Von der Flaute in den Strudel

Rosenheim - Die Klepper-Faltbootwerft AG wird ihre Produktion in Rosenheim auf nahezu Null herunterfahren. Es drohen bereits Klagen der unzufriedenen Aktionäre.

Die Klepper-Faltbootwerft AG wird ihre Produktion in Rosenheim auf nahezu Null herunterfahren. Diese schlechte Nachricht hatte schon vor Wochen für Unruhe bei den Aktionären gesorgt. Nach der Absatzflaute der letzten Jahre droht jetzt eine Prozesswelle auf das Traditionsunternehmen zuzurollen, die Klepper nach Meinung eines Kläger-Anwalts in einen existenzbedrohlichen Strudel ziehen könnte. Dagegen setzt die Firma ihre Hoffnungen in ein neues Carbonboot - aber auch hier bahnt sich viel Ärger an.

Der Name Klepper ist weltweit eine Marke und in Rosenheim ein Stück Stadtgeschichte. In Spitzenzeiten wurden bis zu 90 Boote am Tag gefertigt, mit 3000 Arbeitsplätzen war die Firma zeitweise sogar der größte Arbeitgeber.

Doch das ist lange her. Zuletzt verkaufte Klepper nur noch rund 300 Boote pro Jahr. Noch sind es 19 Mitarbeiter in Rosenheim, aber schon im Oktober kann man sie an einer Hand abzählen, wenn die Produktion komplett an einen Partner im Ausland abgegeben wird.

Wohin und an wen? Das wollte der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Henning Isbruch gestern bei der Hauptversammlung der Aktionäre im Klepper-Museum noch nicht verraten. Doch er setzt große Hoffnungen in das "Joint Venture" mit dem neuen Partner. Wenn Personal- und Mietkosten in Rosenheim wegfallen, könnte man der Konkurrenz - vor allem Triton in St. Petersburg macht Klepper schwer zu schaffen - wieder die Stirn bieten, versuchte Isbruch Optimismus zu verbreiten.

Doch das gelang weder dem Aufsichtsratsvorsitzenden noch seiner Ehefrau Ursula Isbruch, die in ihrer Funktion als Vorstand Bilanz zog. Beide blickten in skeptische Aktionärsgesichter. Manche sehen in der Aufgabe der Produktion einen großen Imageverlust: "Damit wird Klepper ein Handelsunternehmen und verliert einen Teil seiner Identität." Andere fragen kritisch, was mit ihrer Dividende ist, auf die sie zuletzt verzichten mussten.

In den Augen des Münchner Fachanwalts für Bank- und Kapitalmarktrecht, Michael A. Leipold, haben sie dazu allen Grund. Er verweist auf ein Gerichtsurteil, wonach Klepper-Aktionäre, die ihre Aktien aufgrund irreführender beziehungsweise falscher Angaben im Prospekt gezeichnet haben, ihr eingesetztes Kapital zurückverlangen können. Hintergrund: Im Prospekt soll Anlegern eine Dividende von acht Prozent jährlich zugesichert worden sein. Diese Dividende wird seit 2009 nicht mehr ausbezahlt.

Den ersten Prozess hat Klepper verloren. Der Kläger - ein Mandant Leipolds - erhielt sein Geld (rund 8000 Euro) zurück.

Nach Auffassung Leipolds werden mindestens zehn weitere Aktionäre insgesamt rund 60 000 Euro einklagen "und Recht bekommen". Dagegen erklärt Isbruch, dass er diesen Verfahren gelassen entgegen sieht. Man habe beim ersten Prozess den Zeugen, der das Beratungsgespräch führte, nicht mehr rechtzeitig aufgetrieben und nur deshalb verloren. Der Kläger-Anwalt, der gestern bei der Aktionärsversammlung eine Menge kritische Fragen stellte, sieht das ganz anders: "Die Angaben waren falsch und haben die Aktionäre unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in ein Investment gelockt."

Leipold vertritt auch einen Zulieferer aus Berlin, der mit dem Bau des Multifunktions-Carbonboots "Backyak" beauftragt wurde. Mit der Weltneuheit wollte Klepper schon Anfang 2012 auf den Markt kommen und viel Boden gutmachen. Doch bahnt sich auch hier ein Rechtsstreit an: Der Zulieferer stellte 150 000 Euro in Rechnung, die Klepper aber nicht zahlen will. Stattdessen stellt die Rosenheimer Firma ihrerseits über 100 000 Euro in Rechnung, weil Lieferfristen und Qualitätsstandards nicht erfüllt worden sein sollen.

Während Klepper die TU München mit einer Prüfung der Kostenhöhe beauftragt hat, fährt Leipold schwere Geschütze auf, kündigt für den Fall, dass Klepper weiterhin nicht zahlt, eine Strafanzeige an und rät Aktionären, "ihr Geld so schnell wie möglich einzuklagen".

Ludwig Simeth (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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