"Innterrassen": Finanzkrise bremste Verkauf

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Die "Innterrassen", eine neue Wohnanlage am Inn, direkt neben dem ehemaligen Landesgartenschau-Gelände, wurden von der Rosenheimer Wohnbaugesellschaft (GWRS) gebaut.

Rosenheim - Die von der Rosenheimer Wohnbaugesellschaft gebauten „Innterrassen“ bieten Wohnungen in exklusiver Lage direkt am Inn. Die Gestaltung der Anlage ist nicht unumstritten.

Mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgen deshalb jetzt viele, was sich auf dem „Mühlbachbogen“ tun wird. Dieses Gelände wird gleichfalls von der GRWS überplant. Und dann ist da noch eine Gemeinschaftsgarage mit 50 Plätzen, in der nie ein Auto steht.

Wir sprachen über diese Themen mit Joachim Seethaler, dem technischen Leiter der GRWS und mit Prokurist Peter Peise. Der neue Geschäftsführer Stefan Ludwig nahm gleichfalls teil. Die Beiträge über den Mühlbachbogen und die Garage erscheinen in den nächsten Tagen.

Reden wir erst einmal über die Innterrassen, eine Anlage mit 84 Wohnungen.

Die GRWS hat von der Stadt das Grundstück erworben. Damit konnte sie einen Teil der Ausgaben für die Landesgartenschau finanzieren. Das Objekt selbst war eine reine GRWS-Maßnahme.

Nun ist die GRWS eine städtische Gesellschaft, deshalb sehen die Leute ein solches Objekt mit anderen Augen als wenn ein freier Bauträger auftritt. Manche halten das Objekt für nicht so gelungen, und es heißt, dass es sehr schwer zu vermarkten war.

Seethaler: Wir haben sechs Entwürfe dafür eingeholt, die bewertet wurden. Es gab ein Preisgericht mit einer externen Jury, besetzt mit hochrangigen Experten. Der Aufsichtsrat hat entschieden, den zweiten Preis zu realisieren. Auf die Stadträte wirkte der erste Preis, also der von der Jury favorisierte Entwurf, zu streng, zu abweisend. Beim zweiten Preis verspringen die Baukörper gegeneinander.

Können Sie die Kritik an den Innterrassen verstehen?

Seethaler: Das kann ich sehr gut verstehen. Wo die GRWS auftritt, kommt es zu Veränderungen. Wenn wir bauen, schaut es hinterher anders aus als vorher. Und die Innterrassen sind ein besonders typisches Beispiel. Es war ja vorher erdgeschossige Bebauung vom Baubetriebshof dort, eine Bebauung, die, mit dem Baumbestand ringsum, eigentlich gar nicht wahrnehmbar war. Jetzt hat man eine andere Sicht, kann um unsere viergeschossige Bebauung herumgehen, sie sticht heraus.

Sie trösten sich praktisch damit, dass Sie sagen, egal, was die GRWS dort gemacht hätte, es wäre immer eine gravierende Veränderung gewesen, die den einen gefallen hätte, den anderen nicht?

Seethaler: Das ist das eine. Das andere ist, dass natürlich Architektur eine sehr subjektive Sache ist. Natürlich gibt es im oberbayerischen Raum auch eine große Nachfrage nach einer Architektur mit Satteldach oder Walmdach, vielleicht mit Fensterläden. Diesem Publikum sind die Innterrassen wahrscheinlich zu modern.

Manchen sind sie aber nicht modern genug, zu konventionell. Sie hätten sich dort einen großen Wurf erwartet, einen architektonischen Glanzpunkt.

Seethaler: wir können nur feststellen, dass es auf jeden Fall genügend Käufer gab, denen die Anlage gefällt. Das ist für uns natürlich auchm ein entscheidendes Kriterium.

Manche Kritiker finden, dass die Balkone falsch platziert sind, nämlich nicht mit Blick auf den Inn. Damit habe man die spezielle Chance dieser exklusiven Lage vergeben.

Die Gebäude direkt am Inn haben natürlich auch Balkone zum Fluss hin. Bei den anderen sind sie zur „Schokoladenseite“ hin orientiert, nach Südwesten.

War die Vermarktung tatsächlich so schwierig? Es heißt, Sie hätten auch versucht, einen ganzen Block auf einmal loszuwerden.

Seethaler: ...was ja das beste Geschäft überhaupt ist, ein Gebäude an einen einzigen Käufer abzugeben.

Aber die Vermarktung war nicht einfach.

Peise: Da gibt es zwei Faktoren. Einmal hat es gleichzeitig am Markt ein zweites Projekt gegeben, was ähnlich groß ist, in der Sonnenstraße. Damit ist der Markt in Rosenheim, der ja nicht unbegrenzt ist, ziemlich gut gefüllt gewesen zu diesem Zeitpunkt. Und dann kam halt diese berühmte Finanzkrise. Das hat alle getroffen und erst einmal zu einer totalen Lähmung geführt. Ansonsten ist der Verkauf dann doch eigentlich ganz gut gelaufen, nachdem das mal vorbei war und die Leute auch gemerkt haben, dass mit einer Immobilie das geringere Risiko verbunden ist. Im Nachhinein betrachtet, hätten wir jetzt, zum Ende hin, auch noch ein Haus mehr verkaufen können.

Es gab in dieser Zeit Käufer, die dort für teures Geld Wohnungen gekauft hatten und befürchteten, die GRWS werde nicht verkaufte Wohnungen mit möglicherweise problematischen Mietern auffüllen.

Peise: Wir kennen dieses Gerücht. Sie müssen sich vorstellen, die Häuser sind ja alle irgendwo gleich, und sie kosten auch das gleiche. Da kann man keine Mieter reinsetzen für fünf Euro pro Quadratmeter. Wir hatten tatsächlich ein Haus für uns behalten und die Wohnungen auch zu entsprechenden Mietpreisen vermietet wie frei finanzierte Wohnungen gehobenen Standards. Die Miete bewegt sich bei zehn Euro. Das kann Klientel leisten, die ähnlich ist wie die der Käufer.

Es war aber nicht von Anfang an geplant, dass Sie ein Haus behalten würden.

Peise: Nicht wirklich, aber wir haben uns das überlegt, nachdem auch viel Nachfrage nach Mietwohnungen da war. Es wurde immer wieder angerufen und gefragt, können wir da auch etwas mieten? Aber dann haben wir ja das Objekt mit 14 Wohnungen als Ganzes verkauft, an einen Kapitalanleger.

Seethaler: Am Anfang war der Verkauf auch deshalb schwierig, weil das Grundstück in einer riesigen Baustellenfläche geschwommen ist. Die Innterrassen waren eine Baustelle, das Landesgartenschau-Gelände war nicht fertiggestellt, das Hammerbachufer total zugewachsen, die Ellmaierstraße nicht fertig. Da brauchten Interessenten schon viel Phantasie, um sich vorstellen zu können, wie das später aussehen würde.

Mussten Sie beim Verkauf dieses Blocks gegenüber vorherigen Vorstellungen mit dem Preis heruntergehen?

Peise: Man verkauft natürlich ein Objekt im Ganzen anders als einzelne Wohnungen. Aber wir haben einen Preis gebildet, wo wir gesagt haben, das muss sich für uns auch rentieren. So war es dann auch.

Interview: re/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser