Historischer Festzug zur Jubiläumswiesn

Rosenheim - Die Besucher konnten am Sonntag eine Reise durch die Vergangenheit anlässlich des 150. Herbstfestes erleben. Tausende Menschen waren gekommen, um sich das Spektakel anzusehen.**Neues Video**

Ein Kilometer langer Festzug mit Kutschen, Gespannen und Wagen verschiedenster Epochen sowie 1168 historisch kostümierten Festzugteilnehmer zog am heutigen Sonnatg durch die Stadt. Tausende Besucher waren gekommen, um dem Spektakel beizuwohnen.

Wir bedanken uns beim Café Elisabeth für die Unterstützung bei den Dreharbeiten.

Historischer Festzug zur Jubiläumswiesn

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Das Oberbayerische Volksblatt hat der Feuerwehr, dem Trachtenverein Pang sowie dem Alpenverein bei ihren Vorbereitungsarbeiten über die Schulter geschaut.

Der Salinewagen des Trachtenvereins "Alt Rosenheim" blieb leider wegen eines Bruches an der Deichsel in der Innstraße liegen. Das Pferdegespann wurde anschließend bei der Rosenheimer Tram angekoppelt.

Auf Höhe der Rosenheimer Hauptfeuerwache bleiben derzeit Passanten, die einen Blick in Halle 13 erhaschen, oft neugierig stehen: Inmitten seiner modernen "Kollegen" steht dort, wie frisch von einer Zeitreise zurückgekehrt, ein historischer Feuerwehrwagen mit über 100 Jahre alter Drehleiter. Bis 1965 war das Gefährt in der Stadt im Einsatz. "Zwei Kriege hat es erlebt, hunderte Brände wurden mit seiner Hilfe gelöscht und weiß Gott wie viele Leben gerettet", sinniert Stadtbrandrat Hans Meyrl und streicht über den frisch polierten Lack. Bevor das Prunkstück des Feuerwehr-Fuhrparks am Sonntag Feuerwehrgeschichte lebendig werden lässt, wird es auf Herz und Nieren geprüft. "So einen betagten Wagen muss man hegen und pflegen, Ersatzteile gibt es keine", weiß Rudof Gurgießer, der mit seinem Kollegen Hermann Calmbach so manche Stunde unter der Motorhaube des historischen Wagens verbracht hat.

Die Mitwirkenden des Wagens durften anschließend im Fahrgastraum der Tram platznehmen und den Zug bis zu Ende genießen.

Mit von der Partie ist am Sonntag außerdem eine Feuerwehr-Kutsche von 1880, die von zwei Haflingern gezogen und von acht in historischen Uniformen gekleideten Feuerwehrmännern begleitet wird. "Ist man heute in spätestens zehn Minuten nach dem Notruf am Einsatzort, mussten die Kollegen damals erst einmal die Pferde heranschaffen und die Kutsche bespannen", erklärt Stadtrandinspektor Mario Zimmermann. Alarmiert wurden die Feuerwehrler durch die vom Stadtwächter geläuteten Kirchenglocken. Auf dem Kirchendach gehisste Fahnen gaben die Richtung an. "War die Kutsche startklar, ging es statt wie heute mit 290 PS mit nur zwei Pferdestärken in Richtung Einsatzort", ergänzt Richard Karl, Organisationsleiter des Festzugs. In Sachen Feuerwehrgeschichte macht den Männern so schnell niemand etwas vor, denn mit ihrer hauseigenen Chronik sind sie bestens vertraut Im vergangenen Jahr feierte die Feuerwehr selbst 150. Jubiläum und ist damit sogar ein Jahr älter als die Wiesn.

Mit Heimatgeschichte anderer Art befasst sich Andreas Gartner, Vorstand des Gebirgstrachtenvereins "D'Kaltentaler Pang". 45 Vereinsmitglieder, im Stil einer Hochzeitsgesellschaft aus den 1950-er-Jahren gekleidet, sind am Festzugspektakel beteiligt. Die letzten Versammlungen wurden deshalb zu Kleider-Tauschbasaren umfunktioniert. Aufgerufen, ihre Speicher und Keller nach alter Festtagskleidung zu durchsuchen, hatten die Trachtler Säckeweise alte Hüte, Kleider, Schürzen, Blusen, Anzüge und Krawatten zusammengetragen, die im Vereinsheim dann lautstark an den Mann und die Frau gebracht wurden.

Familie Gartner nutzt die Zeit wenige Tage vor dem Großereignis für eine letzte Anprobe auf der heimischen Terasse. Während Magdalena (15) dem Vater noch die Krawatte bindet ist die 18-Jährige Franziska in ihrem eleganten, enganliegenden Festtagskleid mit Perlenkette schon festlich rausgeputzt. Die detailreich ausgeschmückte Tracht von Mutter Angelika Gartner wird noch mit einer von der Schwiegermutter geerbten Kropfkette gekrönt - und die modische Zeitreise ist abgeschlossen. "Wenn uns die Nachbarn jetzt sehen, denken die, uns ist die Hitze zu Kopf gestiegen", meint der Vereinsvorstand augenzwinkernd und positioniert sich zum spontanen Familienfoto.

Auch auf einer Terasse wenige Kilometer entfernt bietet sich den Nachbarn ein ungewöhnlicher Anblick: Dort genießen sechs Mitglieder des Rosenheimer Alpenvereins von Kopf bis Fuß in historischer Bergsteigerausrüstung bekleidet das Alpenpanorama. "Wir könnten gleich so losmarschieren", vermeldet Franz Knarr Junior, der die Festzugteilnahme organisiert, lachend. Mit einem Aufruf im OVB startete die Rosenheimer Sektion ihre Suche nach historischer Bergsteigerausrüstung - und wurde schnell fündig. Bergsteiger aus dem ganzen Landkreis steuerten alte Rucksäcke, Bundhosen, genagelte Berschuhe, Pickel, Wanderstöcke und Seile bei, die nun bei der offiziellen Anprobe eine ganze Hauswandseite im Knarrschen Garten einnehmen.

Welten liegen zwischen den heute in der Bergsteigerausrüstung üblichen ultraleichten und atmungsaktiven Microfaser-Stoffen, den Multifunktions-Rucksäcken und den derben und schweren Materialien der damaligen Ausrüstung. "Kein Wunder dass die alte Bergsteiger-Generation kaputte Gelenke hat. Die Kraxler früher waren ja mit gut und gerne 15 Kilo an Ausrüstung unterwegs", erklärt Knarr, während er aus den Bergsteigerschuhen schlüpft. "Wo ist denn meine Wolke abgeblieben?", fragt der Jungbergsteiger und erntet viele verwirrte und einen wissenden Blick. "Eine Wolke, kommt sofort", sagt Vater Franz Knarr lachend und reicht dem Sohn einen alten Bergsteigerrucksack, der wegen seiner Unförmigkeit "Wolke" genannt wird und mit dem er in seiner Jugend selbst noch die Berge der Umgebung bezwungen hat. ´

sx/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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