Hammerbach wegen Bauprüfung in Hauptlaichzeit zu sehr abgesenkt

Fische ersticken im Mühlbach

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An der Kajakstrecke im Mangfallpark Süd entstanden im Hammerbach unpassierbare Fischfallen.

Rosenheim - Ohne Vorwarnung an die Fischer wurden am Montag die Mühlbach-Schleusen am E-Werk der Kunstmühle bis auf einen geringen Restwasserabfluss geschlossen. Mit fatalen Folgen:

Bis in die Abendstunden hinein sank der Wasserstand im Hammerbach so weit ab, dass weite Uferbereiche trockengelegt waren. Besonders im Bereich der Kajakstrecke entstanden für Fische und Kleinlebewesen zwischen den Wasserpflanzen unpassierbare Fischfallen. Ronald Zillmer, Vorsitzender des Anglerbundes: "Überall lagen erstickte Fische, und besonders Bachflohkrebse konnten nicht mit der Welle schwimmen und verendeten im Trockenen", schilderte er die Situation. Die Regenfälle während der Nacht zum Dienstag hätten die toten Fische weggeschwemmt und ein weiteres Massensterben verhindert.

Auch diesem kleinen Hecht ging es richtig schlecht.

Gerade jetzt sei der Hammerbach Laichgewässer für alle Innfische, die hier bis zur Höhe des Beilhackgeländes zu Tausenden aufsteigen. Besonders für Nasen und andere Weißfische fehlte das Wasser. "In dieser Hauptlaichzeit hätten wir einem Absenken keinesfalls zugestimmt", so Zillmer. "Nun haben wir auf einem Abschnitt von etwa drei Kilometern einen erheblichen Fischereischaden, der hätte verhindert werden können und müssen."

Die Fachberatung für Fischerei der Regierung von Oberbayern wurde von Zillmer bereits eingeschaltet. "Eine echte Sauerei", schimpfen die Fischer. Gravierend sei, so Zillmer, dass die Maßnahme der Fischerei nicht mitgeteilt, geschweige denn mit dieser abgestimmt wurde.

Wie Gerhard Gaida, zuständig für Wasser- und Bodenschutzrecht beim Umweltamt, erklärte, war der Grund für die Wasserabsenkung im Mühlbach, der sich hinter dem Ärztehaus an der Salinstraße in Hammer- und Stadtbach teilt, eine Baumaßnahme der Bahn gewesen. Im Zuge der Bahnhofssanierung wurde im vergangenen Spätsommer die breite Brücke über den Mühlbach zwischen Klepper- und Gießereistraße zwischen Gleis eins und vier erneuert. Um die ganze Brücke überprüfen zu können, wurde am Montagfrüh das Wasser abgesenkt. Dienstagfrüh, so Gaida, sei die Restwassermenge erhöht worden. Nach Abschluss der Arbeiten sollte gestern gegen 17 Uhr wieder den Normalpegel erreicht werden. Für die Prüfarbeiten habe wohl eine gewisse Notwendigkeit vorgelegen, erklärte Gaida. "Aber es war wegen der Laichzeit ein ungünstiger Zeitpunkt, und es hat leider seitens des ausführenden Subunternehmens keine Absprache mit den Fischern gegeben", so Gaida.

Die Projektleiterin der Firma, Ulrike Siebert, erklärte, es habe sich dabei um die Regelprüfung der Brücke sowie um die Gesamtabnahme im Rahmen der Bahnhofssanierung gehandelt. "Auf der Liste der zu verständigenden Betroffenen waren die Fischer nicht aufgeführt", so Siegert.

Gaida vermutet, dass die bei der Bahn bisher vorhandenen Unterlagen nicht an das erstmals beauftragte Münchner Unternehmen weitergereicht worden seien. Zudem, so Gaida, sei wohl die Restwassermenge wegen des Prüftrupps der Bahn niedriger als üblich eingestellt worden sein - mit fataler Folge für die Fische. Gaida: "Da ist wohl bei einigen beteiligten Stellen etwas schiefgelaufen."

jre/hh/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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