhandlung geführt hat. Erfolgreich, wie man hört. So erfolgreich, dass seine Nachfolger noch heute von dem Laden leben können. 

Es bleibt also die Geschichte einer besiegten Alkoholsucht eines erfolgreichen Buchhändlers, der es als einst jüngster Bürgermeister Nordrhein-Westfalens inzwischen zu einigem Gewicht und Ansehen in Europa gebracht hat. 

Ob man ihn deshalb als politischen Gegner ernst nehmen muss, oder ob Martin Schulz aufgrund seiner Geschichte besser als Zielscheibe für herablassenden Spott herhalten sollte – diese Frage beantworten seine Gegner recht unterschiedlich. Ihm – wie oben geschehen – berufliches Versagen vorzuwerfen, ist jedoch faktisch falsch. Ob ihn eine überwundene Alkoholkrankheit für höhere Ämter disqualifiziert? Zumindest in den Reihen der AfD scheint das ein Fakt, in den jüngsten Umfragen jedoch nicht...

Martin Both

Neue Kolumne "Fakten-Check"

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Quelle: mangfall24.de

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