Führungsstil im Kreuzfeuer: Offener Brief und Krisengespräche

Feuerwehr setzt selbst Notruf ab

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„Notruf 112 – Feuerwehr in Gefahr“ so betitelt eine Gruppe von Aktiven der Freiwilligen Feuerwehr Bad Aibling ihren offenen Brief an die Stadträte über den Zustand ihrer Organisation.

Bad Aibling - Die Freiwillige Feuerwehr Bad Aibling steht vor einer Zerreißprobe. Droht ein Debakel?

Mannschaftsteile lehnen sich seit Monaten gegen den „fragwürdigen“ Führungsstil des Ersten Kommandanten Wolfram Höfler auf sowie gegen Auffälligkeiten im Zusammenhang mit Höflers Funktionen als Feuerwehrkommandant einerseits und Erster Vorstand des Vereins „no Risc“andererseits. Dieser spricht im Gegenzug von „Querulanten“ und einem Versäumnis: Er hätte zwei der Beteiligten sofort vom Ehrenamt suspendieren sollen, darunter den Zweiten Kommandanten. Inzwischen liegt ein offener Brief der Kritiker bei allen Stadträten vor. Bürgermeister Felix Schwaller als oberster Dienstherr der Feuerwehr will mit Krisengesprächen einen Eklat verhindern. Heute findet ein Treffen mit dem Kreisbrandrat im Landratsamt statt.

Fehler und Unfähigkeit in der Sache, dazu einen diktatorischen Führungsstil, das wirft eine Gruppe der Feuerwehr Bad Aibling ihrem Ersten Kommandanten vor. Festgemacht an Beispielen aus dem Alltag und an Einsätzen. Der offene Brief bezieht eine spezielle Vereinstätigkeit von Wolfram Höfler ein: Er ist Erster Vorstand von „no Risc Fire & Safety Training Bayern Verband für Feuerwehr Realbrandausbildung e.V.“, ein laut Höfler gemeinnütziger Verein. Seine Ausbilder schulen aktive Feuerwehrleute bei Brandeinsätzen unter realen Bedingungen.

„No Risc“ war beispielsweise an dem als Feuerwehrübung angesetzten Abriss des alten Rathauses am Marienplatz beteiligt. Insgesamt arbeiteten 162 Mann daran mit. Über den Abrechnungsmodus gibt es heftigen Streit zwischen Feuerwehrführung und Kritikern. „No Risc“ stellte Höfler zufolge für seine Mitwirkung keine Rechnung aus, sondern erhielt für die Leistungen ein Guthaben. Dieses Guthaben wurde und wird mit Leistungen der Feuerwehr für „no Risc“ gegengerechnet. Zum Beispiel durch das Füllen von Atemschutzflaschen.

Durch die Rathausübung belief sich das Guthaben von „no Risc“ zunächst auf 30 780 Euro. Diese Summe ergibt sich laut Höfler aus 162 Teilnehmern multipliziert mit dem Gruppentarif von „no Risc“ in Höhe von 190 Euro pro Kopf (Höfler: „Sonst 280 Euro“). Die Feuerwehr füllte inzwischen 20 Atemschutzflaschen mit Sauerstoff für „no Risc“. Kosten: 20 Euro pro Flasche, insgesamt 400 Euro. Zusammen mit Lagerung, Reinigung etc. reduzierte sich nun das nach Angaben von Höfler „virtuelle Guthaben“ von „no Risc“ somit auf 29 430 Euro.

Dieser Abrechnungsmodus sei der Einfachheit halber so mit der Verwaltung im Vorjahr abgesprochen. Das bestätigte der Bürgermeister gegenüber unserer Zeitung. Er räumte indes ein, dass auf diese Weise eine Verpflichtung seitens der Stadt hergestellt werde.

Der Offene Brief „Notruf 112 – Feuerwehr in Gefahr“ nennt detailliert unter anderem diese Kritikpunkte: keine klare Trennung der beiden Organisationen „no Risc“ und Feuerwehr; Mangelnde Ortskenntnis des Ersten Kommandanten; Nichteinbindung des Zweiten Kommandanten; Umbau der Fahrzeuge ohne Weitergabe an die Aktiven; Abnahme der Einsatzbereitschaft wegen des Führungsstils, was zur Unterbesetzung der Fahrzeuge führe; Vernichtung von Kameradschaft und Fairness. „Gerade dies ist für unsere Arbeit, die auf Freiwilligkeit und Ehrenamt setzt, das A und O“, so die drei Unterzeichner des Briefes. Diese sind Zweiter Kommandant Christian Stechl, Manuel Baumüller und Bernhard Loibl. Letzterer zog bereits seine Konsequenz und trat aus der Aiblinger Feuerwehr aus. Alle drei befürchten, dass die derzeitige Führung auf dem besten Wege ist, die Feuerwehr Bad Aibling in den Sand zu setzten. Das Schreiben sei das letzte Mittel, auf die Missstände hinzuweisen, da „alle anderen Versuche bisher von anderen Seiten im Vorfeld bekämpft worden sind“.

