Demjanjuk: Gutachten soll Klarheit schaffen

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Bad Feilnbach/Rosenheim – Die Staatsanwaltschaft Traunstein wehrt sich gegen Vorwürfe, die Ermittlungen zum Tod des Ehemaligen KZ-Wachmanns Demjanjuk gingen schleppend voran.

Für die Vorwürfe einer Verzögerung des ehemaligen Verteidigers von John Demjanjuk, Dr. Busch, sieht die Staatsanwaltschaft Traunstein keinen Anlass. "Von unserer Seite her wurde ein Sachverständiger für das Gutachten bestellt, der momentan dabei ist das Gutachten zu erstellen", erklärt Bernd Magiera von der Staatsanwalstchaft Traunstein. Weiter sagte Magiera, dass er damit rechne das Gutachten Ende Oktober, Anfang November auf dem Tisch zu haben. Bei dem Gutachten handelt es sich um das zweite rechtsmedizinische Gutachten nach dem Tod des KZ-Wachmanns Demjanjuk, um die Todesursache zu klären. Dabei soll vor allem geklärt werden ob Demjanjuk an seiner Vorerkrankung, der Blutbildungsstörung, in Kombination mit der Verabreichung des Schmerzmittels "Novalgin" gestorben ist.

Die Vorwürfe des Verteidigers

Der ehemalige Verteidiger des KZ-Wachmanns, Dr. Ulrich Busch erstattete bereits am 12. Juni 2012, Anzeige gegen fünf deutsche Ärzte. Sie sollen Demjanjuk nach seiner Verurteilung im Klinikum Harlaching falsch behandelt haben. Laut Busch hätten sie seinem damaligen Mandanten "Novalgin" verabreicht. "Das Mittel darf weder als Dauerschmerzmittel genommen werden, noch bei Demjanjuks bekannter Vorerkrankung", erklärt Busch im Gespräch mit rosenheim24.de. Der KZ-Wachmann soll an einer Blutbildungsstörung gelitten haben. Absicht könne er aber niemanden unterstellen. "Als Arzt müsse man jedoch die Konsequenzen in Kauf nehmen, wenn eine Falschbehandlung vorliegt", so Busch.

Kurz nach dem Tod Demjanjuks Mitte März wurde die Leiche obduziert. Einen Hinweis auf ein Gewaltverbrechen gab es nicht. Die genaue Todesursache konnte allerdings nicht festgestellt werden. Deshalb besteht der Anwalt, der auch Demjanjuks Hinterbliebene vertritt, Dr. Ulrich Busch, auf ein neues Gutachten. Hier hatte die Staatsanwaltschaft Traunstein zunächst das Institut für Rechtsmedizin in München beauftragt. Dieses Institut lehnte Busch wegen Befangenheit ab. "Es hatte das Ursprungsggutachten nach dem Tod gemacht und gesehen, dass sich Novalgin im Blut befand. Konsequenzen zog das Institut daraus nicht", berichtet Busch. Auch ein Mediziner von der Universität in Regensburg lehnte Busch bereits ab. Dieser sei aus seiner Sicht als Internist und Onkologe für das Gutachten nicht geeignet.

"Das Verfahren zur Klärung der Todesursache Demjanjuks geht seitdem schleppend voran", klagt Busch. Es falle auf, dass die Kommunikation zwischen der Staatsanwaltschaft, den möglichen Gutachtern und ihm sehr lange dauern würde. "Man könnte schön langsam Ergebnisse erwarten", so Busch abschließend.

kmr

Quelle: rosenheim24.de

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