Höfler hatte dem Vernehmen nach im Vorfeld des offenenen Briefes Feuerwehrleuten eine Klage angedroht, sollten sie ihre Vorwürfe nach außen tragen. Ein solches Vorgehen bekam auch der Mangfall-Bote zu spüren. Mitten in die Recherche schaltete Höfler eine Münchner Anwaltskanzlei ein. Bürgermeister Schwaller distanzierte sich inzwischen davon. Er versicherte anstelle von Höfler, der dazu jegliche Angaben verweigerte, dass die Anwaltskosten nicht die Stadt oder die Feuerwehr trage. „Das wird von Herrn Höfler privat gezahlt.“ Er entschuldigte das Vorgehen Höflers damit, dass dieser sich in seiner Unternehmerehre angegriffen fühlte und gegen Verunglimpfungen der Kritiker vorgehen wollte. Dass Höfler nicht privat als Mandant auftritt, sondern als „Freiwillige Feuerwehr Bad Aibling“, war dem Bürgermeister neu.

In dem Anwaltsschreiben ließ Höfler eine Reihe von Fragen aus seiner Sicht darstellen. Unter anderem zum Personalmangel bei Einsätzen. „Sofern zu wenig Personal zu den Einsätzen käme, wäre der jeweils Verantwortliche verpflichtet, die Pflichtfeuerwehr zu beantragen und einzuführen“, heißt es.

Ungeklärt scheint, warum bei TV-Aufnahmen zwar Gerätschaften und Fahrzeuge der Feuerwehr Bad Aibling verwendet, diese aber namentlich nicht genannt wird, sondern der Verein „no Risc“. Dieser Vorwurf der Kritiker – sie belegen es mit Bildmaterial – wird im Anwaltsschreiben strikt zurück gewiesen.

Höfler sieht die Feuerwehr und seinen Ruf als Erster Kommandant durch das „Pamphlet der Querulanten“ in Misskredit gebracht. Er wolle eine Berufsfeuerwehr-ähnliche Struktur schaffen, erklärte er. Dazu will er 400 Euro-Jobs einführen. Er begründet dies mit dem Bedarf, da der langjährige hauptamtliche Gerätewart krankheitsbedingt ausfalle und der zweite die Arbeit allein nicht schaffen könne. Einen Zusammenhang der neuen Jobs mit mangelnder Motivation der Mannschaft und damit Unterbesetzung der Fahrzeuge bestritt er.

Vier der Jobs sind bereits auf dem Verwaltungsweg genehmigt – Schwaller zufolge ist ein Stadtratsvotum nicht notwendig. Mehrere Personen können einen 400 Euro-Job ausfüllen. Berufsfeuerwehrler und Polizisten im Schichtdienst sind laut Höfler angesprochen. Vier Leute sind bereits benannt.

Zum Jahreswechsel soll ein Antrag auf weitere sechs 400 Euro-Posten gestellt werden. Diese werden indes dem Stadtrat im Stellenplan (mit dem Haushaltsplan 2012) zur Genehmigung vorgelegt. Aufgabe der Jobber: vor allem Prüf- und Wartungsarbeiten.

Nach dem offenen Brief fand vorige Woche ein erstes Krisengespräch mit den vier Fraktionsvorsitzenden, dem städtischen Feuerwehrreferenten, dem Ersten Kommandanten, dem zuständigen Sachbearbeiter im Rathaus sowie dem Bürgermeister statt. Anschließend wurden die Kritiker gehört. Ergebnis: Heute Vormittag gibt es ein Krisengespräch mit Kreisbrandrat Sebastian Ruhsamer und der „gespalteten Führung“ (Erster und Zweiter Kommandant). Auf neutralem Boden, im Landratsamt.

Außerdem ist im Oktober eine allgemeine Aussprache aller Aktiven unter Führung eines neutralen Experten im Kurhaus vorgesehen. „Alle Fakten kommen auf den Tisch“, so Schwaller.

Alle? Die Kritiker bezweifeln das, seien doch alle bisherigen Hinweise und Vorstöße, die Einheit der Feuerwehr wiederherzustellen, auf taube Ohren gestoßen. Zwei der Stadträte, die am ersten Krisengespräch teilnahmen, bewerteten dieses so: „Die Unterzeichner des Schreibens wurden auf die Anklagebank gesetzt.“ Schwaller stellte klar, dass er als oberster Dienstherr der Feuerwehr Suspendierungen von Feuerwehrleuten nicht tolerieren werde.

Elke Wrede-Knopp/Mangfall-Bote

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Quelle: rosenheim24.de

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